Bundestagswahl-Nachlese im Live-Ticker

Nach Roth und Künast: Auch Trittin gibt auf

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Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lacht am Dienstag zu Beginn der Unions-Fraktionssitzung im Bundestag in Berlin.

Berlin - Zwei Tage nach der Bundestagswahl bringen sich die Parteien für Koalitionsgespräche in Stellung. Bei den Wahlverlieren müssen führende Politiker ihre Posten räumen. Wir halten Sie im Live-Ticker auf dem Laufenden.

+++AKTUALISIEREN+++

Seehofer mit Vorliebe für Große Koalition

+++ In der Debatte um die Optionen nach der Bundestagswahl hat CSU-Chef Horst Seehofer seine Sympathie für ein Bündnis mit der SPD deutlich gemacht. Im Parteivorstand der CSU gebe es "aus unterschiedlichen Erwägungen eine Präferenz für eine große Koalition", sagte Seehofer am Dienstag in Berlin.

Bosbach erwartet schwere Koalitionsverhandlungen

+++ Nach dem Wahltriumph dämpft CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach die Siegesfreude der Union. Er vermutet: Etwaige Verhandlungen mit der SPD werden schwer und zäh.

Steinmeier bleibt SPD-Fraktionschef

+++ Frank-Walter Steinmeier bleibt Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Der 57-Jährige wurde am Dienstag mit einer Zustimmung von rund 91 Prozent erneut an die Fraktionsspitze gewählt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Fraktionskreisen erfuhr.

Genscher: FDP thematisch zu sehr verengt

+++ Der ehemalige Bundesaußenminister und FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher analysiert im Interview mirt N24 die Fehler seiner Partei im Wahlkampf. Er meint: Die Liberalen haben sich thematisch zu sehr verengt.  

SPD diskutiert über Große Koalition

+++ Nach der Wahl diskutieren die Sozialdemokraten: Soll man sich eine große Koalition antun? Der Widerstand setzt besonders einen unter Druck: SPD-Chef Sigmar Gabriel. Doch echte Alternativen scheint es kaum zu geben..

Hofreiter tritt als Grünen-Fraktionschef an

+++ Der Verkehrspolitiker Anton Hofreiter will neuer Grünen-Fraktionschef werden. Er trete an, sagte er laut Teilnehmern am Dienstag in einer Fraktionssitzung in Berlin.

Lindner beansprucht Beinfreiheit

+++ Nach seiner möglichen Wahl zum FDP-Chef will sich der bisherige Vizevorsitzende Christian Lindner erheblichen Gestaltungsspielraum in der Partei herausnehmen. "In dieser außergewöhnlichen Situation beanspruche ich für mich auch außergewöhnliche Möglichkeiten", sagte Lindner am Dienstag in Düsseldorf. Die Spitzenposten in der künftigen FDP sollten nicht nach Proporzerwägungen besetzt werden, sondern mit "Persönlichkeiten, die ein eigenes Profil und ein eigenes Gewicht haben".

Grünen steht Kampfkandidatur ins Haus

+++ Den Grünen steht eine Kampfkandidatur um den Posten der Bundestagsvizepräsidentin ins Haus. Neben der scheidenden Parteichefin Claudia Roth kündigte die ebenfalls abtretende Fraktionsvorsitzende Renate Künast am Dienstag in Berlin an, für den Vizeposten im Bundestagspräsidium zu kandidieren. Künast sagte dem Sender Phoenix, sie wolle mit ihrem angestrebten Ämterwechsel vom Fraktionsvorsitz zur Bundestagsvizepräsidentin einen Beitrag zur Verjüngung und Erneuerung der Partei leisten. Bislang sitzt für die Grünen die Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt, im Bundestagspräsidium. Sie will auf den Vizeposten verzichten und eine der beiden neuen Fraktionsvorsitzenden werden.

Ex-"Alte"-Star Huber sitzt nun im Bundestag

+++ Der über die ZDF-Krimiserie „Der Alte“ bekanntgewordene Schauspieler Charles M. Huber zieht für die CDU in den Bundestag ein. Der 56-Jährige verlor zwar bei der Wahl am Sonntag in Darmstadt als Direktkandidat gegen die frühere Justizministerin Brigitte Zypries (SPD). Er schaffte aber über die CDU-Landesliste den Sprung ins Parlament, wie der Bundeswahlleiter am Dienstag mitteilte.

Hasselfeldt mit großer Mehrheit gewählt

Die CSU-Politikerin Gerda Hasselfeldt kann vier weitere Jahre die Landesgruppe ihrer Partei im Bundestag leiten. Hasselfeldt wurde bei der ersten Sitzung der Landesgruppe am Dienstag in Berlin mit fast hundert Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Wie CSU-Chef Horst Seehofer mitteilte, votierten 53 von 54 anwesenden Abgeordneten für die 63-Jährige. Ähnlich hohe Zustimmung erhielt der Parlamentsgeschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller: Er erhielt 51 von 52 gültigen Stimmen.

Göring-Eckardt will Fraktionschefin werden

+++ Katrin Göring-Eckardt will Fraktionschefin der Grünen werden. „Wir haben eine schwere Führungsaufgabe“, sagte sie laut Teilnehmern am Dienstag in einer Fraktionssitzung. Dafür wolle sie antreten.

Trittin gibt Amt als Grünen-Fraktionschef auf

+++ Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat seinen Rückzug angekündigt. Er werde nicht wieder für das Amt kandidieren, sagte er am Dienstag laut Teilnehmern in einer Fraktionssitzung in Berlin.

Piratenpartei-Chef kündigt Rücktritt über Twitter an

+++ Piratenpartei-Chef Bernd Schlömer hat nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Bundestagswahl seinen Rücktritt angekündigt. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete er am Dienstag die Botschaft: „Tschüß #Piraten! Das war es für mich. Ich ziehe mich zurück. Vielen Dank für 4 1/2 tolle Jahre im #BuVo.“

Kretschmann will Sondierung für schwarz-grüne Koalition

+++ Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen hat seine Partei dazu aufgerufen, sich etwaigen Sondierungsgesprächen mit der Union über eine schwarz-grüne Koalition nicht zu verschließen. „Wir sollten diese mit großem Ernst führen, vorausgesetzt die andere Seite tut das auch“, sagte er am Dienstag in Stuttgart.

Was passiert, wenn sich keine Koalition findet?

Bislang schreien SPD und Grüne nicht gerade "Hier", wenn es um Koalitionsverhandlungen mit der Union geht. Was passieren würde, wenn sich kein Regierungsbündnis findet, können Sie hier nachlesen.  

Fischer mischt sich ein

In die zunehmend angespannte Debatte bei den Grünen griff nun auch der langjährige Fraktionschef und Außenminister Joschka Fischer mit scharfer Kritik ein. „Es scheint fast, als ob die derzeitige Führung der Grünen älter geworden ist, aber immer noch nicht erwachsen“, sagte er dem „Spiegel“. „Sie hat eine Strategie verfolgt, die nicht nur keine neuen Wähler gewann, sondern viele alte vergraulte.“ Statt über Umwelt und Europa, Bildung und Familien hätten die Grünen nur über Steuern und Abgaben geredet.

Mehrheit wünscht sich Große Koalition

Stühlerücken nach der Wahl

+++ Für eine ganze Menge prominenter Politiker bedeutete die Bundestagswahl den Gang in die zweite Reihe - zumindest vorübergehend. Sehen Sie selbst.

Diese Politiker treten vorerst aus dem Rampenlicht

Nach der Wahl ist vor dem Stühlerücken: Für viele Politiker bedeutet die Bundestagswahl den Abschied aus dem Rampenlicht. Manche gehen freiwillig in den politischen Ruhestand, andere wurden vom Wähler aufs Abstellgleis geschickt: eine Auswahl prominenter Abgänge. © dpa
Kristina Schröder (CDU) - Die Familienministerin steht für einen Aufreger der vergangenen Legislaturperiode: das Betreuungsgeld. Nun will sie mehr Zeit fürs Betreuen haben, Zeit für ihre Tochter Lotte. Aus dem Kabinett verabschiedet sich die 36-Jährige, Abgeordnete bleibt sie. © dpa
Peer Steinbrück (SPD) - Was aus dem gescheiterten Kanzlerkandidaten wird, ist offen - er bleibt vorerst „an Bord“. Aber ruhiger dürfte es um den 66-Jährigen werden. Mehr Zeit für Scrabble mit Gattin Gertrud. © 
Ilse Aigner (CSU) - Von Berlin nach Bayern: Die oberbayerische CSU-Bezirksvorsitzende räumt ihr Amt als Landwirtschaftsministerin in Berlin, um in München ein herausgehobenes Amt zu übernehmen. Was genau, ist unklar. © dpa
Guido Westerwelle (FDP) - „18 Prozent“ stand einst im Wahlkampf auf seinen Sohlen - jetzt wäre er über 5 froh gewesen. Obwohl er 2011 vom Parteivorsitz zurücktrat, schieben ihm viele einen Teil der Schuld für das FDP-Debakel in die Schuhe. Sie dürften heute bescheidener besohlt sein. © picture-alliance/ dpa
Philipp Rösler (FDP) - Sein Rückzug aus der Politik war für den scheidenden FDP-Chef schon seit Jahren beschlossene Sache. Mit 45 Jahren wollte Rösler aufhören und etwas anderes machen, wie er stets betonte. Jetzt geht er fünf Jahre früher. © picture alliance / dpa
Rainer Brüderle (FDP) - Mit seinem Dirndl-Spruch trat der 68-Jährige im Januar eine große Sexismus-Debatte los und brachte den Begriff „Herrenwitz“ wieder in Mode. Was sonst noch in Erinnerung bleibt, wird sich zeigen - als Spitzenkandidat ist er jedenfalls gescheitert. © dpa
Volker Beck (Grüne) - „Ich sehe meine Perspektive in der Fachpolitik“, sagt Beck. Was auch immer das heißt - Geschäftsführer der Fraktion in Berlin wird er nicht mehr. Zuletzt geriet er in der Debatte um pädophile Umtriebe in der Frühzeit der Partei unter Druck. © picture alliance / dpa
Dirk Niebel (FDP) - Beinahe wäre der 50-Jährige über einen Teppich gestolpert. Der Entwicklungsminister hatte in Afghanistan einen Teppich gekauft, später wurde er am Zoll vorbei mit einem BND-Flug nach Deutschland gebracht. Die legendäre Niebel-Kappe ist inzwischen im Haus der Geschichte, der Mützenträger nimmt seinen Hut. © picture alliance / dpa
Daniel Bahr (FDP) - Wenn es um die Zukunft der FDP ging, fiel fast immer der Name des 36-Jährigen. Dann übernahm er das Gesundheitsministerium und es wurde ruhiger um ihn. Wie seine Rolle beim Wiederaufbau der Partei aussehen kann, ist völlig unklar. © dpa
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) - Erst flog ihre Bayern-FDP aus dem Parlament, eine Woche später muss sie aus dem Bundestag ausziehen. Ihren Landesvorsitz in Bayern gab sie am Montag schon mal auf. Ob sie beim Umbau der Bundespartei mithilft, ist offen. © dpa

Kubicki will FDP-Bundesvize werden

Der Kieler FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki möchte stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei werden und strebt nicht den Posten des Generalsekretärs an. Der 61-Jährige werde sich beim nächsten Parteitag als Bundesvize bewerben, sagte eine Parteisprecherin am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Kiel.

Künast zieht sich von Grünen-Fraktionsspitze zurück

+++ Renate Künast zieht sich vom Amt der Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag zurück. Sie habe diese bereits vor Längerem getroffene Entscheidung bei einem Treffen der Abgeordneten ihres Realoflügels mitgeteilt, sagte sie am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Bundestag soll am 22. Oktober zusammentreten

Der Bundestag soll nach dem Willen seines Präsidenten Norbert Lammert am 22. Oktober zu seiner konstituierenden Sitzung nach der Wahl zusammentreten. Das Datum lasse den Parteien genügend Zeit, um Konsequenzen aus dem Ergebnis der Bundestagswahl zu ziehen. Der 22. Oktober ist der letzte mögliche Termin für die konstituierende Sitzung. Das Grundgesetz schreibt in Artikel 39 vor, dass der Bundestag spätestens am 30. Tag nach der Wahl zusammentritt.

Trittin unter Druck

+++ Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin gerät nach der Niederlage der Grünen bei der Bundestagswahl in seiner Partei zunehmend unter Druck. Der schleswig-holsteinische Energie- und Umweltminister Robert Habeck forderte im Hamburger Magazin "Spiegel" eine "Aufarbeitung und einen Neuanfang", der auch Personalfragen einschließe. Dabei müsse die Grünen-Bundestagsfraktion darüber entscheiden, ob der "scharfe Konfrontationskurs" Trittins richtig gewesen sei. Wenn nicht, "dann stellt sich die Personalfrage", sagte Habeck.

Wer könnte was in einer Großen Koalition werden?

Wenn der schwarz-rote Koalitionsvertrag klappt, wird darin auch der Kabinettszuschnitt geregelt. Nachfolgend eine Liste möglicher Minister, gegliedert nach CDU, CSU und SPD. © dpa
CDU: Bei der CDU dürften sich die großen Überraschungen in Grenzen halten. Die Partei der amtierenden Kanzlerin Angela Merkel hat erfahrenes Regierungspersonal. Die Frage ist, wer von den Ministern ein neues Aufgabengebiet übernimmt, und ob es ein neues Gesicht gibt, das die junge CDU-Generation repräsentiert. © picture-alliance/ dpa
ANGELA MERKEL (59): Die dritte KANZLERSCHAFT der ostdeutschen Physikerin wird von allen akzeptiert. Mit dem Wahlsieg der Union von 41,5 Prozent hat sie nach Ansicht vieler Parteimitglieder ihren Zenit erklommen. 2005 wurde sie Kanzlerin einer großen Koalition, 2009 von Schwarz-Gelb. CDU-Chefin wurde sie 2000, nachdem sie als Generalsekretärin die Partei in der Spendenaffäre aufgefordert hatte, sich von Altkanzler Helmut Kohl zu lösen. Sie hat die CDU mit der Abkehr von Traditionen wie Wehrpflicht und Atomkraft stark in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Merkel ist kompromissorientiert, scheut sich aber auch nicht vor eiskalten Entscheidungen. © AFP
WOLFGANG SCHÄUBLE (71): Der FINANZMINISTER - schon Innenminister unter Kohl - hat die größte Regierungserfahrung von allen. In der Union gilt es als unwahrscheinlich, dass der Baden-Württemberger nun ein anderes Ressort übernimmt. Falls doch, könnte sich die Union ihn bestens für das AUSWÄRTIGE AMT vorstellen. Schäuble gilt als glühender Europäer, ausdauernd und mitunter mürrisch. © picture alliance / dpa
RONALD POFALLA (54): Der Jurist wollte schon 2009 lieber ein Fachressort übernehmen, doch Merkel zog es vor, den damaligen CDU-Generalsekretär als KANZLERAMTSMINISTER an ihre Seite zu holen. Dem Vernehmen nach möchte der scharfzüngige Rheinländer die extrem hohe Arbeitsbelastung als Kanzleramtschef gegen die Konzentration auf ein Ressort tauschen, und wird für das WIRTSCHAFTSMINISTERIUM gehandelt. Merkel wechselt aber ungern die Pferde, wenn es gut läuft. © dpa
URSULA VON DER LEYEN (55): Die ARBEITSMINISTERIN wird dieses Ressort mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an die SPD abtreten müssen. Die CDU-Vize gilt auch wegen ihrer hohen Erklärungskunst und Redegewandtheit als Allroundtalent in der Partei, ist aber nicht sehr beliebt. Wegen ihres Vorstoßes zur Frauenquote vor der Wahl mit der Drohung, notfalls mit der Opposition zu stimmen, habe Merkel noch eine Rechnung offen, heißt es. So könnte die Ärztin aus Niedersachsen werden, was sie nicht will: GESUNDHEITSMINISTERIN. © dpa
THOMAS DE MAIZIÈRE (59): In der großen Koalition von 2005 bis 2009 genoss er als Kanzleramtsminister hohen Respekt von beiden Seiten. Als VERTEIDIGUNGSMINISTER wurde ihm zuletzt wegen des gescheiterten Rüstungsprojekts der Aufklärungsdrohne „Euro-Hawk“ vorgeworfen, sein Ministerium nicht im Griff zu haben. Der aus Bonn stammende und als ruhig und besonnen geltende Politiker wurde in dieser Zeit als nächster Nato-Generalsekretär ins Gespräch gebracht. Er selbst sagt, er wolle Verteidigungsminister bleiben, auch um Fehler zu beheben. © dpa
JOHANNA WANKA (62): BILDUNGSMINISTERIN wurde sie erst 2013 nach dem Rücktritt von Annette Schavan. Die Union möchte an der promovierten Mathematikerin aus Sachsen festhalten, da sie als langjährige Kultusministerin in Brandenburg und Niedersachsen für die Bund-Länder-Gespräche über eine Grundgesetzänderung zur Lockerung des Kooperationsverbotes in der Bildung Erfahrungen und Kontakte mitbringt. Wanka gilt als konservativ und pragmatisch. © dpa
PETER ALTMAIER (55): Je nach Neuzuschnitt des Kabinetts könnte der UMWELTMINISTER diesen Job loswerden. Verzichten dürfte Merkel aber nicht auf den kommunikativen, selbstironischen Saarländer in der Regierung. Schon als Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion bewies er Qualitäten bei der Kompromisssuche und Lösungsfindung. Sollte Pofalla ein Ministerium übernehmen, gilt er als Anwärter für den Posten des KANZLERAMTSMINISTERS. © dpa
CSU: Parteichef Horst Seehofer hat bereits den Anspruch auf weiterhin drei Ressorts angemeldet und Generalsekretär Alexander Dobrindt als gesetzt bezeichnet. Offen ist, ob die Partei Wert auf eine CSU-Frau im Kabinett legt. Die CSU-Landesgruppenchefin im Bundestag, GERDA HASSELFELDT wird genannt, will aber nicht Ministerin werden. © dpa
HANS-PETER FRIEDRICH (56): Seehofer gab dem INNENMINISTER noch im August eine Garantie für das Amt. Nun muss der freundliche Bayer aber um seinen Posten bangen. Seehofer bekennt sich jedenfalls nicht mehr zweifelsfrei zu ihm. In der NSA-Abhöraffäre steht Friedrich wegen einer zu weichen Haltung gegenüber den USA unter Druck. © dpa
PETER RAMSAUER (59): Auch zu ihm lässt Seehofer Distanz erkennen. Ramsauer hält das VERKEHRSMINISTERIUM für ein Schlüsselressort im Kabinett. Durch die Bundesfinanzierung von Infrastrukturmaßnahmen in den Ländern können sich Verkehrsminister viel Sympathien erwerben. Weil er das zweitstärkste Erststimmenergebnis in Bayern geholt hat, kann Seehofer ihn nur schwer aus dem Kabinett entfernen. Es gilt aber als möglich, dass er AGRAR- UND VERBRAUCHERSCHUTZ übernehmen muss. Mitarbeiter beschreiben Ramsauer als sehr menschlichen und kooperativen Chef. Nach außen wirkt er mitunter ein wenig eitel. © picture alliance / dpa
ALEXANDER DOBRINDT (43): Er hat als Generalsekretär im Wahlkampf Managerqualitäten bewiesen und sich in den Koalitionsverhandlungen zu einem der wichtigsten Sprachrohre der CSU entwickelt. Ähnliche Beschimpfungen wie die des FDP-Koalitionspartners als „Gurkentruppe“ kommen Dobrindt kaum noch über die Lippen. Er provoziert zwar weiterhin, wägt seine Worte aber stärker als früher. Seehofer könnte ihn mit dem Verkehrsministerium belohnen, heißt es in der CSU. © AFP
SPD: Hier hängt die Besetzung der womöglich sechs Ministerposten wesentlich von zwei Leuten ab: von Parteichef Sigmar Gabriel und dem Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier. Mit Blick auf die Kanzlerkandidatur 2017 könnte es - so wird in der SPD spekuliert - für Gabriel vorteilhaft sein, die Fraktion zu übernehmen, um freier in den Wahlkampf gehen zu können. Aber ebenso wäre natürlich der Job des Vizekanzlers reizvoll. Auch der Regionalproporz spielt eine Rolle. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird darauf achten, dass ihr Bundesland nicht zu kurz kommt. © picture alliance / dpa
SIGMAR GABRIEL (54): 2009 wurde er zum jüngsten Parteichef seit Willy Brandt gewählt. Der gelernte Lehrer war zudem mit 40 Jahren in Niedersachsen jüngster deutscher Ministerpräsident (1999-2003). Er hat sich von 2005 bis 2009 als Bundesumweltminister Ansehen erworben. Ein politisches Naturtalent und begabter Redner, der aber auch als launisch gilt. Gabriel kommt aus sogenannten schwierigen Verhältnissen, der Vater war überzeugter Nazi. Geht er ins Kabinett, wird er Vizekanzler. Zuletzt sprach er oft von der Energiewende als zentralem Projekt - und wird daher als Kandidat für ein SUPERMINISTERIUM ENERGIE/WIRTSCHAFT gehandelt. © picture-alliance/ dpa
FRANK-WALTER STEINMEIER (57): Wird für die Ressorts ÄUSSERES oder FINANZEN gehandelt - wenn er ins Kabinett geht. Er war Kanzleramtschef zu rot-grünen Zeiten, strickte für Gerhard Schröder an der Agenda 2010 mit. Dann wurde der Jurist geachteter Außenminister. Er ist stets exzellent vorbereitet, ein Zuhörer, bürgernah. Seitdem der Westfale auf Vermittlung von Matthias Platzeck in Brandenburg seinen Wahlkreis hat, ist die Region seine zweite Heimat geworden. © dpa
THOMAS OPPERMANN (59): Rhetorische Allzweckwaffe der SPD, gern gesehener Talkshowgast. Der Parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer und frühere Verwaltungsrichter macht keinen Hehl aus seiner Vorliebe für das Ressort INNERES. Wenn die Union es nicht hergibt, ist er Kandidat für das JUSTIZMINISTERIUM - überraschend wäre das AUSWÄRTIGE AMT. Von 1998 bis 2003 war er in Niedersachsen Wissenschaftsminister - es passt zu dem Querdenker, dass er damals Studiengebühren sinnvoll fand. Wenn Steinmeier und Gabriel ins Kabinett gehen, könnte er auch FRAKTIONSCHEF werden. © dpa
MANUELA SCHWESIG (39): „Gesicht“ der ostdeutschen SPD mit einer Blitzkarriere seit ihrem Parteieintritt 2003. Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann, mit dem sie einen Sohn hat, nach Schwerin. 2002 bis 2008 war sie dort im Finanzministerium tätig, seit 2008 als Sozialministerin. Sie wirkt sehr diszipliniert, unbedachte Äußerungen sind ihr kaum zu entlocken. Kandidatin für das FAMILIENMINISTERIN - das Problem: Dann wäre sie auch für das von der SPD heftig bekämpfte Betreuungsgeld zuständig. © dpa
ANDREA NAHLES (43): Die Literaturwissenschaftlerin ist seit 2009 Generalsekretärin. Sie spult ein Mammutprogramm ab: hat erst den Wahlkampf organisiert, nun die Steuerung der Koalitionsverhandlungen. Dazu bereitet sie noch den Mitgliederentscheid zur großen Koalition vor. Die Freundin schnellen Autofahrens hat derzeit wenig Zeit für ihre kleine Tochter Ella Maria und ihren Mann daheim auf einem Hof in der Eifel. Sie gilt als Anwärterin auf das ARBEITSMINISTERIUM. © dpa
BRIGITTE ZYPRIES (60): Sie galt als enge Mitarbeiterin von SPD-Kanzler Gerhard Schröder - aber auch in der großen Koalition unter Angela Merkel saß sie als Justizministerin im Kabinett. Die Juristin, unverheiratet und kinderlos, war schon im Team von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für Verbraucherpolitik zuständig. Gilt daher als Kandidatin für das Amt der VERBRAUCHERMINISTERIN. © dpa
BARBARA HENDRICKS (61): Wacht seit 2007 über die Finanzen der Partei, oft unterschätzt. Sie sitzt seit 1994 im Bundestag und war Parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium 1998 bis 2007. Hendricks hat Geschichte und Sozialwissenschaften studiert, mit Staatsexamen für das Lehramt. Sie liebt ihre Heimat, den Niederrhein, und promovierte über „Die Entwicklung der Margarine-Industrie am unteren Niederrhein“. Sie gilt als NRW-Kandidatin für das Kabinett - denkbar wäre das ENTWICKLUNGSMINISTERIUM. © dpa

Stegner: Keine Lust auf Zusammenarbeit mit Merkel

+++ SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner steht einer großen Koalition aus Union und Sozialdemokraten weiter ablehnend gegenüber. „Natürlich hat hier niemand eine Neigung, mit Frau Merkel zusammen zu regieren“, sagte der SPD-Linke am Dienstag im RBB-Inforadio. Schließlich habe seine Partei für einen Regierungswechsel gekämpft. Nun gehe es darum, „dass eine selbstbewusste SPD sich nicht nach anderen Parteien richtet, sondern nach sich selbst“.

Kauder warnt SPD

+++ Union-Fraktionschef Volker Kauder hat die SPD davor gewarnt, die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union zu verzögern. "Europa wartet nicht auf die Regierungsbildung in Deutschland. Wir müssen handlungsfähig sein", sagte Kauder dem Magazin "Spiegel". Kauder betonte weiter, dass aus seiner Sicht eine große Koalition einem Bündnis zwischen Union und Grünen vorzuziehen sei. Die SPD hat sich bislang allerdings nicht einmal für Sondierungsgespräche mit der Union entschieden. Sie will erst am Freitag auf einem Parteikonvent über ihr weiteres Vorgehen beraten.

Westerwelle: Ab nach New York

+++ Trotz des FDP-Debakels bei der Bundestagswahl nimmt der scheidende Außenminister Guido Westerwelle für Deutschland an der UN-Vollversammlung teil. Der ehemalige FDP-Vorsitzende landete am Dienstag mit einer Regierungsmaschine in New York. Möglicherweise handelt es sich um Westerwelles letzte Dienstreise nach New York als Außenminister.

Seehofer knallhart

+++ Ob mit oder ohne Claudia Roth: CSU-Chef Horst Seehofer jedenfalls hat eine Koalition der Union mit den Grünen ausgeschlossen. "Ich werde solche Gespräche jedenfalls nicht führen, damit hat sich das", sagte Seehofer dem Spiegel.

Roth zieht sich zurück

+++ Erste wichtige Meldung des Tages: Grünen-Chefin Claudia Roth hat angekündigt, sich vom Parteivorsitz zurückziehen zu wollen. Die Vorsitzende hat aber schon einen neuen Posten im Auge.

+++ Willkommen zum Ticker zwei Tage nach der Bundestagswahl! Auch heute sind von den Parteien wieder zahlreiche Aussagen zu erwarten, was eine künftige Regierungskoalition betrifft. Wir halten Sie hier auf dem Laufenden.

ole/dpa/afp

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