Drohnen-Daten gelöscht

"Euro Hawk": Bundeswehr bestreitet Vertuschung

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Berlin - Die Bundeswehr hat zugegeben, dass Daten des gestoppten Drohnenprojekts „Euro Hawk“ gelöscht wurden. Vertuschungsvorwürfe weist man aber klar zurück.

Das Magazin „Der Spiegel“ berichtet, das für die Zulassung der Aufklärungsdrohne zuständige Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung in Koblenz habe in den vergangenen sieben Tagen Anweisungen erteilt, umfangreiche Aktensammlungen als geheim einzustufen. In der wehrtechnischen Dienststelle im bayerischen Manching sei zudem angeordnet worden, Unterlagen auf Computern und Festplatten zu löschen. „Ein ungewöhnlicher Versuch amtlicher Vertuschung“, schreibt der „Spiegel“.

„Diese Darstellung ist falsch“, sagte Bundesamts-Sprecher Andreas Nett der Nachrichtenagentur dpa. Die Vorgänge stünden im Zusammenhang mit der Ankündigung von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), dem Bundesrechnungshof die Unterlagen zu „Euro Hawk“ komplett zur Verfügung zu stellen. Dafür müssten sie als geheim eingestuft werden, was bereits damals berichtet worden war. Solche Daten dürften nach gültiger Rechtslage nicht auf jedem Computer bearbeitet werden, erläuterte der Sprecher weiter. Sie würden deshalb auf speziell gesicherte Rechner übertragen und von den anderen gelöscht. „Die Arbeits- und Auskunftsfähigkeit wird hierdurch nicht beeinträchtigt.“

De Maizière hatte das Beschaffungsprogramm für die Aufklärungsdrohne vor knapp drei Wochen wegen massiver Probleme bei der Zulassung für den europäischen Luftraum und einer drohenden Kostenexplosion gestoppt. Seinen Bericht dazu will er am kommenden Mittwoch dem Verteidigungs- und dem Haushaltsausschuss präsentieren.

Deutsche Drohne kollidierte um ein Haar mit afghanischem Airbus

Eine Bundeswehr-Drohne in Afghanistan hat vor neun Jahren um ein Haar ein Passagierflugzeug zum Absturz gebracht. Das rund 40 Kilo schwere Gerät sei über Kabul im Abstand von weniger als zwei Metern an dem landenden Airbus mit rund hundert Insassen vorbeigerauscht, berichtet das Magazin „Der Spiegel“. Die Drohne vom Typ „Luna“ sei dann in den Luftwirbeln hinter der Maschine der afghanischen Fluggesellschaft Ariana abgestürzt. Die Videoaufzeichnung der Drohne liege seither bei der Bundeswehr unter Verschluss.

Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam bestätigte den „Beinahe-Unfall“ vom August 2004. Die Aufzeichnungen aus der „Luna“ seien auf der Video-Plattform Youtube im Internet öffentlich zugänglich, „deshalb kann man nur schwerlich von einer Geheimniskrämerei sprechen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Mir ist kein weiterer solcher Vorfall bekannt.“

Bereits bekannt war ein Drohnen-Unfall in Afghanistan im März 2010. Damals war ein mittelgroßer Aufklärungsflieger der Bundeswehr vom Typ „Heron 1“ nach der Landung in eine abgestellte Transall-Transportmaschine gerollt. Verletzt wurde niemand. Im Februar 2012 informierte die Bundesregierung darüber, dass in den fünf Jahren zuvor insgesamt 17 Bundeswehr-Drohnen abgestürzt waren.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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