Letztes TV-Duell vor der US-Wahl

Aggressiver Obama mit Punktsieg gegen Romney

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Im dritten und letzten TV-Duell vor der US-Wahl konnte vor allem Präsident Obama noch einmal glänzen - trotzdem bleibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Washington - US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney haben beim TV-Duell am Montagabend ein letztes Mal die Klingen gekreuzt. Vor allem Obama konnte dabei mit aggressiven Kontern punkten.

Eine erste Analyse des TV-Duells lesen Sie hier

Gleich zum Auftakt des TV-Duells versuchte Romney seinem Rivalen den außenpolitischen Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er ihm zur Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden gratulierte. Allerdings schränkte Romney ein, dass Töten allein im Kampf gegen religiösen Extremismus nicht ausreiche. „Wir brauchen eine breit angelegte Strategie“, forderte der Republikaner.

US-Wahlkampf in Schnappschüssen

US-Wahlkampf in Schnappschüssen

So habe der Präsident versäumt, mit einer stimmigen Politik auf die Umwälzungen im Nahen Osten zu reagieren. Trotz vielversprechender Anfänge sei der Sturz despotischer Regime in Ägypten, Libyen und andernorts im vergangenen Jahr in „zunehmendem Chaos“ gemündet.

Zudem habe der Amtsinhaber nicht genügend getan, um den Iran an der Entwicklung einer Atomwaffe zu hindern. Vor diesem Hintergrund warf Romney dem Präsidenten vor, mit „einer Entschuldigungstour“ zum Auftakt seiner Amtszeit falsche Signale an die iranische Führung gesandt und Israel links liegen gelassen zu haben. Obama wies die Anschuldigung entschieden als „größte Lüge“ im Wahlkampf zurück. Vielmehr habe er seine Stärke im Umgang bewiesen, indem er auf der Weltbühne für Sanktionen gegen den Iran geworben habe.

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Sowohl der Präsident als auch sein Herausforderer machten klar, dass sie eine weltweite Führungrolle für die USA beanspruchen. „Amerika muss stark sein. Amerika muss führen“, sagte Romney. Obama versuchte vor allem, seine außenpolitischen Verdienste hervorzuheben: Die USA seien jetzt stärker als vor vier Jahren. Zudem habe er nach der Ära seines Vorgängers George W. Bush die Beziehungen zu vielen Staaten und Verbündeten verbessert, sagte Obama. Dazu zähle auch Europa.

Obama verweist auf außenpolitische Verdienste

Außerdem habe er den Krieg im Irak beendet, die US-Truppen seien überdies auf dem Weg zum Rückzug aus Afghanistan. Und er werde die für den tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi verantwortlichen Täter zur Rechenschaft ziehen, erklärte Obama weiter. Zudem nahm er sich eine Wahlkampfrede Romneys vor, in der dieser Russland als den ersten geopolitischen Feind der USA ausgemacht hatte. „Herr Gouverneur, Sie scheinen die Außenpolitik der 1980er einführen zu wollen, genauso wie die Sozialpolitik der 1950er und die Wirtschaftspolitik der 1920er.“

Sein Rivale sei bislang nicht in der Position gewesen, den Gang der Außenpolitik zu gestalten, erklärte Obama. Romney entgegnete hingegen, dass seine Strategie „ziemlich geradlinig“ sei: „Jagt die bösen Jungs.“

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Einigkeit demonstrierten die beiden indes beim Thema Syrien. Sie sprachen sich gegen eine Entsendung von US-Truppen in das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land aus.

Im Laufe der Debatte schweiften die beiden Kandidaten vom vorgegebenen Thema ab und wandten sich der maroden Wirtschaftslage zu. Romney sprach von seinem Fünf-Punkte-Plan für Jobs und Konjunktur, Obama von seinen Plänen zu Neueinstellungen im Bildungssektor. Moderator Bob Schieffer forderte die Männer schließlich auf, sich wieder der Außenpolitik zu widmen.

Für die Kandidaten stand viel auf dem Spiel: Es ist es die letzte Möglichkeit, im Fernsehen vor einem Millionenpublikum zu punkten und unentschlossene Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Nur zwei Wochen vor der Wahl liegen Obama und Romney in Umfragen nahezu gleichauf.

Einer Schnellumfrage zufolge hat US-Präsident Barack Obama beim dritten und letzten TV-Rededuell nach Einschätzung von Zuschauern besser abgeschnitten. In der nicht repräsentativen Umfrage von CNN/ORC sagten 48 Prozent der befragten Wähler in der Nacht zum Dienstag, der Amtsinhaber habe die TV-Debatte gewonnen. 40 Prozent sahen unmittelbar nach Ende der Debatte Mitt Romney vorn. Bei der ersten Fernsehdebatte hatte der Herausforderer Romney nach Einschätzung der Zuschauer deutlich gewonnen, die zweite Debatte ging an Amtsinhaber Obama.

Joe Biden, demokratischer Vizepräsident, sagte nach der Debatte über Obamas Auftritt: „Heute abend haben wir gesehen, was es ausmacht, der Oberbefehlshaber zu sein. Weitblick, Mut und eine ruhige Hand.“

Auch Obamas Frau Michelle lobte ihren Mann in den höchsten Tönen: „Ich bin so stolz darauf, wie Barack uns in den vergangenen vier Jahren auf der Weltbühne präsentiert hat. Und heute Abend hat er auch auf der Debattenbühne geglänzt.“

dapd/dpa

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