Berlusconi vor Gericht: "Extrem schwierig wach zu bleiben"

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Gut zwei Wochen nach seinem Rücktritt ist Medienzar Silvio Berlusconi (75) am Montag erneut vor dem Richter in Mailand erschienen.

Rom - Berlusconi steht vor Gericht. Und kann sich nur mit Mühe wach halten - so “extrem schwierig“ sei die Materie. Diesmal ging es um die Bestechung seines ehemaligen britischen Anwalts Mills.

Der Dauerärger mit der italienischen Justiz will für Silvio Berlusconi kein Ende nehmen. Gut zwei Wochen nach seinem Rücktritt erschien der 75-jährige Medienzar am Montag erneut vor dem Richter in Mailand. Dort sollte sein ehemaliger Anwalt David Mills, der für Falschaussagen Geld bekommen haben soll, in einer Videoschaltung befragt werden. Dazu kam es aber nicht, weil sich Anwälte und Verteidiger in London und Mailand über die Zulässigkeit der Mills-Aussage nicht einig wurden. Der Prozess wurde auf den 19. Dezember vertagt.

Entscheidender Streitpunkt war italienischen Medienberichten zufolge, ob und als welche Art von Zeuge Mills aussagen soll. Als einfacher Zeuge ohne Assistenz eines Anwalts wäre Mills zur Wahrheit verpflichtet und könnte vom Recht, die Aussage zu verweigern, keinen Gebrauch machen. “Es war extrem schwierig, überhaupt wach zu bleiben“, erklärte Berlusconi schon nach dem ersten Teil der Verhandlung am Mittag.

Silvio Berlusconi: Seine Affären und Skandale

Silvio Berlusconi: Seine Affären und Skandale

Korruption, Mafia-Verbindungen, Sexskandale: Silvio Berlusconi kam mit diversen Affären immer wieder in die Schlagzeilen. Hier eine Auswahl: © dpa
Spektakulärster Fall ist “Rubygate“. Die Staatsanwaltschaft lastet dem 75-Jährigen Kontakte zu dem minderjährigen marokkanischen Escortgirl Karima el-Marough, genannt “Ruby“, an. Da Berlusconi das Mädchen mit einem Anruf bei der Polizei aus deren Gewahrsam befreite, soll er sich auch wegen Amtsmissbrauchs verantworten. © dpa
Außerdem steht der Medien-Milliardär im Verdacht, den britischen Anwalt David Mills bestochen zu haben. 1998 soll Berlusconi 600 000 US-Dollar (436 347 Euro) bezahlt haben, damit dieser in Prozessen gegen seinen Medienkonzern Falschaussagen macht. Ein für Berlusconi maßgeschneidertes Immunitäts-Gesetz (“Lodo Alfano“), das zeitweise zur Aussetzung auch dieses Verfahrens geführt hatte, war vom Verfassungsgerichtshof Ende 2009 gekippt worden. © dpa
Drei prominente Mitglieder von Berlusconis Regierungspartei “Volk der Freiheit“ (PdL) gerieten im Juli 2010 ins Visier der Justiz - darunter ein wegen Geschäften mit der Mafia bereits verurteilter Berlusconi-Freund. Die Justiz wirft ihnen unter anderem vor, eine kriminelle Vereinigung mit aufgebaut zu haben, um politische und juristische Entscheidungen des Landes zu beeinflussen. Zuvor hatte ein ehemaliger Mafia-Killer Berlusconi vor Gericht sogar mit einer Serie von Bombenanschlägen in Verbindung gebracht. © dpa
Als Kandidatinnen der Regierungspartei für die Europawahl 2009 schlug Berlusconi drei junge Schönheiten vor: eine ehemalige TV-Ansagerin, eine Fernsehschauspielerin und eine Sängerin. © dpa
“Schamlose Luder im Dienst der Macht“, beschimpfte damals seine Noch-Ehefrau Veronica Lario die Damen. Lario reichte 2009 die Scheidung ein. © dpa
Eine angebliche Affäre mit der Schülerin Noemi Letizia hatte zuvor für Aufsehen gesorgt. Nach Berlusconis Besuch auf Noemis Party zum 18. Geburtstag hatte Gattin Lario öffentlich gesagt, Berlusconi treffe sich “mit Minderjährigen“. Gerüchte um eine Liaison mit der Schülerin, die ihn “Papi“ nannte, wies er allerdings zurück. © dpa
Und hier weitere Bilder, Skandale und Skandälchen von und mit Silvio Berlusconi: „Gott sei Dank gibt es mich“: Berlusconi leidet nicht an Minderwertigkeitsgefühlen. © dpa
Kleiner Mann: Ist 1,64 Meter groß, behauptet aber steif und fest, er sei 1,71 Meter. © dpa
Zumindest körperlich auf Augenhöhe: Angela Merkel und Silvio Berlusconi. © dpa
Liebt theatralische Gesten: Silvio Berlusconi. © dpa
Dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten gehören fast die Hälfte aller italienischen Fernsehsender. © dpa
Im „Canale 5“-Studio mit dem Journalisten Alessio Vinci. © dpa
Zwei Männer, die sich beide für unwiderstehlich halten und hielten: Berlusconi und der mittlerweile verstorbene libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi. © dpa
Der Milliardär mal ohne Dauergrinsen im Gesicht. © dpa
Berlusconi ist fünffacher Großvater. © dpa
Mit Escort-Dame Patrizia D'Addario soll er auch ein Verhältnis gehabt haben... © dpa
Und wieder eine große Geste. © dpa
Berlusconi bei einer UN-Vollversammlung. © dpa
Shaking Hands mit den Obamas beim G20-Gipfel in Pittsburgh. © dpa
Im Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel. © dpa
Berlusconi war ziemlich sauer darüber, dass seine Straffreiheit aufgehoben wurde. © dpa
Wohin führt nun der Weg? © dpa
Hier sieht es aus, als säße Berlusconi auf der Anklagebank. Tat er auch ständig - irgendwie. © dpa
Berlusconi resigniert. © dpa
Ciao, Silvio! © dapd

