7365 Kilometer fern der FDP: Westerwelle in China

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Nein, hinter Guido Westerwelle stehen keine gefährlichen FDP-Parteifreunde. Der Außenminister steht am Freitag im neue Nationalmuseum in Peking vor dem Gemälde des chinesischen Künstlers Xubei Hong aus dem Jahr 1940.

Peking - Politik absurd: Während die FDP am Stuhl ihres Chefs sägt, macht Westerwelle siebeneinhalbtausend Kilometer fern der Heimat nur Außenpolitik. Zum Machtkampf in der eigenen Partei lässt er sich kein einziges Wort entlocken.

Chinas Ministerpräsident ist ein höflicher Mann. Also hat sich Wen Jiabao gut vorbereitet, bevor er im Purpurglanz-Pavillon des Pekinger Regierungsviertels den Gast aus Deutschland in Empfang nimmt. Freundlich erinnert er daran, wie er Guido Westerwelle schon 2004 das erste Mal begrüßen konnte, als dieser noch nicht Außenminister, sondern nur FDP-Vorsitzender war.

Das ist nett gemeint. Aber auf die Bemerkung, wie das Leben mit einem Job weniger sein kann, hätte Westerwelle an diesem Tag durchaus verzichten können. Während er sich 7365 Kilometer fern der Heimat um die Beziehungen zu China kümmert, wird in Berlin an seinem Stuhl gesägt wie noch nie. Selbst bisherige Vertraute wie Fraktionschefin Birgit Homburger stellen ihn in Frage.

Sie waren die Chefs der FDP

Sie waren die Chefs der FDP

Dem 49-Jährigen ist die Müdigkeit anzusehen. Er hat den langen Nachtflug in den Knochen, nach der Ankunft Krisentelefonate mit Parteifreunden geführt, wegen der sechs Stunden Zeitunterschied schlecht geschlafen. Aber anmerken lässt er sich nichts. Bei den Auftritten mit den chinesischen Gastgebern ist Westerwelle die Freundlichkeit in Person.

Vielleicht lässt er sich die Nachrichten aus der Heimat noch ein wenig häufiger bringen als ohnehin. Ansonsten spult er das Programm ab wie geplant: Tee mit Wen Jiabao, Mittagessen mit dem chinesischen Kollegen und als Höhepunkt die Eröffnung einer großen Ausstellung mit Kunst aus Deutschland im neu renovierten Nationalmuseum. Die Themen: Deutsch-chinesische Beziehungen, Atomkatastrophe in Japan, Krieg in Libyen. Im UN-Sicherheitsrat hat sich China wie Deutschland enthalten. Jetzt fordert man gemeinsam eine politische Lösung.

Auf den Machtkampf in der FDP geht Westerwelle in Peking überhaupt nicht ein. Nicht einmal in den Hintergrundgesprächen, die es auch bei solchen Reisen gibt, lässt er sich dazu ein Wort entlocken. In gewissem Maße erinnert die Situation an die Südamerika-Reise vor einem Jahr: Während Westerwelle damals von Chile nach Brasilien tourte, gab es ätzende Kritik an der Begleitung durch vermeintlich nach FDP-Nähe ausgewählte Unternehmer. Nach außen hin ignorierte Westerwelle das bis zum Schluss.

Michael Mronz: Der Mann an Westerwelles Seite

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In China bleiben Westerwelle öffentliche Fragen nach dem Aufstand in seiner eigenen Partei weitgehend erspart. Das liegt vor allem daran, dass es kaum Gelegenheit dazu gibt. Die kommunistischen Gastgeber haben ein anderes Verständnis von Pressefreiheit: Pressekonferenzen gibt es nicht. Außenminister Yang Jiechi lässt vor dem gemeinsamen Mittagessen ganze zwei Fragen zu, zum Stand der Beziehungen und zu Libyen. Die FDP-Frage bleibt Westerwelle erspart.

Einmal, am Rande des offiziellen Programms, wird der Außenminister aber doch um Auskunft gebeten, wie er den Zustand seiner Partei beurteilt. Die Antwort ist ganz knapp, dazu seltsam leise und matt: “Nein, danke.“ Man muss sich Mühe geben, Westerwelle zu verstehen.

Von Christoph Sator

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