Ein Selfie im Museum?

Teures Selfie! Vor diesen Kunstwerken sollten Sie kein Foto im Museum machen

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Kann man das Urheberrecht eines Kunstwerks mit einem Selfie davor umgehen?

Auch im Museum wird schnell mal vor einem Kunstwerk ein Selfie geschossen. Diese Fotos werden dann in sozialen Netzwerken geteilt - was teure Folgen haben kann.

Der Museumsbesuch wird gerne durch Fotos festgehalten. Viele machen auch gerne Selfies vor Ausstellungsstücken wie Kunstwerke um die Erinnerungen persönlicher zu gestalten oder auf Instagram, Facebook und anderen sozialen Kanälen zu veröffentlichen.

Was die Wenigsten dabei jedoch beachten, ist die Gesetzeslage. Denn selbst wenn im Museum das Fotografieren erlaubt ist, heißt das noch nicht, dass die Fotos auch ohne Bedenken veröffentlicht werden dürfen.

Fotos machen im Museum: Das müssen Sie beachten

Ob die Mona Lisa im Pariser Louvre oder ein modernes Werk eines eher unbekannten Künstlers auf einer privaten Ausstellung: Auch wenn man sich Gedanken darüber machen sollte, ob man dieses oder jenes Kunstwerk überhaupt ablichten darf, sollte auf das Hausrecht geachtet werden.

Ist es nämlich in Museen verboten zu fotografieren, erübrigt sich nicht nur die Frage nach dem Urheberrecht, sondern verstößt laut des Bundesgerichtshofs gegen den Lichtbildschutz nach § 72 UrhG. Und wenn nicht fotografiert werden darf, sollten im Normalfall auch keine Aufnahmen im Internet landen - eigentlich. Trotzdem finden sich im Netz Fotos und auch Selfies, die rechtlich gesehen nicht nur das Fotografieverbot, sondern auch das Urheberrecht verletzen. Hier kann der Verantwortliche von Glück reden, wenn er nicht belangt wird.

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"Fotografieren erlaubt" ist kein "Freifahrtschein"

Für den Fall, dass Fotoaufnahmen gestattet sind, bedeutet das aber erstmal nur für private Zwecke. Das Veröffentlichen und Verwerten der Bilder ohne Genehmigung des Eigentümers ist weiterhin verboten und würde das Urheberrecht verletzen. Wer also ein Foto von einem Kunstwerk aufnimmt, der darf es sich ins Fotobuch kleben, aber beispielsweise nicht auf Instagram teilen oder gar Geld damit verdienen. Hierfür wird eine Erlaubnis des Künstlers bzw. seiner Erben benötigt. Wer dennoch urheberrechtlich geschütztes Material veröffentlicht, wird bei einer Abmahnung zur Kasse gebeten und muss die Aufnahmen wieder entfernen.

Wer dennoch nicht auf ein kunstvolles Foto oder gar Selfie verzichten will, der sollte sich genau informieren. Denn ausgenommen vom Urheberrecht sind Kunstwerke von Künstlern, die bereits seit über 70 Jahren verstorben sind. Dann sind seine Werke nicht mehr geschützt, sondern gemeinfrei und können ohne Probleme verwendet werden. Man muss sich daher nur die richtigen Kunstwerke für seine Fotomotive heraussuchen - sofern das Hausrecht das Fotografieren erlaubt.

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Urheberrecht auch bei Selfies? 

Aber Foto ist nicht gleich Foto? So denkt sich so mancher vermutlich, dass bei einem Selfie das Urheberrecht nicht so streng geregelt ist, da das Kunstwerk nur im Hintergrund zu sehen ist. Außerdem heißt es passend dazu im Urheberrechtsgesetz § 57: "Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe von Werken, wenn sie als unwesentliches Beiwerk neben dem eigentlichen Gegenstand der Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe anzusehen sind."

Klingt wie ein Schlupfloch? Eher nicht! Denn der Bundesgerichtshof fasst den Begriff "Beiwerk" im einemGerichtsurteil von 2014 recht streng und im Sinne des Urheberrechtschutzes, also für das Kunstwerk und seinen Künstler. Wer also hofft, dass das Kunstwerk auf seinem Selfie nur als Beiwerk zu verstehen ist, der ist sehr optimistisch, wird aber in der Regel nicht damit durchkommen. Daher gilt, wie bei allen anderen Fotos: Lieber immer auf Nummer Sicher gehen.

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