Bundestag streitet um Krawatten

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Manchen hängt das Thema schon jetzt zum Hals heraus: Der Bundestag streitet um Krawatten. 

Berlin - Gesundheitsreform, Hartz IV, Afghanistan-Einsatz: Themen, die den Bundestag schwer beschäftigen. Doch jetzt geht es um etwas ganz Anderes: Gestritten wird um Krawatten.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko wehrt sich gegen eine neue Vorgabe des Parlamentspräsidiums, wonach Schriftführer stets Krawatten tragen sollen. “Ich kann nicht verstehen, warum ein modisches Accessoire aus dem 19. Jahrhundert für die Würde des Hauses entscheidend sein soll“, monierte er am Freitag in Berlin.

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Nach Hunkos Angaben sollen krawattenlose Abgeordnete nicht mehr als Schriftführer eingeteilt werden. Darauf habe sich nun das Bundestagspräsidium verständigt, wie aus einem Brief an die Schriftführer hervorgehe.

Schriftführer sind Abgeordnete, die auf Vorschlag ihrer Fraktionen gewählt werden. Zurzeit gibt es 42 Schriftführer, die sich an Sitzungstagen abwechseln. Sie sitzen links und rechts neben dem amtierenden Präsidenten, nehmen Anträge und Wortmeldungen entgegen, verlesen Schriftstücke, führen Rednerlisten, überwachen das Plenarprotokoll und stellen das Ergebnis von Abstimmungen fest.

Hunko, der dieser Riege angehört, erklärte: “Als frei gewählter Abgeordneter vertrete ich stets und zuallererst die Interessen und auch die Würde der Menschen dieses Landes. Ich bin mir sicher, dass sich viele Wählerinnen und Wähler von krawattenlosen Abgeordneten mindestens genauso gut vertreten fühlen.“

Hunko erinnerte an Diskussionen von vor 40 Jahren. “Als im Jahr 1970 Lenelotte von Bothmer im Hosenanzug ins Plenum kam, war es für viele Abgeordnete ein Verstoß gegen die Würde des Hauses, für manche sogar gegen die Würde der Frau. Diese Vorstellungen sind heute weitestgehend überholt. Es gibt also Hoffnung, dass sich im Bundestag bald eine weitere Erkenntnis durchsetzen wird: Die Würde des Bundestags braucht keine elitären Anachronismen.“

dapd

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