Castor & Co. - Nebenkosten des Atom-Pakets

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Atommülltransport (Archivbild).

Berlin - Längere Atomlaufzeiten bringen mehr Müll. Teure Castor-Transporte kosten vor allem den Steuerzahler Geld. Die Polizeigewerkschaft fordert eine Übernahme durch die Atomkonzerne.

Atomstrom ist billig, lautet eines der zentralen Argumente, warum Deutschland längere Laufzeiten brauche. Doch der Castor-Transport Richtung Gorleben zeigt, dass die teuren Nebenkosten nicht eingepreist sind, sie sind meist vom Steuerzahler zu tragen. Die Deutsche Polizei-Gewerkschaft fordert nun, RWE, Eon, EnBW und Vattenfall, die auch dank der Atomkraft Milliardengewinne machten, mit 50 Millionen Euro an dem Transport zu beteiligen.

Allerdings wird diese Forderung auch seit Jahren an die Bundesligaclubs gerichtet, weil die Polizei Wochenende für Wochenende mit tausenden Beamten bei Fußballspielen präsent ist. Zur Sicherung des Castors sollen 16 500 Polizisten im Einsatz sein. “Die Entsorgung von Brennstäben ist ein Teil des Betriebs von Atomkraftwerken, für den die Konzerne verantwortlich sind“, betont der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Sorgen macht vor allem das strafbare “Castor schottern“, das massenhafte Entfernen von Steinen aus dem Gleisbett.

Proteste gegen den Atom-Müll-Transport

Castor: Proteste gegen den Atom-Müll-Transport

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) betont, dass der jetzt anrollende Atommüll nichts mit der Verlängerung der Laufzeiten um durchschnittlich zwölf Jahre zu tun habe. “Es wäre verantwortungslos, sich dagegen zu wehren.“ Der Müll müsse sicher gelagert werden. Aber durch die längeren Laufzeiten fallen rund 4400 Tonnen zusätzlicher hoch radioaktiver Müll an. 2005 wurde von Rot-Grün die Wiederaufarbeitung von Atommüll in Frankreich und Großbritannien gestoppt, dort stapelt sich aber noch viel deutscher Atommüll.

Bis 2025 müssen nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz noch rund 215 Behälter zurückgeführt werden. Dieser und der bei den Atomkraftwerken bisher gelagerte und noch zu lagernde Müll muss irgendwann für viel Geld in ein Endlager überführt werden. Im Atom-Vertrag haben sich die Energieversorgungsunternehmen einen bisher kaum beachteten Passus herausverhandelt. Sollte das niedersächsische Gorleben am Ende nicht als Endlager geeignet sein - hier sind bisher von den Konzernen rund 1,5 Milliarden Euro investiert worden - könnte eine neue milliardenteure Belastung durch eine alternative Suche womöglich von den Zahlungen für das Laufzeitplus abgezogen werden. So lässt sich nach Meinung von Fachleuten und der Opposition eine Formulierung unter Paragraf 4 des Atomvertrags “Minderung des Förderbeitrags“ interpretieren.

Offizieller Neustart der Erkundung in Gorleben war der 1. Oktober. Um die Situation nicht weiter anzuheizen und wegen anhängiger Klagen wurde bisher auf die aktive Wiederaufnahme der Erkundung des seit 1977 diskutierten möglichen Endlagers verzichtet. Der Salzstock, in dem in 870 Metern Tiefe unter einer dicken Salzschicht der gesamte hoch radioaktive Müll Deutschland eingelagert werden könnte, liegt nur ein paar hundert Meter entfernt vom oberirdischen Zwischenlager - für Atomkraftgegner lediglich ein “Wellblechpalast“ im Wald. Kritiker fürchten, das Deckgebirge über dem Salzstock sei nicht an allen Stellen sicher genug, um Wassereinbrüche in das Salz zu verhindern. Zudem machen Gas- und Kohlenstofffunde Sorgen.

Gleichwohl gibt es bisher keine sicheren Erkenntnisse, dass Gorleben ungeeignet ist. Unter Rot-Grün war wegen Zweifeln an Gorlebens Eignung die Erkundung gestoppt worden. Der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wollte 2006 alternativ Ton- und Granitformationen im Süden prüfen lassen, doch Bayern und Baden-Württemberg hätten sich dagegen gewehrt. Angesichts der Widerstände in Gorleben dürfte es schwer sein, woanders ein Endlager in Deutschland einzurichten. Zumal eine neue EU-Richtlinie bis 2015 konkrete Endlagerpläne fordert. Zumindest der einfachste, aber moralisch fragwürdigste Weg - die Entsorgung in Russland gegen viel Geld - ist durch die Richtlinie vom Tisch. Der Müll muss innerhalb der Europäischen Union (EU) entsorgt werden.

dpa

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