Wegen Opel: In Bochum geht wieder die Angst um

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Das Opel-Werk in Bochum könnte den Sparplänen zum Opfer fallen.

Bochum -  Nach dem Aus für Nokia 2008 könnten mit Opel bei einem weiteren großen industriellen Arbeitgeber in der Stadt die Lichter ausgehen. Eine Schließung des Werks wäre ein Schock für die ganze Region.

Leere Werkshallen, stehende Bänder, was an diesem Freitag einem Produktionsstillstand durch den Brückentag im Opel-Werk geschuldet ist, könnte in Bochum traurige Realität werden. Das Werk im Ruhrgebiet könnte zum Opfer eines europaweiten Standort-Monopolys des zum Sparen gezwungenen Autobauers werden, fürchten Beobachter.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) will das Erfolgsmodell Astra ab 2015 nur noch in England und Polen produzieren lassen. Während Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke dem Stammwerk in Rüsselsheim auch künftig Vollauslastung in Aussicht stellt, wartet die seit Jahren um ihre Arbeitsplätze bangende Bochumer Opel-Belegschaft bislang vergebens auf ein positives Signal.

Sollte Bochum im Gegenzug die Produktion des Familienautos Zafira an das Stammwerk in Rüsselsheim verlieren, könnte dies das Aus für das Ruhrgebiets-Werk mit rund 3200 Arbeitsplätzen bedeuten. Aus Sicht des Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer ist ein solches Horror-Szenario kaum noch abzuwenden: “Nur ein Wunder könnte Bochum noch retten“, ist er sich sicher. Bochum werde dann zur “Hartz IV-Stadt“, meint Dudenhöffer.

Betroffen von einer Werksschließung wären nicht nur die Bochumer Opel-Beschäftigten. Die IHK Bochum fürchtet um 20 000 Jobs. “Das wäre zuallererst eine Katastrophe für die Menschen und die Region“, sagt der Bochumer IHK-Sprecher Jörg Linden. Auch wirtschaftspolitisch wäre dies ein “Desaster“. “Wenn der Zafira abgegeben wird, ist Bochum platt“, sagt Linden voraus.

Nicht nur in Bochum, sondern auch in der gesamten Region schellen mittlerweile die Alarmglocken. Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) kündigte für Montag eine gemeinsame Resolution mit den Nachbarstädten für den Erhalt des Werks an. Zusammen mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) wollen die Revier-Oberbürgermeister bei einer Betriebsversammlung im Bochumer Werk Solidarität demonstrieren.

“Der Verlust tausender Arbeitsplätze in Bochum würde das gesamte Ruhrgebiet hart treffen“, ist sich auch der Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) sicher. Von den 3200 Opel-Beschäftigten, wohnen rund 1200 außerhalb von Bochum, etwa 400 davon leben in der von Strukturkrisen besonders hart gebeutelten Nachbarstadt Gelsenkirchen.

Neben der Sorge um das Opel-Werk muss Bochum derzeit noch weitere Einschnitte bei seiner industriellen Basis fürchten. Nach einer Übernahme der ThyssenKrupp-Edelstahlsparte Inoxum durch den finnischen Konkurrenten Outokumpu droht Ende 2016 das Aus für den Schmelzbetrieb mit derzeit rund 450 Beschäftigten. Bereits im Jahr 2008 hatte die Schließung der Bochumer Produktion des Handyherstellers Nokia für heftige Proteste gesorgt.

Bochumer Wirtschaftsförderer sind schon auf der Suche nach Ersatzarbeitsplätzen. Rund 20 000 Stellen seien bereits im Gesundheitswesen angesiedelt, berichtet Heinz-Martin Dirks, Leiter der Bochumer Wirtschaftsförderung. Als Hoffnungsträger gilt vor allem die Ruhr-Universität mit rund 4000 Beschäftigten. Ingenieure und Techniker hätten nach der Nokia-Schließung meist wieder schnell einen Arbeitsplatz gefunden. Doch für viele der Industriearbeiter habe es bislang keine neuen Stellen gegeben, räumt Dirks ein.

dpa

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