Gerüchte über Diebstahlserie

Klauende Asylbewerber? Edeka-Betreiber nimmt Stellung

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Friedberg - Der Inhaber einer Edeka-Filiale im bayerisch-schwäbischen Friedberg spricht nun Klartext. Was steckt wirklich hinter dem Gerücht einer Diebstahlserie durch Asylbewerber.

Michael Wollny ist Inhaber einer Edeka-Filiale in Friedberg. Im Ort und über die sozialen Netzwerke machte das Gerücht die Runde, dass in seinem Supermarkt Asylbewerber massenhaft klauen würden, die Medien aber darüber nicht berichten, damit keine Unruhe aufkommt.

Ähnliche Gerüchte in Oranienburg und anderen Städten

Kein Einzelfall: Auch in Oranienburg (Bundesland Brandenburg) und anderen Orten machten solche Gerüchte über Asylbewerber bei Edeka- und andere Supermarktketten die Runde. Auf einer Internetplattform findet sich die anonyme Zuschrift eines Bewohners aus dem Landkreis Oberhavel, der aus "zuverlässiger Quelle" erfahren haben will, dass Bewohner aus einem Asylbewerberheim im REWE-Supermarkt stehlen. Eine Strafe erwartet sie angeblich nicht, den Schaden begleiche das Landratsamt, die Polizei bleibe außen vor, heißt es auf der Internetplattform, wie die Märkische Allgemeine berichtet.

"Absoluter Bullshit!"

Dass solche Meldungen pure Hetze ohne Wahrheitsgehalt sind, macht nun der Edeka-Betreiber Michael Wollny mit seinem Facebook-Beitrag deutlich, der seit Donnerstag schon über 1000-mal geteilt wurde. Er sei alles andere als ein Sozialromantiker, doch er hat eine klare Botschaft an alle, die das Diebstahl-Gerücht glauben: "Wer dieses Märchen unreflektiert aufnimmt und weiter erzählt, der erzählt absoluten Bullshit!" Er sei darüber schockiert und auch ein bisschen wütend.

Bislang habe er überhaupt keine schlechten Erfahrungen mit Asylbewerbern als Kunden gemacht. Im Gegenteil: "In all den Jahren, die ich den Edeka-Markt in Friedberg jetzt führe, wurde ich selten so häufig mit einem Handschlag und einem herzlichen "Dankeschön" (bzw. "thank you") verabschiedet wie das jetzt bei den derzeit hier lebenden Asylbewerbern der Fall ist."

Hier ist der Facebook-Beitrag des Betreibers:

Ich bin immer noch schockiert, und auch ein bisschen wütend darüber, wie bereitwillig Menschen Gerüchte annehmen und...

Posted by Michael Wollny on Donnerstag, 17. September 2015

Offenbar sah sich Betreiber Wollny genötigt, am Samstag noch mal eine weitere Klarstellung über Facebook zu schreiben, weil er zahlreiche Antworten auf seinen ersten Beitrag erhalten hat.

Darin teilt er mit, dass er natürlich nicht ausschließt, dass auch mal ein Asylbewerber bei ihm klauen werde, allerdings gerate sein "Weltbild dann nicht aus den Fugen", wenn er "den ersten Syrer, Iraker oder Pakistani der Polizei übergeben muss". 

Und weiter: "Es ist mir egal, ob ein Dieb klein oder groß, dick oder dünn, Mann oder Frau ist. Für mich macht es keinen Unterschied, ob dieser Mensch ein Stammkunde war, oder ob ich ihn das erste Mal gesehen habe. Ich hatte hier klauende Deutsche, Rumänen, Polen und Russen. Die Nationalität ist mir egal. Entscheidend ist für mich, dass dieser Mensch MEIN Eigentum ungefragt entwendet hat, und dass ich es zurück haben möchte."

Auch dieser Beitrag wurde mittlerweile hundertfach auf Facebook geteilt.

Es überrascht mich ein bisschen, welch großes Interesse mein letzter Beitrag hervorgerufen hat. Immerhin schreibe ich...

Posted by Michael Wollny on Samstag, 19. September 2015

mg

Quelle: rosenheim24.de

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