"Wir wollen erstmal hören, was da passiert ist"

Julia Klöckner (CDU) wird wegen Nestlé-Video von Anne Will veralbert

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Julia Klöckner (CDU) hat ein umstrittenes Video mit dem Konzern Nestlé gedreht.

Viele empfanden das Nestlé-Video mit Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) als „Werbeclip“. Nun gibt es Spott auf von Politik-Talkerin Anne Will.

Update vom 11. Juni, 20.30 Uhr: Nach dem Eklat um einen umstrittenen Clip mit dem Lebensmittelkonzern Nestlé muss Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner weiter Spott über sich ergehen lassen - nun hat auch TV-Talkmasterin Anne Will auf Twitter gegen die CDU-Politikerin gestichelt.

Anlass war ein Bericht über die Düngemittelverordnung. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte Deutschland im vergangenen Jahr verurteilt, weil die Bundesregierung zu wenig gegen den hohen Nitratgehalt im Grundwasser vorging, der vor allem durch Dünger verursacht wird. Deshalb drohen nun hohe Strafzahlungen. Eine erste Verschärfung der Düngeverordnung ging der EU-Kommission nicht weit genug. Und nach wie vor steht eine Einigung zwischen Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) aus.

„Kann Nestlé helfen?“, twitterte Will nun knapp. Ein Seitenhieb sowohl auf die augenscheinlich große Näher Klöckners zum Konzern, als eventuell auch auf die Qualität von Nestlé-Produkten. So verstanden es zumindest einige Nutzer: Ein User reagierte mit dieser Gegenfrage auf den Beitrag: „Hä, sollen die dann mit Nespresso düngen?“

Nicht nur von der EU, sondern auch seitens der Bundeskanzlerin gibt es mittlerweile klare Ansagen: Beide Ministerinnen sollten am Dienstag ins Bundeskanzleramt geladen werden, um noch offene Punkte gemeinsam zu klären, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Anne Wills Talk wird sich am Sonntag unterdessen - thematisch durchaus passend - mit dem Zustand der GroKo beschäftigen.

Nestlé-Video: CDU-Politiker springen Klöckner bei – Medienanstalt prüft umstrittenen Clip

Update vom 9. Juni, 14.45 Uhr: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat Unterstützung aus den eigenen Reihen für ihr umstrittenes Video mit dem Nahrungsmittelkonzern Nestlé bekommen. Die Ministerin habe das vielleicht "im Überschwang der Freude gepostet, weil sie einen großen Konzern dazu bewegt hat, gesündere Produkte anzubieten", sagte Alois Gerig (CDU), Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).

Er finde das "nicht verwerflich, so lange dabei keine Hintergedanken zum eigenen Vorteil eine Rolle spielen", sagte Gerig. Und das könne er bei Klöckner ausschließen. Auch als Werbung für Nestlé betrachte er den Clip nicht, sagte der CDU-Politiker. Schließlich seien keine Produkte des Konzerns zu sehen. Vielmehr sei das Video eine "Botschaft an die Branche", dass es auch freiwillig gehe.

Den Clip hatte das Ministerium bereits am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter gepostet. Darin bedankt sich Klöckner bei dem Nestlé-Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch für die Unterstützung des Konzerns bei ihrer Initiative zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Lebensmitteln. Seit Mittwoch sieht sich Klöckner scharfer Kritik ausgesetzt.

Die SPD-Ernährungsexpertin Ursula Schulte sagte der FAS, sie fühle sich von Klöckners Video "brüskiert". Der Clip "grenzt an Werbung". Zudem stelle sich die Frage, warum andere und kleinere Unternehmen, die ebenfalls an der Reduktionsstrategie beteiligt seien, nicht zu Wort kommen. Zwar gehöre es zu den Aufgaben der Ministerin, mit Unternehmen zu sprechen, sagte Schulte. "Aber es gibt einen Unterschied, solche Gespräche zu führen und sie in dieser Weise im Internet zu veröffentlichen."

Geprüft wird das Video derzeit von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. "Wir wollen erstmal hören, was da passiert ist", hatte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag gesagt. Daher wolle die Behörde sich mit dem Ministerium über den Hintergrund des Videos austauschen.

Das Ministerium bestätigte, dass eine Terminanfrage seitens der Medienanstalt vorliegt. "Dieser Anfrage werden wir nachkommen", erklärte eine Sprecherin. Zugleich betonte Klöckners Ressort, es gehöre dazu, mit Verbänden und auch Unternehmen zu sprechen und sie "in die Pflicht zu nehmen".

