Andreas Scheuer

CSU-Generalsekretär verzichtet auf Doktortitel

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CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer

München - Der neue CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer verzichtet auf seinen in Tschechien erworbenen Doktortitel, den er eigentlich nur in Bayern und Berlin tragen dürfte.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer ist erst wenige Wochen im Amt und von daher großen Teilen der Öffentlichkeit noch ziemlich unbekannt. Zum ersten Mal größere Schlagzeilen macht der niederbayerische Bundestagsabgeordnete nun mit seinem tschechischen Doktortitel. Denn Scheuer nannte sich seit Jahren „Dr. Andreas Scheuer“, obwohl sein tschechischer „doktor filozofie“ dem deutschen Doktor nicht gleichwertig ist.

Eigentlich hätte Scheuer in allen Bundesländern außer Berlin und Bayern den Titel nur mit Zusatz verwenden dürfen - „PhDr.“ anstelle von „Dr.“. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hob die Prager Promotion am Freitag auf die Titelseite. Schon 2005 ermittelte die Passauer Staatsanwaltschaft wegen möglichen Titelmissbrauchs, stellte das Verfahren aber ein.

Seit 2011 kursiert zudem der Vorwurf, dass Scheuer eine kurze Passage über Franz Josef Strauß in seiner Arbeit abgeschrieben haben soll. Scheuer hatte das eigentlich längst überstanden, das Wiederaufgreifen in der „FAZ“ zeigte aber am Freitag schnell Wirkung. Scheuer kündigte in einer zuerst von der „Bild“-Zeitung“ (Samstag) zitierten Stellungnahme an, „vom Führen des Titels künftig völlig abzusehen“.

Wer in welchem Bundesland regiert

Wer in welchem Bundesland regiert

Scheuer ist nach seinem Vorvorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg der zweite CSU-Politiker aus der ersten Reihe der Bundespolitik, der Ärger mit seiner Doktorarbeit hat. Beide Fälle sind aber nicht vergleichbar: Guttenberg verlor seinen akademischen Titel und seine politischen Ämter, weil seine Arbeit in Teilen abgeschrieben war.

Der schwarzhaarige Scheuer mit seiner runden Brille gilt CSU-intern als ehrgeizig und ziemlich forsch. CSU-intern berühmt wurde Scheuer im Dezember 2012, als er Parteichef Horst Seehofer bei einer Donau-Schifffahrt öffentlich widersprach. Das trauen sich nur wenige CSU-Politiker.

Forsch war Scheuer bislang auch bei der Verwendung seines akademischen Titels. Obwohl es seit Jahren immer wieder Gerede gab, ließ Scheuer sich davon nicht beeindrucken und nannte sich weiter „Dr.“. Denn Promotionen sind für Politiker grundsätzlich attraktiv: In allen Parteien ist das Phänomen bekannt, dass ein Doktortitel zu zusätzlichen Stimmen verhilft. Der tschechische „doktor filozofie“ ist aber nach offizieller Meinung der deutschen Politik einem einheimischen Doktor nicht vergleichbar.

Neue Regel für Doktortitel 2007

Im Juli 2007 beschloss die Kultusministerkonferenz der Länder, dass ausländische Doktortitel in Deutschland bundesweit nur noch mit Zusatz geführt werden dürfen, wenn sie ohne das in Deutschland übliche Promotionsverfahren erworben wurden oder nicht dem in der EU vereinbarten Standard entsprechen.

Für Scheuers 2004 erworbenen tschechischen Titel gilt lediglich in Bayern und Berlin „Vertrauensschutz“. Das bedeutet, dass Scheuer sich in beiden Bundesländern weiterhin „Dr.“ nennen darf“. „Die Rechtslage in Bayern und Berlin ist eindeutig“, verteidigte sich Scheuer am Freitag dementsprechend gegen die Kritik.

Der bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold sitzt zwar in Berlin gemeinsam mit der CSU am Kabinettstisch, übernahm aber bei einer Klausur im schwäbischen Kloster Irsee trotzdem die Oppositionsrolle: „Mit dem Verzicht auf den Doktortitel ist es noch nicht getan“, verlangte Pronold. „Im Raum steht schließlich der Vorwurf des Plagiats.“ Die Passauer Staatsanwaltschaft hat aber keine neuen Ermittlungen aufgenommen, wie ein Sprecher der Behörde mitteilte.

Von Carsten Hoefer

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