Früher verstanden sie sich bestens

Trump und Bloomberg: Der Hahnenkampf der Milliardäre könnte extrem schmutzig werden

Einer ist US-Präsident, der andere will es werden: Donald Trump (r.) muss womöglich gegen Michael Bloomberg antreten.
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Einer ist US-Präsident, der andere will es werden: Donald Trump (r.) muss womöglich gegen Michael Bloomberg antreten.

In den USA läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. Besonders auf einen möglichen Herausforderer hat es Donald Trump verbal abgesehen. Dabei verstand er sich mit dem einst blendend.

  • Michael Bloomberg will für die Demokraten ins Weiße Haus ziehen.
  • Bereits jetzt fahren der Ex-Bürgermeister von New York und Donald Trump schwere Geschütze auf.
  • Doch auch aus der eigenen Partei gibt es Kritik an der Bewerbung des Milliardärs.

Washington - „Sie sind ein großartiger Bürgermeister gewesen“, sagte im Jahr 2013 Donald Trump, damals noch Privatier und Immobilienjongleur, über den New Yorker Unternehmer Michael Bloomberg. Der revanchierte sich und lobte Trump, er habe einst aus einer Mülldeponie einen Wohnkomplex gemacht. Keine Frage: Damals mochte man sich noch. Denn schließlich gehören ja Trump und Bloomberg einem exklusiven Klub mit nur wenigen Mitgliedern an: Sie sind beide steinreich und im „Big Apple“ groß geworden.

Doch nun erleben die USA einen Hahnenkampf der Milliardäre aus New York. Der 78-jährige Bloomberg, mit einem laut Forbes geschätzten Vermögen von 5,3 Milliarden US-Dollar, will ins Weiße Haus. Der 73-jährige Trump mit lediglich vermuteten drei Milliarden Dollar auf der hohen Kante ist dort schon, will aber im Januar 2021 nicht ausziehen.

Kampf ums Weiße Haus: Trump beschimpft Bloomberg als „Mini-Mike“

Und wer schon immer geglaubt hat, dass New Yorker über ein rüdes Temperament verfügen, sieht sich in diesem Vorurteil bestätigt. Über Twitter und vor den Mikrofonen bei Wahlkampfauftritten bewerfen sich beide rücksichtslos mit jeder Menge Schmutz. Trump nannte am Donnerstag Bloomberg „Mini-Mike“ und eine „1,62 Meter große tote Masse Energie“, der bei seinen Reden auf einer Kiste stehen müsse.

Der so Angegriffene revanchierte sich und nannte Trump einen „bellenden Karnevals-Clown“, über den man hinter seinem Rücken lache und der ein Vermögen geerbt habe, nur um es mit „dummen Deals und Inkompetenz“ zu verschwenden. Auch messe man die Größe eines Mannes „vom Hals aufwärts“ - eine deutliche Anspielung auf die seiner Ansicht nach intellektuellen Defizite Trumps. Der frühere Republikaner Bloomberg hat hier gut reden, denn im Gegensatz zu Trump hat er niemals Bankrott für eine seiner Firmen anmelden müssen, während der Präsident insgesamt vier Mal die Zahlungsunfähigkeit bemüht hatte, um sein Privatvermögen bei Konkursen zu schützen.

Das war einmal: der Ex-Bürgermeister von New York Bloomberg (li.) und Präsident Trump einträchtig im Jahr 2016.

Kampf ums Weiße Haus: Bloomberg wolle Trump laut US-Magazin „in den Wahnsinn treiben“

Falls sich Bloomberg, der im März erstmals bei den Vorwahlen der Demokraten auf dem Abstimmungszettel stehen wird und in Umfragen derzeit gut abschneidet, als Spitzenkandidat qualifiziert, dürfte es zum schmutzigsten Wahlkampf-Endspurt aller Zeiten kommen. Das Magazin Vanity Fair kommentierte jetzt, Bloombergs Plan sei es, unter Trumps Haut zu kriechen, den für seine Eitelkeiten bekannten Gegner damit „in den Wahnsinn zu treiben“ und dann die Nominierung zu gewinnen.

Doch bis dahin stehen noch einige Hürden im Weg Bloombergs, dem unter anderem eine erfolgreiche Wirtschafts-Medienagentur gehört. Die erste Hürde ist die Vergangenheit des demokratischen Kandidaten aus seiner Zeit als Bürgermeister von 2002 bis 2013. Damals profilierte er sich im Kampf gegen kriminelle Afro-Amerikaner und Latinos - was ihn bei dieser Wählergruppe nun nicht beliebt macht.

Die zweite Hürde sind die Gegenkandidaten im Lager der Partei. So hat Bernie Sanders mit seinen sozialistisch angehauchten Thesen einen guten Start in die Vorwahlsaison hingelegt und wettert unter anderem auch erfolgreich dagegen, dass manche Kandidaten versuchen würden, die Wahl zu „kaufen“ - eine klare Anspielung auf Bloomberg, der mit 200 Millionen Dollar aus eigener Tasche seinen Wahlkampf finanzieren kann.

Die Fehde der beiden Milliardäre geht sogar so weit, dass der US-Präsident einen Bloomberg-Journalisten von seinen Veranstaltungen ausschließen will. Die jüngsten Wahlprognosen dürften die Stimmung bei Trump heben. Der erste Auftritt seiner Erzrivalin Nancy Pelosi bei der Sicherheitskonferenz in München dürfte dem US-Präsidenten gefallen haben. Die Mega-Panne bei der US-Vorwahl in Iowa hat derweil Folgen für einen Parteichef der Demokraten.

Friedemann Diederichs

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