Experten empfehlen Konsum unter Aufsicht 

Bayern beklagt die meisten Drogentoten

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Vorbereitung für den nächsten Schuss 

Bayern - Die Zahl der Drogentoten ist in Deutschland im vergangenen Jahr leicht angestiegen. Die höchste Anzahl Menschen, die Opfer ihrer Sucht wurden, hat Bayern zu beklagen. Nach Expertenmeinungen sind fehlende Drogenkonsumräume der Grund dafür. 

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 1002 Menschen starben im Jahr 2013 in ganz Deutschland am Konsum von harten Drogen, eine Steigerung von sechs Prozent (2012: 944). Bei den Bundesländern führt Bayern mit 230 Toten (2012: 213). Mit deutlichem Abstand dahinter Nordrhein-Westfalen mit 198 (2012: 204) Toten und Berlin mit 119 (2012: 113) Toten.  

Besser wird es in diesem Jahr kaum werden, allein die Landeshauptstadt beklagt bis jetzt schon 31 Menschen (gesamtes Jahr 2014: 48 Tote), die Opfer ihrer Sucht wurden.

Fachleute fordern Drogenkonsumräume

Experten sind sich schon lange darüber einig, dass besonders die harte bayerische Verfolgungsstrategie und das Fehlen von Drogenkonsumräumen Schuld am rasanten Ansteigen der Drogentoten sind.

Denn die meisten Schwerstabhängigen versterben allein in ihrer Wohnung. Dirk Grimm, Sozialpädagoge bei "mindzone", ist daher für die Einführung von Konsumräumen: "Man hätte einen besseren Überblick über den Gesundheitszustand des Konsumenten."  So  könnten schnell lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden.

"Fehlende Konsumräume schuld an vielen Drogentoten"

Auch der geschäftsführende Direktor des Instituts für Suchtforschung der Frankfurter Universität, Professor Heino Stöver, schließt sich dieser Meinung in einem Interview mit hr-online an: "Bundesweit gibt es etwa 25 Konsumräume, davon vier in Frankfurt. Es gibt große Städte wie München oder Nürnberg, die keine Konsumräume haben. Das sind Versorgungslücken, die auch dafür mitverantwortlich sind, dass gerade in Bayern die Zahl der Drogentoten in den letzten Jahren gestiegen und auf einem relativ hohen Niveau ist."

"Fixerstuben sind nicht zwingend notwendig"

Doch die bayerische Landespolitik tut sich schwer, sich den Expertenmeinungen anzuschließen. Anfang des Monats lehnte der Vorsitzende des Arbeitskreises Gesundheit, der CSU-Landtagsfraktion, Bernhard Seidenath, die Einrichtung von Drogenkonsumräumen ab: "Die sogenannten Fixerstuben sind weder zur Sicherung des Überlebens noch aus sonstigen gesundheitlichen Gründen zwingend notwendig, vor allem verhindern sie Drogentote nicht auf Dauer." Er möchte lieber den Ausbau spezieller Angebote für ältere Drogenabhängige fördern.

Bayern bleibt also bei seiner harten Linie.

Andrew Weber 

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