Erneut Tote in Syrien - Rotes Kreuz besucht Gefängnisse

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Die Regimegegner protestieren weiter auf Syriens Straßen.

Beirut/Damaskus - Während Syriens Regierung erstmals Rotkreuz-Mitarbeiter Gefangenlager besuchen lässt, geht das Militär Aktivisten zufolge weiter brutal gegen Regimegegner vor. Erneut gibt es Tote.

Die syrische Regierung hat dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erstmals Zugang zu inhaftierten Regimegegnern gewährt. Allerdings könne zunächst nur ein Gefangenlager des syrischen Innenministeriums besucht werden, teilte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger am Montag nach zweitägigen Gesprächen in Syrien mit. Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gingen unterdessen nach Angaben von Aktivisten weiter gewaltsam gegen Regierungsgegner vor. Bei einem großangelegten Einsatz nahe der Grenze zum Libanon und in der Provinzhauptstadt Homs seien neun Menschen getötet haben.

Aus den Ortschaften seien Schüsse und Detonationen zu hören gewesen, sagte ein Aktivist der syrischen Opposition der Nachrichtenagentur dpa in Beirut am Montag weiter. In Homs seien zahlreiche Menschen festgenommen worden. Razzien habe es auch in Dschisr al-Schughur in der Provinz Idlib und in der Protesthochburg Hama gegeben. Dort seien Regierungskräfte auf der Suche nach Adnan al-Bakkur, dem Generalstaatsanwalt der Provinz Hama.

Al-Bakkur soll aus Protest gegen Gräueltaten der Sicherheitskräfte seinen Rücktritt erklärt haben. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana hatte dagegen berichtet, al-Bakkur sei von Terroristen entführt und zu seinem Aussagen gezwungen worden. Der arabische Sender Al-Arabija meldete am Montag, al-Bakkur sei inzwischen aus Syrien geflüchtet und in Zypern angekommen. Syrische Regimegegner im Libanon bestätigten der Nachrichtenagentur dpa, dass er sich in Sicherheit befinde. Seinen Aufenthaltsort nannten sie aber nicht.

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Am Sonntag hätten IKRK-Mitarbeiter bereits erstmals das Gefangenenlager des syrischen Innenministeriums besuchen können, sagte Kellenberger. “Wir hoffen, das wir bald alle Gefangenen besuchen können“, Dies sei “ein wichtiger Schritt vorwärts für unsere humanitären Aktivitäten in Syrien“.

Syrische Aktivisten berichten von Gewalt und Folter in den Haftanstalten. Seit Beginn der Anti-Regierungsproteste im März seien Familien immer wieder Leichen von Gefangenen übergeben worden, die Spuren von Folter aufgewiesen hätten.

Der frühere syrische Vizepräsident Abdul Halim Chaddam, der in Paris im Exil lebt, forderte ein internationales militärisches Eingreifen in Syrien. In Syrien müsse es eine Militärintervention geben wie in Libyen, forderte er nach Berichten des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira in einem Brief an die “syrischen Revolutionäre“.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Al-Arabi, will am Mittwoch nach Damaskus reisen. Er wolle die jüngste Entwicklung mit der syrischen Führung erörtern, berichtete der Sender Al-Arabija am Montag. Die Außenminister der Liga hatten Al-Arabi Mitte August nach einer Dringlichkeitssitzung aufgefordert, in Syrien Gespräche zur Überwindung der Krise aufzunehmen, bei der nach Schätzungen bereits mehr als 2000 Menschen getötet wurden.

dpa

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