Desaster in der Corona-Krise

Europa in der Impf-Klemme - aber Experte zieht nach Zwischenbilanz auch ein durchaus positives Fazit

Die Probleme der EU bei der Impfstoff-Beschaffung bleiben ungeklärt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn blickt dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft. Nicht zuletzt, weil die vorhandenen Impfstoffe bisher gut vertragen werden.

München - Wenn’s erst mal blöd läuft, geht manchmal alles schief. Im Streit mit dem Impfstoffhersteller Astrazeneca hat die EU-Kommission zur Untermauerung ihrer Position den Vertrag mit dem britisch-schwedischen Unternehmen veröffentlicht. 41 Seiten hat das Dokument, weite Teile wurden aber vor der Veröffentlichung unlesbar gemacht - das war zumindest die Absicht. Denn die geschwärzten Passagen in dem PDF-Dokument sind mithilfe eines einfachen technischen Tricks teils durchaus lesbar.

Eine Peinlichkeit, die ganz gut ins Bild passt. Denn die Behörde von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen* (CDU*) macht bei der Impfstoffbeschaffung derzeit insgesamt keine glückliche Figur. Nachdem zunächst Biontech und Pfizer* eine geringere Lieferung ankündigten, fühlt sich nun auch Astrazeneca nicht verpflichtet, zunächst auch nur annähernd so viel seines nun in der EU zugelassenen Impfstoffs bereitzustellen wie erhofft. Kommen sollen nur 31 statt 80 Millionen Dosen. Auch wenn von der Leyen betont: „Der Vertrag ist glasklar.“

Impfbeschaffung in der Corona-Krise: Briten feiern sich - EU und damit auch Deutschland schaut in die Röhre

Zudem stehen nun auch noch mögliche Probleme des US-Herstellers Moderna im Raum, der seine Februarlieferung an Italien offenbar um 20 Prozent reduzieren muss. Während sich die Briten bereits für ihre Impfstrategie feiern, droht Europa vorerst in die Röhre zu schauen. Und Deutschland sitzt mit im Boot.

Das weiß auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Bevölkerung weiter auf „harte Wochen“ einstimmt. „Der Start der Impfkampagne war schwierig“, sagte Spahn am Freitag. Dennoch rechne man weiter damit, dem größten Teil der Impfgruppe mit höchster Priorität noch im ersten Quartal ein Angebot machen zu können. Mit Blick auf die Zulassung von Astrazeneca und weitere Impfstoff-Projekte verbreitete Spahn Hoffnung: „Jeder Impfstoff wird einen Unterschied machen.“

Darf jetzt auch in der EU verimpft werden: Das Vakzin von Astrazeneca verhindert Corona-Infektionen.

Impfbeschaffung in der Corona-Krise: Patienten höchstens mir kurzzeitigen Reaktionen auf Vakzine

Diejenigen, die schon geimpft sind, haben das Vakzin überwiegend gut vertragen, berichtete der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek. Es gebe zwar bekannte Impf-Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Unwohlsein oder leichtes Fieber. Diese gingen aber innerhalb einiger Tage von selbst vorüber. Gesichert gemeldet worden seien bisher auch 22 allergische Reaktionen auf die Impfung, die ebenfalls wieder abklangen. „Es ist nicht ganz klar, worauf diese zurückgehen“, sagte Cichutek.

Auch, dass bisher 69 Menschen nach der Impfung verstorben sind, müsse nicht beunruhigen. Die Betroffenen im Alter von 56 bis 100 Jahren hätten oft Grunderkrankungen gehabt. Es sei „plausibel, dass diese Grunderkrankungen zum Versterben geführt haben“. Die Sterberate unter den Geimpften liege unterhalb der statistisch erwarteten. Es gibt laut Cichutek also „keinen Grund“ anzunehmen, dass Todesfälle von der Impfung verursacht wurden. Auch „Fake News“ über eine Veränderung der Körperzellen oder Unfruchtbarkeit infolge von Covid-Impfungen verwies er in das Reich der Fabeln. „Das ist alles Quatsch.“

Inzwischen wurden laut Spahn über 3,5 Millionen Dosen an die Bundesländer gesandt - davon wurden 2,2 Millionen bereits verwendet. Man sei auf einem guten Weg, allen Pflegeheimbewohnern bis Mitte Februar ein Angebot zu machen. (Sebastian Horsch/dpa/afp) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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