Berlusconi wird vorgeworfen, dem Briten für Falschaussagen in Prozessen in den 1990er Jahren 600 000 Dollar (knapp 449 000 Euro) gezahlt zu haben. Mills war in dem Korruptionsfall bereits 2009 von einem Mailänder Gericht zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Kassationsgericht in Rom entschied jedoch 2010 auf Freispruch wegen Verjährung.

Auch für Italiens ehemaligen Skandalpremier ist das Verfahren in der Schlussphase. Eine Verurteilung Berlusconis ist nicht ausgeschlossen, sollten die Staatsanwälte und Richter das Verfahren rechtzeitig bis zur Verjährung im März 2012 zu Ende bringen. Das ist bislang unklar.

Jubel in Italien nach Berlusconi-Rücktritt

Jubel in Italien nach Berlusconi-Rücktritt

Rücktritt Berlusconi Fotos
Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi brachen vor dem Quirinalspalast in Italien hunderte Demonstranten in Jubel aus. © dpa
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Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi brachen vor dem Quirinalspalast in Italien hunderte Demonstranten in Jubel aus. © dapd
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Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi brachen vor dem Quirinalspalast in Italien hunderte Demonstranten in Jubel aus. © dapd

Berlusconi bezeichnete das Verfahren als “paradox“, da die Verjährung “sicher“ sei, und es daher aus “ökonomischen Gründen“ keinen Sinn mache, den Prozess weiterzuführen. Wie italienische Medien berichteten, hatten seine Verteidiger Niccolò Ghedini und Piero Longo noch versucht, die Anhörung am Montag zu verschieben.

Berlusconi muss sich außer im Mills-Prozess noch in drei weiteren Verfahren vor der Justiz verantworten. Dazu zählt unter anderem der Prozess wegen angeblicher sexueller Beziehungen zu dem damals minderjährigen Callgirl Ruby. Im Mediaset-Prozess um Steuervergehen beim Verkauf von Film- und Fernsehrechten war der Medienmogul bereits am vergangenen Dienstag - erstmals nach seinem Rücktritt - im Gerichtssaal erschienen.

dpa

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