Antwort auf Islamisten: Grundgesetze verteilt

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Der Bundestagsabgeordnete Memet Kilic (Bündnis 90 / Die Grünen) verteilt am Freitag auf dem Marktplatz in der Pforzheimer Innenstadt das Grundgesetz.

Pforzheim - Nicht nur Islamisten können Bücher verteilen: Den umstrittenen Koran-Verteilungen setzt ein Bundestagsabgeordneter eine eigene Aktion entgegen - und verschenkt das Grundgesetz.

Aus Sicht des Verfassungsschutzes wäre ein Regenschirm nicht schlecht gewesen: Seit einer dreiviertel Stunde steht der Bundestagsabgeordnete Memet Kilic auf dem Marktplatz von Pforzheim und verteilt kostenlos Ausgaben des Grundgesetzes an Passanten. Da beginnt es zu regnen. Schirme hat der integrationspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion nicht mitgebracht. Von seinem Ortsverband hätte er welche bekommen können, sagt Kilic. “Aber ich wollte nicht, dass es eine Parteiveranstaltung wird.“

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Also muss er mit seinem Stand umziehen, sein Mitarbeiter und ein paar Helfer tragen den Tapeziertisch mit den Bücherstapeln unter einen schützenden Baum. Rund 500 Exemplare hat Kilic aus dem Bundestag mitgebracht, in sieben verschiedenen Sprachen. Deutsch und Türkisch gehen am besten. In Arabisch war das Grundgesetz nicht aufzutreiben - da gibt es eine Lücke im Informationsmaterial des Bundestags zur politischen Bildung.

Mit der Aktion reagiert Kilic auf die kostenlosen Korane, die islamische Fundamentalisten in den vergangenen Wochen in deutschen Fußgängerzonen verteilt hatten. Was zum Teil zu heftigen politischen Reaktionen geführt hatte, bis hin zu der verfassungsrechtlich eher zweifelhaften Forderung, die Koranverteilung einfach zu verbieten.

“Ich habe den Eindruck, dass sich Salafisten auf der einen Seite und politische Extremisten auf der anderen Seite gegenseitig hochschaukeln“, sagt Kilic. “Die vernünftige Mitte der Gesellschaft muss sich zu Wort melden und deutlich machen, dass wir eine wunderbare Grundlage haben, auf der wir gemeinsam leben können. Deshalb will ich für das Grundgesetz Werbung machen.“

Dabei wird deutlich: Mit dem Grundgesetz lässt sich nicht so sehr polarisieren wie mit dem Koran. Und die meisten Passanten in der Pforzheimer Fußgängerzone sind wohl auch keine Verfassungsfeinde. Die Reaktionen sind durchweg positiv. Andererseits: Es entsteht kein Menschenauflauf - im Schlussverkauf ist mehr los. Nach gut anderthalb Stunden sind immerhin 250 Exemplare verteilt. Auch der Deutsch-Iraner Youssef Mostaghim nimmt ein Exemplar mit. “Das Grundgesetz muss jeden interessieren, der hier lebt“, sagt er, “egal, welcher Nationalität oder Religion er ist.“

Nur eine ältere deutsche Frau ist unzufrieden. “Da muss man sich aber auch dran halten“, fährt sie Kilics Mitarbeiter an, der zwar in Deutschland geboren ist, aber noch ein bisschen türkischer aussieht als Kilic. “Sonst“, so die Dame weiter, “dürfen wir bei Euch auch alles machen!“ Auch der Hinweis, dass es gerade um Werbung für die Verfassung geht, kann sie nicht beruhigen. Vielleicht hält sie das ganze für eine Mogelpackung? “Ja, ja, Grundgesetz - da kann man viel reinschreiben!“ Auf die Idee, das angebotene Exemplar mitzunehmen und zu lesen, kommt sie nicht.

dpa

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