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Merkel verteidigt Essen zu Ackermanns Geburtstag

Angela Merkel, Josef Ackermann
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Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt das Geburtstagsessen für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Geburtstagsessen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Kanzleramt verteidigt.

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Die Gästeliste als Originaldokument

Es habe sich bei der Veranstaltung im April 2008 nicht um eine Geburtstagsfeier gehandelt, sondern um ein Abendessen “im Umfeld“ des Geburtstags, sagte sie am Mittwoch in einem N24-Interview. Es sei darum gegangen, Vertreter aus Wirtschaft, Kultur, Bildung und Forschung ins Gespräch zu bringen. “Ich bin jemand, der immer versucht, auch Gruppen, die normalerweise nicht zusammenkommen, zusammenzubringen.“

Politiker und ihre Affären

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Merkel äußerte allerdings Verständnis für Sorgen über eine zu große Nähe zwischen Politik und Wirtschaft. “Da muss man sensibel sein, deshalb verstehe ich auch die Nachfragen“, sagte die CDU-Chefin. Aus ihrer Sicht sei die Distanz jedoch durchaus gewahrt. Das könne man auch an ihren kritischen Äußerungen zu Ackermann ablesen. Am Nachmittag befasst sich der Haushaltausschuss mit dem Thema. Für das Kanzleramt wird Staatsminister Hermann Gröhe Stellung nehmen. Doch scheint sich die Aufregung zu legen. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sah in der Beschäftigung der Parteien mit “Klein-Klein“ eine Folge der “systematischen Entpolitisierung des Wahlkampfs“.

Kanzlerin legt Wert auf bunte Mischung

Merkels stellvertretender Regierungssprecher Klaus Vater widersprach der Darstellung Ackermanns, er selbst habe sich 30 Freunde ins Kanzleramt einladen dürfen. Vater sagte zu Ackermanns Version: “Ich würde in aller Demut sagen, sie ist so nicht zutreffend.“ Es sei die Kanzlerin, die interessante Menschen im Kanzleramt zusammenbringe. Ackermann selbst hatte in der ZDF-Dokumentation “Kanzlerin Merkel“ vor knapp zwei Wochen erklärt: “Sie (Merkel) hat mir damals gesagt, sie würde gerne etwas für mich tun. Ich soll doch einmal etwa 30 Freunde und Freundinnen einladen aus Deutschland oder der Welt, mit denen ich gerne einen Abend zusammen sein würde - im Kanzleramt.“ Vater sagte: “Es gibt eine ganze Reihe von Abendessen im Kanzleramt.“ Anlässe seien zum Beispiel die Berlinale oder die Fußball-WM. Die Kanzlerin lege Wert darauf, dass sich Menschen träfen, die sonst wenig mit einander zu tun hätten. Dann säßen Fußballspieler neben Managern, Abgeordnete neben Schauspielern oder Politiker neben Forschern.

“Schnitzel mit kaltem Spargel“

Vater sagte, Ackermann habe Merkel anlässlich seines 60. Geburtstags im März 2008 zu einem Empfang nach München eingeladen. Die Kanzlerin sei aber verhindert gewesen. Deshalb habe sie Ackermann - eine “herausragende Persönlichkeit der deutschen Finanz- und Wirtschaftspolitik“ - ein Abendessen mit 30 Leuten gegeben. “Ich glaube, es gab Schnitzel mit kaltem Spargel“, sagte Vater. Das könne er weder als anstößig noch als aufregend empfinden.

Vater sagte, Ackermann habe Gäste vorgeschlagen, die Kanzlerin habe sie aber ausgewählt: “Es ist kein Ackermann-Schulfreunde-Essen gewesen.“ Merkel lade öfters interessante Leute ins Kanzleramt ein. Die Kanzlerin habe zu Ackermann nach wie vor “ein gutes Arbeitsverhältnis“. Die “Leipziger Volkszeitung“ (Donnerstagausgabe) berichtete unter Berufung auf direkt Beteiligte, dass nur sechs der 26 Gäste auf Wunsch des Bankers eingeladen wurden. Dies seien der TV-Moderator Frank Elstner, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der Bankier Friedrich von Metzler, der Wirtschaftsprofessor Howard Davies sowie zwei Vertreter der Herrhausen-Stiftung gewesen.

Ackermanns eigenes Fest habe am 1. März 2008, auf private Rechnung des Bankers, in der Münchner Residenz mit 400 privat geladenen Gästen stattgefunden, sagte ein mit der Festorganisation Beteiligter dem Blatt. Diese Kosten wolle man offiziell nicht benennen, aber man könne davon ausgehen, dass dafür “mehr als eine halbe Million Euro“ zu Lasten des Geburtstagskindes fällig wurde. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte der “Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“, die Gästeliste aus Finanzwelt und Medien deute auf einen konservativen Freundeskreis hin. Dieser solle sich lieber privat treffen.

Opposition kritisiert Ackermann-Essen

Die Opposition hat indessen von der Bundesregierung mehr Aufklärung über das Geburtstagsessen verlangt. Linke und Grüne warfen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch kurz vor Beginn der Sitzung des Haushaltsausschusses Distanzlosigkeit gegenüber dem Top-Banker vor. Die FDP nannte nur die Auswahl der Gäste für das Essen im Jahr 2008 durch Ackermann fragwürdig. Linksfraktionsvize Gesine Lötzsch sagte, das Essen sei die “Spitze des Eisbergs“. Alexander Bonde (Grüne) forderte von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), die Verantwortung für ihre sogenannte Dienstwagenaffäre zu übernehmen. Der CDU-Politiker Steffen Kampeter sprach von “Krawall-Wahlkampf“. (

dpa

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