Knackige Botschaften im Telegrammstil: Twitter für Anfänger

+
Im Zeichen des Hashtags: Viele Twitterer setzen ihre Kurznachrichten auch per Smartphone ab. Foto: Franziska Gabbert

Auf Twitter kommt man schnell mit anderen ins Gespräch. Doch auch wenn die Atmosphäre des Netzwerks recht zwanglos ist, sollte man nicht X-Beliebiges twittern. Denn nur spannende Inhalte steigern die Zahl der Follower.

Berlin (dpa/tmn) - Eigentlich wollte der Softwareentwickler Jack Dorsey nur einen internen Kurznachrichtendienst für seine kleine Firma programmieren. Doch Twitter wurde schnell auch außerhalb des Unternehmens populär. Inzwischen twittern weltweit rund 300 Millionen Menschen.

Eine Nachricht darf nicht länger sein als 140 Zeichen. Doch genau das macht die Faszination von Twitter aus, glaubt Michael Rajiv Shah. "Man begegnet sich viel freier und offener als auf anderen Plattformen, weil man mit den kurzen Tweets knackig etwas ins Gespräch wirft", sagt der Autor eines Twitter-Ratgebers. Ein kostenloser Account ist schnell angelegt. Gebraucht wird nur eine E-Mail-Adresse. Vor dem Nutzernamen, der vom echten Namen abweichen kann, steht immer ein @-Zeichen.

Neulingen empfiehlt Michael Rajiv Shah, erst einmal Konversationen anderer zu lesen. "Zum ersten Einstieg sucht man Menschen, die man kennt und folgt ihnen", erklärt der Experte. Das läuft per Suchmaske, in die man Namen eingibt. Nach einem Klick auf "Folgen" werden die Nachrichten dieser Twitterer im eigenen Profil angezeigt. Je mehr Menschen man folgt, desto mehr Tweets laufen auf, sagt Shah. "Es ist eine unglaubliche Menge an Inhalten, die man schneller als mit jedem anderen Medium erhält."

Doch was sollte man als Neuling twittern? "Alles was für das eigene Netzwerk interessant sein könnte", sagt Shah. "Die Art und Weise ist fast egal." Wie Nutzer in Deutschland twittern, hat das Marktforschungsunternehmen Result untersucht und dabei folgende Arten von Tweets identifiziert: Impulsive Gefühlsäußerungen, die Beschreibung von Alltagserlebnissen und -beobachtungen, wertende Kommentare, inhaltliche Einlassungen zu einem Thema, Witze, Wortspiele und Aphorismen sowie Verweise mit Links.

Um lange Internetadressen platzsparend in 140 Zeichen unterzubringen, gibt es Dienste, die Links verkürzen, etwa Bitly.com. Sie machen aus jeder Adresse einen kurzen Link, der auch zur jeweiligen Seite führt.

Anhand eigener Tweets und der Nutzer, denen man folgt, macht Twitter Vorschläge, wem man noch folgen könnte. So entsteht schnell ein Netzwerk von Menschen mit gemeinsamen Interessen. Eine weitere Möglichkeit, neue Kontakte zu gewinnen, ist die Suche per Doppelkreuz (#), Hashtag genannt. Hashtags machen beliebige Begriffe zu Schlagwörtern und bündeln die Debatte zu einem bestimmten Thema.

"Grundsätzlich ist alles, was man auf Twitter schreibt, öffentlich", erklärt der Social-Media-Experte Markus Hartlieb. Jeder kann also alles lesen, was andere twittern - ausgenommen Direktnachrichten, die Nutzer privat austauschen können, wenn sie sich gegenseitig folgen.

"Auch wenn man einen Nutzernamen mit dem @-Zeichen an den Anfang einer Nachricht stellt, kann man den Leserkreis einschränken", sagt Michael Rajiv Shah. "Solche Mitteilungen können nur der Inhaber des Accounts selbst und die gemeinsamen Follower lesen." Und es gibt die Möglichkeit, einen sogenannten privaten Account anzulegen. Dann muss jeder potenzielle Follower erst freigeschaltet werden.

"Neue Follower gewinnt man über gute Inhalte", weiß Hartlieb. Denn spannende Tweets werden gern als Retweets weiterverbreitet. Dafür klickt man auf "Retweeten" und alle Follower bekommen die Nachricht. Von diesem Schneeballsystem profitieren Anfänger besonders, wenn ein Nutzer mit vielen Followern eine ihrer Nachrichten weiterverbreitet.

"Tweets mit Fotos und Videos werden doppelt so oft retweetet wie Tweets nur mit Text", informiert Antoinette Mussig von Twitter. Das Unternehmen veranstaltet monatlich unter dem Label TwitterAkademie kostenlose Online-Seminare. Darin wird zwar kräftig für bezahlte Anzeigen in Twitter geworben, es fallen aber auch nützliche Tipps ab.

Einen Mehrwert für andere kann man auch durch das Anlegen von Listen bieten. "Mit dieser Funktion von Twitter wählt man interessante Nutzer aus und fügt sie thematisch zusammen", erklärt Hartlieb. "Es lässt sich einstellen, ob Listen privat oder öffentlich sind." Öffentliche Listen können von anderen eingesehen und abonniert werden. Listen sind ideal, um die Informationsflut zu strukturieren.

Und wem nach der ganzen Twitterei am Schreibtisch mal wieder nach Quatschen zumute ist und der Magen knurrt, dem empfiehlt Michael Rajiv Shah etwa die Twittagessen, bei denen sich Twitterer zum Essen treffen. Wer auf Twittagessen.de kein Treffen in der Nähe findet, kann auch selbst zu einem einladen. Experte Shah weiß, warum: "Die Kunst des Social Networking besteht darin, dem virtuellen Raum die Kraft des realen Lebens zu geben."

Literatur:

Michael Rajiv Shah: Twitter für Einsteiger Social Media Minis. Stark Verlagsgesellschaft, 6,95 Euro, ISBN-13: 978-3866689671

Twitter-Studie

Zurück zur Übersicht: Netzwelt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser