Neue Umfrage

Nach CSU-Eklat: Muslimischer Bürgermeister in der eigenen Stadt? Bayern offenbar tief gespalten

CSU-Mitglieder hatten den 44-Jährigen gebeten, sich zur Wahl zu stellen. Doch dann gabe es heftige Proteste an der Basis. Doch jetzt steht die CSU in Wallerstein vor einem Problem. 

  • Einige CSU-Mitglieder baten Sener Sahin sich in seiner Heimat Wallerstein, als Bürgermeister-Kandidat zur Verfügung zu stellen. 
  • Wenige Monate vor der Wahl kommt es zu Protesten - Sahin zieht seine Kandidatur zurück. 
  • Jetzt steht die CSU in Wallerstein vor einem Problem. CSU-Chef Markus Söder bedauert das.

Update vom 14. Januar 2020: Vor den Kommunalwahlen in Bayern reagieren die Bürger im Freistaat gespalten auf die Vorstellung eines muslimischen Gemeindeoberhauptes. Rund die Hälfte (49 Prozent) hätte einer Umfrage zufolge „kein“ oder „eher kein“ Problem damit. Zugleich sagten fast 44 Prozent, sie hätten das „eher ja“ oder auf „jeden Fall“, wie die repräsentative Befragung im Auftrag der Augsburger Allgemeinen ergab. Der Rest zeigte sich unentschieden.

Zuletzt hatte die CSU im schwäbischen Wallerstein (Kreis Donau-Ries) für Wirbel gesorgt: Dort hatte ein möglicher muslimischer CSU-Bürgermeisterkandidat, Sener Sahin, wegen Widerstands an der eigenen Parteibasis aufgegeben.

Inzwischen könnte es andernorts einen muslimischen CSU-Kandidaten für die Kommunalwahl am 15. März geben: Im oberbayerischen Neufahrn (Landkreis Freising) gilt der 37-jährige Ozan Iyibas als möglicher Bürgermeisterkandidat der Christsozialen, wie Merkur.de* berichtete. An diesem Freitag ist die Nominierungsversammlung.

Nach der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey lehnen Anhänger der AfD ein muslimisches Gemeindeoberhaupt am deutlichsten ab: Fast neun von zehn geben an, ein Problem damit zu haben, wenn ihr Bürgermeister Moslem wäre. Unter CSU-Anhängern sind es knapp 50 Prozent.

Eklat um muslimischen CSU-Kandidaten: Wahlkampf ohne Bürgermeisterkandidaten?

Update vom 8. Januar 2020: Nach dem Wirbel um die vorübergehende Kandidatur des muslimischen Bürgermeisteranwärters Sener Sahin will die CSU Wallerstein am Donnerstag (19.30 Uhr) ihre Liste für die Kommunalwahl aufstellen. Eigentlich sollte Sahin dabei als Bewerber für den Rathaus-Chefsessel nominiert werden. Aber nachdem es Kritik an der CSU-Basis wegen der Religionsangehörigkeit des Kandidaten gab, zog der Unternehmer seine Bereitschaft zurück. Nun werden die Christsozialen voraussichtlich keinen Bürgermeisterkandidaten aufstellen, sondern sich auf eine Liste für den Gemeinderat beschränken.

CSU-Parteichef Markus Söder hatte bedauert, dass Sahin nicht mehr für die CSU als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung steht. Generalsekretär Markus Blume hatte daraufhin versucht, den Maschinenhändler aus Schwaben noch umzustimmen, doch Sahin blieb bei seiner Entscheidung. Der 44-Jährige, der auch als Fußballtrainer in der 3400 Einwohner großen Marktgemeinde im Kreis Donau-Ries bekannt ist, erklärte schließlich, er werde nun am Donnerstagabend zum Fußballtraining statt zur Nominierungsversammlung der Partei gehen.

Sahin sollte bei der Wahl am 15. März Gegenkandidat des langjährigen Bürgermeisters Joseph Mayer werden. Der seit 2002 amtierende Rathauschef kandidiert für eine parteifreie Wählergruppe und strebt seine vierte Amtszeit an.

Eklat um muslimischen CSU-Kandidaten: Parteigröße will selbst helfen - Lokalpolitiker trifft bittere Prognose

Update vom 7. Januar 2020, 14.05 Uhr: Die CSU-Spitze will versuchen, den Rückzug eines muslimischen Bürgermeisterkandidaten in Schwaben doch noch zu verhindern. Generalsekretär Markus Blume habe von der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Kloster Seeon aus Montagabend eine halbe Stunde mit ihm telefoniert, sagte der Unternehmer Sener Sahin der Augsburger Allgemeinen laut Vorabmeldung vom Dienstag. "Er hat mir sogar angeboten, persönlich zur Nominierungsversammlung zu kommen, um die Vorurteile an der Wallersteiner CSU-Basis abzubauen", sagte Sahin dem Blatt.

Sahin sagte dem Blatt, trotz der Bemühungen der CSU-Führung bei seiner Entscheidung bleiben zu wollen. "Mein Entschluss steht zu 99,999 Prozent fest." Das habe er auch Blume erklärt, der aber selbst in den verbleibenden 0,001 Prozent "noch ein wenig Hoffnung" gesehen habe. „Ich bin sicher, dass das hier auf dem Land noch 30 Jahre dauern wird, bis die Leute bereit sind, einen wie mich als Bürgermeister zu wählen“, sagte der 44-Jährige unterdessen der Süddeutschen Zeitung. „Hier haben viele noch nie mit einem Moslem Kontakt gehabt.“

„Hier haben viele noch nie mit einem Moslem Kontakt gehabt.“ Der Vorsitzende des betroffenen CSU-Kreisverbands Donau-Ries, der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange, hat die Hoffnung aber nicht ganz aufgegeben, dass Sener Sahin doch noch antritt. "Unsere Tür bleibt bis zum Schluss offen", sagte Lange. Die Entscheidung falle aber in Wallerstein. Am kommenden Donnerstagabend stellt der dortige CSU-Ortsverband die Gemeinderatsliste auf. 