Die Ursprungsmeldung: „Werbevideo“ mit Nestlé - Massive Kritik an Ernährungsministerin Klöckner

München - Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner sieht sich heftiger Empörung ausgesetzt. Seit Monaten schon steht sie in der Kritik, weil sie der Agrarindustrie zu nahe stehe. Nun wird ihr ein Video zum Verhängnis, das ihr Ministerium auf Twitter postete.

Nestlé-Chef Boersch und Klöckner in trauter Einigkeit

In dem Video präsentiert sie sich mit dem deutschen Nestlé-Chef Marc-Aurel Boersch. Mit ihm habe sie sich über die „Philosophie von Nestlé“ unterhalten. Klöckner: "Ich habe heute viel Neues erfahren und freue mich, dass wir Unterstützung haben für unsere Innovations- und Reduktionsstrategie. Weniger Zucker, weniger Salz, weniger Fett in den Produkten, die die Bürger gerne mögen."

Der lächelnde Nestlé-Boss antwortet: "Wir unterstützen die Reformulierungsstrategie der Ministerin sehr, sehr gerne." Diese nickt ihm erfreut zu. Boersch erklärt, seine Firma habe den Zucker-, Salz- und Fettgehalt ihrer Produkte um zehn Prozent gesenkt. Boersch weiter: „Sind wir damit zufrieden? Nein. Ich glaube, es muss schneller gehen“. Daraufhin schmunzelt Klöckner zufrieden.

Ernährungsministerin Klöckner veröffentlicht auf Twitter Video - und bringt User gegen sich auf

Unter dem Hashtag #nestle hat das Video in kurzer Zeit viele Twitter-User gegen Klöckner aufgebracht. Sie kritisieren ihren unkritischen Umgang mit dem Lebensmittel-Konzern, und werfen ihr vor, sich für PR-Zwecke missbrauchen zu lassen. Unter den Kritikern sind auch Bundespolitiker: SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach twitterte: "Vorgang ist peinlich, ja bitter." Die CDU-Frau habe sich von Nestlé "erst die Zuckersteuer und die Lebensmittelampel abverhandeln" lassen - und trete nun bei einem PR-Event mit dem Unternehmen auf, schimpfte er.

Auch Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt sprach von einem „Werbevideo“ für Nestlé und listete gleichzeitig Klöckners Versäumnisse auf. Ein Twitter-User bezeichnete sie als Nestlés „Mitarbeiterin des Monats“, während ein anderer fragt: „Warum schafft Nestlé in Deutschland nur 5 Prozent (Zucker)Reduktion und in Großbritannien 50 Prozent? Kann das an einer Zuckersteuer liegen? Ich weiß ja nicht.“

Nach Kritik an Video: Ernährungsministerin Klöckner reagiert abwehrend

Klöckner reagierte defensiv auf die Kritik. „An die Hatespeaker, weil ich mit Nestlé gesprochen habe: Mal eigene Forderungen #Zuckerreduktion nachlesen! Dass Unternehmen unsere Ziele für bessere Nahrungsmittel umsetzen, ist ein Erfolg. Erst unterstellen, dass nichts geschieht. Dann durchdrehen, wenn man was erreicht.“

Als ein User ihr vorwirft, bei ihr keine kritische Auseinandersetzung mit dem umstrittenen Konzern zu erkennen, legt sie nach: "Herrje, es ist ja auch zu schön und einfach, Politiker als die letzten Deppen hinzustellen und Forderungen rauszuhauen, ohne sich wirklich ernsthaft differenziert mit dem Thema beschäftigt zu haben. Leute, Demokratie funktioniert so nicht." Auch Klöckners abwiegelnde Antworten werden von vielen Usern kritisiert. „So gewinnt die CDU bestimmt die Jugend zurück“, schreibt einer.

Klöckners Ministerium reagiert auf Vorwürfe: „Wir vestehen eure Argumente“

Ihr Ressort postete dagegen eine diplomatischere Antwort auf die Reaktionen. "Wir verstehen eure Argumente", ließ der offizielle Account des Agrarministeriums wissen. "Und gleichzeitig liegt es uns am Herzen, dass es vorangeht mit gesünderen Lebensmitteln - weniger #Zucker, #Fette, #Salz. Dabei sehen wir gerade auch die ganz Großen in der Verantwortung!"

Dem Großkonzern Nestlé werden fragwürdige Geschäfte vorgeworfen, beispielsweise die Privatisierung von Trinkwasser in Entwicklungsländern. Greenpeace warf dem Unternehmen vor, die Zerstörung des Regenwalds durch die Verwendung von Palmöl in seinen Produkten zu beschleunigen. Die Firma hat zugesichert, bis 2020 nur noch nachhaltiges Palmöl verwenden zu wollen.

cg

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