Pfarrer Dietmar Heeg über die Fastenzeit im Zeitalter der Technik und seine täglichen Videobotschaften

„Kirchenleute leben nicht hinterm Mond“

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Pfarrer Dietmar Heeg

Geistiges und seelisches Entschlacken: Seit Aschermittwoch interpretiert Pfarrer Dietmar Heeg täglich in einer einminütigen Videobotschaft Bibelverse, die zuvor als Fasten-SMS verschickt wurden.

Die Sätze aus den Evangelien sollen die Menschen zum kurzen Ausstieg aus dem Alltag und Innehalten bewegen. Wir haben Pfarrer Heeg gefragt, warum Kirche und moderne Technik zusammenpassen und wie man heutzutage richtig fastet.

Tägliches SMS-Fasten:Bis Ostersonntag verschickt die Katholische Fernseharbeit in Frankfurt und domradio.de täglich Bibelverse per SMS und Twitter.2009 haben sich 1000 SMS-Fastende registriert. Zum ersten Mal sind im Jahr 1999 SMS in einer kirchlichen Aktion zur Verkündung christlicher botschaften eingsetzt worden.

www.sms-fasten.de

Pfarrer Dietmar Heeg: Alle reden vom Web 2.0, vom interaktiven Internet mit bewegten Bildern. Wir Kirchenleute leben nicht hinter dem Mond, wir nutzen das auch. Deswegen steige ich mit meiner Videobotschaft mit dem Tagessegen-Spezial zum SMS-Fasten ein.

Glauben Sie, dass Berufstätige tatsächlich die Zeit dazu haben, alles spontan liegen und stehen zu lassen?

Heeg: Kurz nachdenken kann man doch überall: Am Schreibtisch, im Bus, in der Straßenbahn oder sonstwo. Der Bibelvers in den Fasten-SMS soll die Menschen zum reflektieren anregen. Sie sollen sich fragen, was diese Verse gerade heute für sie persönlich bedeutet.

Wirkt die Fastenzeit in unserer schnelllebigen Zeit viel intensiver als früher?

Heeg: Es besteht die Gefahr, dass die Fastenzeit nur noch zur Geschäftemacherei genutzt wird. Dem will ich entgegenwirken: gerade im Stress braucht es Training, um Besinnung und Ruhe einzuüben.

Ist es auch Fasten, wenn man nicht aufs Essen verzichtet, dafür aber keine technischen Hilfsmittel benuzt – beispielsweise auf Handy, Laptop und Fernsehen verzichtet?

Heeg: Klar. Bewusste Nutzung oder auch Verzicht bringt oft mehr, als auf ein paar Bonbons oder Schokolade zu verzichten und sich somit das Gewissen zu beruhigen.

Was war bisher das ungewöhnlichste Fasten, von dem Sie erfahren haben?

Heeg: Jeder kennt seine eigenen Macken und Unmäßigkeiten. Hier gilt es anzusetzen!

Geht es in der Fastenzeit darum, ein besonders großes Opfer mit seinem Verzicht zu bringen – nach dem Motto: je schwieriger der Verzicht, desto intensiver das Fasten?

Heeg: Im christlichen Fasten geht es nicht in erster Linie um Gewichtsverlust, sondern um unser Verhältnis zu Gott. Unser Leben ist oft dermaßen von allem möglichem zugemüllt, dass wir gar nicht mehr erkennen, wo Gott ist und was er von uns will. Daher ist die Fastenzeit das Trainingslager auf Ostern hin. Da feiern wir den Kern unsres Glaubens, die Auferstehung. Und das kann ich nur, wenn ich seelisch fit bin. (hhg)

Pfarrer Dietmar Heeg, (45), ist Beauftragter der Katholischschen Kirche beim Privatsender RTL und bei der ProSiebenSat1.Media AG. Er ist Priester im Bistum Main und moderiert seit 2010 die Rubrik „Gewissensfage“ beim Sat1-Frühstücksfernsehen.

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