Muslim zieht Bürgermeister-Kandidatur für CSU zurück - Waigel sauer auf Parteibasis

Update vom 6. Januar 2020, 18.55 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat den Rückzug eines muslimischen CSU-Kandidaten für das Bürgermeisteramt im schwäbischen Wallenstein ausdrücklich bedauert. „Wer sich zu den Grundsätzen der CSU bekannt hat, der sollte auch ein guter Kandidat sein“, sagte der CSU-Vorsitzende am Montag am Rande der CSU-Klausurtagung im oberbayerischen Seeon. Wer sich so engagiere, habe Respekt und Unterstützung verdient. Er habe CSU-Generalsekretär Markus Blume beauftragt, den Vorgang aufzuarbeiten.

Der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel, der auch aus Schwaben stammt, kritisierte seine Parteifreunde aus Wallerstein. "Ich halte es für grundfalsch, einen Kandidaten wegen seines Glaubens auszuschließen, wenn er sich zu unseren Werten bekennt", sagte er der Augsburger Allgemeinen. "Gerade in einer Zeit, in der ein Dialog zwischen den Weltreligionen so dringend nötig ist, darf so etwas nicht passieren", sagte Waigel weiter. "Sogar bei den Oberammergauer Passionsspielen dürfen Muslime mitmachen, dann muss das doch in der CSU auch möglich sein."

Auch Schwabens CSU-Bezirkschef Markus Ferber zeigte sich empört. "Sener Sahin ist ein cooler Kandidat, bestens integriert im Ort, als Unternehmer, im Sportverein - ein klassischer CSU-Kandidat eben", sagte Ferber der Augsburger Allgemeinen. Auch mit Blick auf das CSU-Grundsatzprogramm sei es falsch, einen Kandidaten wie Sahin abzulehnen. "Die CSU ist keine Partei von Katholiken und Protestanten, sondern eine werteorientierte Partei - und ein Moslem kann genauso unsere Werte teilen wie ein Christ", sagte Ferber.

Nach Protesten der CSU-Basis hatte am Wochenende ein deutscher Unternehmer muslimischen Glaubens seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt zurückgezogen. Der 44-jährige Sener Sahin begründete seine Entscheidung damit, dass es immer wieder um seinen Glauben gegangen sei. Ein Muslim und die Christlich-Soziale Union passten nicht zusammen, hätten Parteimitglieder gesagt. In Bayern finden am 15. März Kommunalwahlen statt.

Nach heftigen Protesten: Deutscher Muslim zieht Bürgermeister-Kandidatur für die CSU zurück  

Erstmeldung vom 5. Januar: Wallerstein - Vor den bayerischen Kommunalwahlen 2020* ist der CSU-Ortsvorstand im schwäbischen Wallerstein mit dem Vorschlag eines muslimischen deutschen Unternehmers als CSU-Bürgermeisterkandidat an der eigenen Basis gescheitert. Nach heftigen Protesten aus dem CSU-Ortsverband zog der 44-jährige Sener Sahin seine Bewerbung zurück, wie er am Samstag auf Anfrage bestätigte. Zuvor hatte die „Augsburger Allgemeine“ darüber berichtet.

Sahin sei von seinen Parteikollegen im vergangenen Jahr gefragt worden, ob er für die CSU antreten wolle, sagte der Ortsvorsitzende Georg Kling. Er hätte am nächsten Donnerstag in Wallerstein (Landkreis Donau-Ries) von der CSU nominiert werden sollen. Doch seit Bekanntgabe des Vorschlags im Dezember habe es in Teilen des Ortsverbandes scharfen Widerstand gegeben. „Wir sind auf dem Dorf und wir sind noch nicht so weit“, sagte Kling schwer enttäuscht.

Bürgermeisterwahl 2020: Nach protesten an der Basis hat die CSU keinen geeigneten Kandidaten

Es sei immer wieder um seinen Glauben gegangen, sagte Sahin. Ein Muslim und die Christlich-Soziale Union passten nicht zusammen, hätten Parteimitglieder gesagt. Einige Kandidaten für die Gemeinderatsliste hatten Kling zufolge mit ihrem Rückzug gedroht.

Sahin besitzt in Wallerstein einen Maschinenhandel. Er lebt schon immer in der Region, wurde im nahen Nördlingen geboren und hat türkische Wurzeln. Mit seiner aus einer christlichen Familie stammenden Frau hat er zwei Kinder.

„Ich habe von Anfang an gesagt: Wenn die Mitglieder nicht hinter mir stehen, dann mache ich das nicht“, betonte Sahin. Er wolle nicht, dass der Ortsverband daran kaputtgehe. Deswegen habe er sich jetzt dagegen entschieden. Er selbst ist parteilos und wäre bei einer Kandidatur in die CSU eingetreten.

Kommunwalwahl 2020: CSU hat keinen eignene Bürgermeisterkandidaten in Wallerstein

Die CSU hat Kling zufolge nun keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl am 15. März. Bei der Versammlung am Donnerstag werde die Kandidatenliste für den Gemeinderat aufgestellt. Erster Bürgermeister von Wallerstein ist seit vielen Jahren Joseph Mayer von der Parteifreien Wählergruppe.

Wer seine Stimme für die Kommunalwahl 2020 per Briefwahl angeben will, hat viele Möglichkeiten.

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Rubriklistenbild: © dpa / Lino Mirgeler

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