Betrugsskandal bei der Luftwaffe aufgeflogen

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Ein Eurofigter, wie ihn die Luftwaffe fliegt.

Jagel/Köln - Es soll sich um einen der schwersten Betrugsfälle bei der Bundeswehr handeln. Intern ist der Vorfall schon lange bekannt. Ein Zufall brachte ihn nun an die Öffentlichkeit.

Beim Aufklärungsgeschwader 51 in Jagel (Schleswig-Holstein) haben nach Medienberichten mehr als 50 Soldaten zwischen 2005 und 2007 systematisch nicht geleistete Überstunden abgerechnet. Ein Sprecher der Luftwaffe in Köln bestätigte am Samstag auf dapd-Anfrage die Vorfälle. Insgesamt soll es um rund 81.000 Euro gehen. Die Bundeswehr hatte den Betrug über Jahre geheim halten können. Bundeswehrintern war er bereits lange bekannt, weil ein Unteroffizier die Betrugsmasche nicht mitmachen wollte und sich an seine Vorgesetzten wandte.

Erst ein Zufall brachte nun aber alles auch an die Öffentlichkeit. Ein Nebensatz in der Abschiedsrede des bisherigen Kommodore Oberst Karsten Stoye am vergangenen Montag wirbelte die ganze Geschichte auf. Stoye sagte bei der Kommandoübergabe, er habe das Geschwader nach seinem Amtsantritt 2007 in ruhiges Fahrwasser bringen müssen - unter anderem nach einem der schwersten Betrugsfälle in der Geschichte der Bundeswehr.

Und so hat der Betrug funktioniert:

Bei dem Betrug wurde das Geld für die erfundenen Überstunden an die Soldaten ausgezahlt. Die machten mit dem mutmaßlichen Drahtzieher, einem Stabsfeldwebel, gemeinsame Sache und teilten das Geld auf. 49 Unteroffiziere wurden in der Sache bereits verurteilt und vom Dienst suspendiert oder degradiert.

Gegen den Stabsfeldwebel läuft das Verfahren noch. Auf seinem Privatkonto sollen mehr als 50.000 Euro gelandet sein. Dem vom Dienst suspendierten Flensburger drohen mindestens vier Jahre Haft. Wann die Verhandlung gegen den Stabsfeldwebel vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kiel eröffnet wird, ist nach Medienberichten noch unklar, voraussichtlich aber nicht vor Ende 2011. Dem Mann werden gewerbsmäßiger Betrug in 52 Fällen, erwerbsmäßige Bestechlichkeit in 47 Fällen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen.

dapd

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