Coronavirus: Offener Brief an die Regierung

„Drinnen lauert die Gefahr“: Forscher stellen klare Forderung an Politik

Eine benutzte medizinische Maske liegt vor der Einfahrt zum Bundeskanzleramt.
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Sind Maßnahmen wie eine Maskenpflicht im Freien unnötig? Aerosolforscher richten sich jetzt mit einem offenen Brief an die Bundes- und Landesregierungen. (Symbolbild)

Maskenpflicht, Abstandsregeln, Ausgangssperren: Das Coronavirus beherrscht in Deutschland seit einem Jahr den Alltag. Doch könnten die Maßnahmen im Freien gelockert werden?

Seit einigen Wochen steigen die Coronazahlen immer wieder drastisch an. In vielen Regionen Baden-Württembergs greift mittlerweile die sogenannte „Notbremse“ und härtere Maßnahmen und Beschränkungen sind in Kraft getreten, das berichtet echo24.de*. In Heilbronn* zum Beispiel gilt schon wieder die nächtliche Ausgangssperre - in den meisten Stadt- und Landkreisen sind Zoos, Parks und Gärten geschlossen.

Doch wenn es jetzt nach der Gesellschaft für Aerosolforschung ginge, dann würden Maßnahmen wie die Schließung der Wilhelma in Stuttgart* wieder aufgehoben. Die Experten gehen nämlich davon aus, dass das Coronavirus hauptsächlich in Innenräumen übertragen wird - und haben das wohl schon seit Längerem so gegenüber der Regierung kommuniziert. Ganz konkret heißt es, Parks und Ausflugsziele im Freien zu schließen - und Ausgangssperren zu verhängen - sei falsch.

Ansteckung mit Corona: Sind Maßnahmen im Freien unnötig? Offener Brief an die Regierung

In einem offenen Brief an die Bundes- und Landesregierungen schreiben die Forscher jetzt, „Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt.“ Denn Maßnahmen wie die Maskenpflicht im Freien halten die Aerosol-Experten für „eher symbolisch“. Sie gehen davon aus, dass diese Restriktionen keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben werden - also quasi überflüssig sind.

Stattdessen appellieren die Aerosolforscher an die Regierung, mehr für die Kontaktreduzierung in Innenräumen zu tun. In dem offenen Brief an die Regierungen heißt es weiter, „die Übertragung der Sars-CoV-2-Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt.“ So erklären die Experten sogenannte „Clusterinfektionen“, also Gruppeninfektionen mit dem Coronavirus, seien ausschließlich in geschlossenen Räumen zu finden - in Altenheimen, Wohnheimen, Schulen, bei Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten. Deshalb kommen die Experten zu dem Schluss:

Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass drinnen die Gefahr lauert.

Aus dem offenen Brief der Aerosolforscher an die Bundes- und Länderregierungen

Das würde im Umkehrschluss also bedeuten, dass zum Beispiel Sport im Freien problemlos möglich sein müsste. Im Gespräch mit dem ZDF bestätigte auch der Bio-Physiker Gerhard Scheuch, der den offenen Brief mit unterzeichnet hat: Für den Breiten- und Nachwuchssport gelten in den Bundesländern weitestgehend Beschränkungen, die es so nicht geben müsste. Denn eine Studie aus Irland habe ergeben, dass nur 0,1 Prozent aller Ansteckungen im Freien stattfinden. Für diese Studie wurden über 200.000 Infektionen untersucht.

Aerosolforscher mit Hammer-Forderung an die Regierung: Corona-Maßnahmen im Freien zurücknehmen

Somit könne man stark davon ausgehen, dass bei Sport im Freien das Ansteckungsrisiko generell nur gering ist. Für eine Ansteckung ist laut Scheuch immer eine gewisse Dosis an Coronaviren nötig, man brauche immer eine längere Kontaktzeit im Freien. Weiter erklärt der Bio-Physiker: „Also ich denke [man braucht] mindestens 15 Minuten, sodass man sich überhaupt infizieren kann. Und die hat man halt bei den normalen Sportarten im Freien nicht. Weder beim Fußball noch bei vielen anderen Sportarten.“

Bleibt also abzuwarten, wie die Regierungen auf diese Erkenntnisse und Forderungen reagieren und ob Sport im Freien und Ausflüge in den Zoo bald wieder möglich werden - immerhin versprechen Meteorologen für Ende April sommerliche 25 Grad*. Doch wann überhaupt mit neuen Beschränkungen oder Lockerungen zu rechnen ist, ist aktuell noch nicht abzusehen, da Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr nächstes Treffen mit den Länderchefs*, das für heute (12. April) geplant war, abgesagt hat. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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