Trauerfeier am Montag

Abschied von Scharon: Sarg vor Parlament aufgebahrt

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Die Ehrengarde trägt Scharons Sarg vor die Knesset, das israelische Parlament.

Jerusalem - Israel nimmt Abschied von seinem Ex-Ministerpräsidenten Ariel Scharon: Sein Sarg wurde am Sonntag vor dem Parlament in Jerusalem aufgebahrt, hunderte Bürger erwiesen ihm die letzte Ehre.

Staatspräsident Schimon Peres legte feierlich einen Trauerkranz vor dem Sarg nieder, der in eine weiß-blaue israelische Flagge mit Davidstern gehüllt war. Hunderte von Bürgern kamen auf den Platz, um Scharon die letzte Ehre zu erweisen.

Scharon war am Samstag nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben. Der frühere Militär und Politiker hatte nach einem Schlaganfall acht Jahre im Koma gelegen. An diesem Montag ist eine offizielle Trauerfeier im Parlament vorgesehen, anschließend wird Scharon mit militärischen Ehren auf seiner Farm in der Negev-Wüste beigesetzt.

Die USA sollen bei den Trauerfeierlichkeiten von Vize-Präsident Joe Biden und Deutschland von Außenminister Frank-Walter Steinmeier vertreten werden. Steinmeier beschrieb Scharon nach Angaben der deutschen Botschaft in Tel Aviv als „unermüdlichen Verteidiger seines geliebten Heimatlandes Israel“.

Israels Regierung hielt im Gedenken an Scharon am Sonntag eine Schweigeminute ab. Das israelische Volk werde Scharon „für immer als einen der wichtigsten Anführer und mutigsten Kommandeure im Herzen behalten“, sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Ariel Scharon - Stationen seines Lebens

Ariel Scharon - Stationen seines Lebens

Ariel Scharon kommt 1928 unter dem Geburtsnamen Ariel Scheinermann als Sohn osteuropäischer Juden in der Landgenossenschaft Moschaw Kfar Malal zur Welt. Bereits mit 14 Jahren tritt er in die Untergrundmiliz Hagana, den Vorläufer des israelischen Heeres, ein. © dpa
Scharon kämpft im Unabhängigkeitskrieg und macht danach in der Armee des neuen Staates Israel schnell Karriere: Im Sechstagekrieg und im Jom-Kippur-Krieg (Foto mit dem damaligen Verteidigungsminister Mosche Dajan, links) missachtet er zwar häufig die Anweisungen seiner Vorgesetzten, kann jedoch durch seine Alleingänge die Lage für Israel mehrmals zum Guten wenden. © dpa
Ariel Scharon heiratet zwei Mal: Als seine erste Frau Margalit, genannt "Gali", 1962 bei einem Autounfall stirbt, heiratet er später ihre jüngere Schwester Lily. © AFP
Lily und Ariel Scharon haben zwei gemeinsame Söhne, Omri und Gilad. Sie verstirbt im Jahr 2000. © AFP
Nachdem er die drohende Niederlage im Jom-Kippur-Krieg abgewendet hat, gilt der Kommandeur Scharon in Israel als Held. Er wechselt in die Politik und bekleidet wechselnde Ministerämter - das Bild zeigt ihn 1983 als Verteidigungsminister (rechts) beim Einmarsch in den Libanon. © dpa
Unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu treibt er um die Jahrtausendwende als Außenminister den Ausbau der israelischen Siedlungen voran. Als Netanjahu 1999 wegen einer Finanzaffäre als Parteichef des "Likud" zurücktritt, übernimmt Scharon seinen Posten. © dpa
Scharon verspricht den Israelis mehr Sicherheit vor palästinensischen Anschlägen und setzt gezielt auf politische Provokationen gegen Palästinenserführer Jassir Arafat. © dpa
Unter anderem besucht er mit Journalisten, Polizisten und Militärs den als heilig angesehenden Tempelberg in Jerusalem und signalisiert damit Hoheitsansprüche auf die Stadt. Der Besuch wird begleitet von gewaltsamen Unruhen, die in die Zweite Intifada münden. © dpa
Ein Jahr später gewinnt Scharon die Sonderwahl zum Premierminister. Er beginnt mit dem Bau der Israelischen Sperranlage um das Westjordanland und setzt den Rückzug Israels aus dem Gazastreifen durch. Sein Sohn Omri (links im Bild) rückt durch einen Spendenskandal in den Blickpunkt, mit dem er den Wahlkampf seines Vaters finanziert haben soll. © AFP
Im November 2005 kündigt Ariel Scharon seinen Rücktritt an. Er tritt aus dem Likud aus und gründet die Partei "Kadima". Wenige Wochen später erleidet er kurz hintereinander zwei Schlaganfälle mit Einblutungen ins Gehirn und wird für amtsunfähig erklärt. © dpa/dpaweb
Seine Ärzte versetzen Scharon ins künstliche Koma, ein späterer Aufweck-Versuch misslingt. 2010 setzen seine Söhne durch, dass der Komapatient für einige Tage auf seinen heimatlichen Bauernhof gebracht wird (Bild). Doch auch die zeitweise Verlegung bringt keine Besserung. © dpa
Der israelische Künstler Noam Braslavsky fertigt 2010 eine lebensechte Wachsfigur des Patienten Scharon an, um an dessen Zustand zu erinnern. Tatsächlich scheint es Hoffnung zu geben: Laut seinem persönlichen Arzt reagiert Scharon auf Kniffe mit abwehrenden Bewegungen und öffnet die Augen, wenn man ihn anspricht. Sein Zustand bleibt bis 2014 konstant, bis er sich dramatisch verschlechtert: Im Januar versagen mehrere lebenswichtige Organe, er ringt mit dem Tode. © dpa
Am Samstag, 11. Januar 2014, berichteten israelische Medien, dass Ariel Scharon im Alter von 85 Jahren gestorben ist. © dpa

dpa

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