Christoph Süß

BR-Moderator macht Witze über ISIS-Terror

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BR-Moderator Christoph Süß macht im Radiosender Bayern 2 Witze über die Terrorgruppe ISIS.

München - Ist das noch in Ordnung? BR-Moderator Christoph Süß macht im Radiosender Bayern 2 Witze über die Terrorgruppe ISIS.

Soll das lustig sein, was der Moderator des TV-Magazins "Quer" in der aktuellen Folge seiner Satire-Radiokolumne "Süßstoff" auf Bayern 2 verbreitet? Kurz gefasst verkündet Süß diese verquere These: Die Terrorgruppe ISIS, die auf ihrem Vormarsch im Irak Tausende Tote hinterlässt, habe "man sich einfallen lassen", um Angst zu verbreiten, damit "man" uns weiter ausspionieren könne.

Beim nebulösen "man" bleibt es in der Kolumne aber nicht. Konkret spielt Süß die O-Töne mehrerer Personen ab, denen er unterstellt, das ISIS-Terrormärchen zu verbreiten: Innenminister Thomas de Maizière, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

ISIS nur ein Propagandatrick?

Ist die ISIS nur ein Propagandatrick westlicher Regierungen? Für Süß scheint das in seiner Satire-Kolumne recht eindeutig. Denn: "Wir leben doch recht sorglos. Vielleicht auch, weil sich herumgesprochen hat, dass weit über 90% aller Terroropfer immer noch Muslime sind. Und Al Kaida ist uns inzwischen auch ein biss'l fad geworden. Deswegen hat man sich nun etwas Neues einfallen lassen. ISIS."

Was wohl die vielen Menschen im Irak und Syrien dazu sagen, die aktuell in Angst vor den Enthauptungen und Massenerschießungen der ISIS leben? Oder deren Angehörige zu den mittlerweile tausendfach von ISIS Ermordeten gehören? Die entsprechenden Bilder der Gräueltaten, die ISIS in den sozialen Netzwerken verbreitet, machen derzeit in allen Medien die Runde.   

Recht beiläufig weist Christoph Süß in seiner Rado-Kolumne darauf hin, dass diese Taten "überaus ekelhaft" seien. Weitaus zorniger machen den BR-Moderator aber andere Dinge: "Jetzt müssen wir uns wohl doch wieder Sorgen machen. Alleinstehende Taschen misstrauisch beäugen. Einen Bogen um Mitmenschen mit Salafistenbart machen und vor allem – wir müssen jetzt wieder total damit einverstanden sein, dass man unter völliger Missachtung aller unserer Bürgerrechte unsere Emails liest und überhaupt unsere Leben ausspioniert." Süffisant fügt Süß hinzu: "Aber das ist bestimmt nicht der Grund, warum diese neue tödliche Bedrohung so plötzlich aufgetaucht ist."

Kritik von "Cicero"-Kulturchef

Massive Kritik an Christoph Süß kommt nun von Alexander Kissler, dem Kultur-Chef des angesehen politischen Magazins "Cicero". Für Kissler ist die Radio-Kolumne eine "Fehlleistung des kommentierenden Verschwörungstheoretikers Christoph Süß unter der Tarnkappe der Satire". In seiner Kolumne "Wo die Satire ihre Grenzen hat" wirft Kissler dem BR-Moderator vor, die Opfer der ISIS zu verhöhnen. "Das alles ist so töricht, dass es schmerzt, so anmaßend, dass es wehtut, vor allem aber so roh und egoman, dass die Witzeleien des Christoph Süß – mehr noch als an dessen Verstand – an dessen Herz zweifeln lassen."

Mehr noch: Kissler hält es für skandalös, dass der BR eine derartige Kolumne überhaupt ausstrahlt. Schließlich "sollte es in einer Zivilgesellschaft Gemeingut sein, dass weder mit den Gebrechen noch mit dem Leid, geschweige denn mit dem Tod anderer Menschen Spott getrieben wird. Der Bayerische Rundfunk hat diese Lektion noch nicht verinnerlicht."

Übrigens: Warnungen vor dem ISIS-Terror kommen keineswegs nur von westlichen Regierungen und deren Propagandisten. Im Interview mit dem Münchner Merkur betonte unlängst auch der kritische Nahost-Kenner Peter Scholl-Latour: "Bisher habe ich es stets abgelehnt, von einer neuen Welle des islamischen Terrors in Europa zu sprechen. Das hat sich geändert. Jetzt haben wir ein paar tausend europäische Dschihadisten, die in Syrien gekämpft haben. Darunter auch viele Deutsche mit orientalischem Hintergrund. Das sind militärisch ausgebildete Experten. Sollte es zu Terroranschlägen kommen, so werden diese viel professioneller ausgeführt werden, als dies bisher der Fall war. Die Gefahr, dass wir bei uns ein Eindringen des Terrorismus erleben, wächst."

fro

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