Buntes Faschingstreiben

Aigner Kronprinzessin der Staatskanzlei

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Ministerpräsident Horst Seehoer und "Kronprinzessin" Ilse Aigner.

München - Ministerin Aigner als Kronprinzessin in der Staatskanzlei, Chinesen in Dietfurt, Hemadlenzen in Dorfen und „Schellenrührer“ in Mittenwald - der Fasching in Bayern steuert auf seinen Höhepunkt zu.

Mords Narretei im weiß-blauen Machtzentrum: Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) ist als Kronprinzessin in die Münchner Staatskanzlei eingezogen - beim jährlichen Empfang für die bayerischen Faschingsvereine am Unsinnigen Donnerstag. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüßte Aigner freundlich in ihrer Eigenschaft als Thronfolgerin und forderte sie auf, sich mit aufs Foto zu stellen. Aigner zog heftig an Seehofers Krawatte. „Sie sehen die geheimen Wünsche der Ilse“, sagte Seehofer. „Sie will mir die Luft abdrücken.“ Auch in anderen bayerischen Gegenden wurde der Endspurt in den diesjährigen Fasching mit Umzügen eingeläutet.

Beim Narrenauftritt in der Staatskanzlei fehlte Finanzminister Markus Söder (CSU), neben Aigner derzeit der zweite „heiße“ Anwärter auf Seehofers Nachfolge. Das fiel dem CSU-Chef gleich auf: „Der Söder wäre schon längst da vorne gelegen“, kommentierte Seehofer die Aufstellung zum Gruppenbild. Weitere Deutungen sparte sich Seehofer - „sonst lösen wir an anderer Stelle wieder Unruhe aus“, sagte er mit Blick auf Söder und andere Interessenten am Chefsessel. „Sie wissen aus der Lektüre der Medien, dass es noch keinen Ministerpräsidenten gab, der so viele Kronprinzessinnen und Kronprinzen hatte wie ich.“ Natürlich büßte Seehofer bei der Faschingsgaudi seine Krawatte ein.

Mit dem Gruß „Kille-Wau“ zogen beim Chinesenfasching mehrere tausend als Asiaten verkleidete Narren durch Dietfurt (Landkreis Neumarkt i.d. Oberpfalz). Punkt 14.01 Uhr, oder wie es die Narren dort sagen um 13.61 Uhr, startete der bunte Zug mit rund 50 Gruppen. Mehr als 10 000 Zuschauer säumten unter wolkenvergangenem Himmel die Straßen. Statt eines Faschingsprinzen haben die Dietfurter einen Kaiser. Am Unsinnigen Donnerstag regiert „Ko-Houang-Di“ in seinem Drachenwagen unter dem Motto „Zirkus ist in Bayrisch China, alle jubeln, das ist prima!“.

Der Chinesenfasching geht auf eine Sage zurück, wonach die Dietfurter im Mittelalter einen Steuereintreiber einfach vor der Stadtmauer stehen ließen. Dieser beschwerte sich, sie hätten sich „wie die Chinesen“ hinter ihrer Mauer verschanzt.

Im oberbayerischen Dorfen (Landkreis Erding) hatten dagegen die Hemadlenzen das Sagen. Mit weißen Nachthemden verkleidet und mit Zipfelmützen auf dem Kopf zogen Hunderte Teilnehmer durch den Ort. In einer Turmstube wartete schon das Prinzenpaar, das über eine Leiter herabstieg und sich an die Spitze des Zuges stellte. Danach wurde das Rathaus besetzt und zum Schluss eine Stoffpuppe auf einen Galgen gezogen und unter dem tosenden Jubel aller Hemadlenzen verbrannt. Damit wird in Dorfen sinnbildlich der Winter ausgetrieben.

Bei dichtem Schneetreiben tanzten in Mittenwald (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) die „Schellenrührer“ an den Zuschauern vorbei durch den Ort. Auch diese Faschingstradition soll die Dämonen des Winters vertreiben.

Der Unsinnige Donnerstag gilt auch als Weiberfasching. Viele Männer waren schon am Vormittag vor allem in Büros und Behörden mit kurzen Krawatten anzutreffen. Mitarbeiterinnen hatten sie ihnen einfach abgeschnitten.

dpa

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