Fall Schavan: Uni Düsseldorf erstattet Anzeige

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Wissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU)

Berlin - Ein Ende der Plagiatsaffäre Schavan ist nicht in Sicht. Nach Bekanntwerden eines Gutachtens greift die Uni Düsseldorf zu juristischen Mitteln. Schavan bekommt Unterstützung.

Nach der Weitergabe des vertraulichen Gutachtens zur Doktorarbeit von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) sucht die Universität Düsseldorf per Strafanzeige die undichte Stelle. Schavan erhielt derweil breiten Rückhalt aus der Wissenschaft. An diesem Mittwoch kommt die zuständige Prüfungskommission der Uni zu Beratungen zusammen.

Die Düsseldorfer Hochschule war wegen des durchgesickerten Gutachtens in heftige Kritik geraten - und ging in die Offensive. Sie erstattete am Dienstag Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf Weitergabe vertraulicher Informationen. Der FDP-Bildungsexperte Patrick Meinhardt begrüßte den Schritt: Von Fairness sei bislang nichts zu spüren gewesen.

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In dem internen Gutachten unterstellte der Judaistik-Professor Stefan Rohrbacher der Ministerin nach Medienberichten eine Täuschungsabsicht bei der Doktorarbeit aus dem Jahr 1980. Schavan, die am Dienstag zu einer Dienstreise nach Israel flog, hat den Vorwurf strikt zurückgewiesen.

Ihr damaliger Doktorvater Gerhard Wehle betonte, die Arbeit sei in sich stimmig. Er habe keine Zweifel an Schavans wissenschaftlicher Eigenleistung gehabt. Sonst hätte er der Fakultät die Arbeit nicht zur Annahme empfohlen. „Sie ist eine absolut integere Person“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der „Rheinischen Post“ sagte der emeritierte Pädagogikprofessor: „Die Arbeit entsprach absolut dem wissenschaftlichen Standard.“

Spitzenvertreter der Wissenschaft kritisierten Gutachten und Plagiatsverfahren ebenfalls. Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Es gab schwere Fehler in dem Verfahren - die Universität sollte nun eine zweite Person bitten, die Vorwürfe sachlich zu prüfen.“ Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner, zeigte sich irritiert wegen des Vertrauensbruchs. Jürgen Mlynek, Chef der Helmholtz-Gemeinschaft, äußerte sich verwundert, „dass die Arbeit offenbar nur von einem Hochschullehrer geprüft wurde“.

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Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sicherte der Ministerin die Unterstützung der ganzen Fraktion zu. „Ich glaube, dass dieses Verfahren nicht in dieser Form zu Ende gebracht werden kann“, sagte er. Mit neuen Gutachtern solle ein neues Prüfungsverfahren beginnen. Es sei von Befangenheit des Gutachters auszugehen, nachdem vertrauliche Informationen vorab öffentlich wurden.

„Das Verfahren an sich wird ordentlich und mit aller notwendigen Sorgfalt weitergeführt“, betonte hingegen die Universität. Die Hochschulleitung arbeitet seit dem Wochenende an der Aufklärung des Vorwurfs der Indiskretion. 15 ständige und Vertretungsmitglieder der Promotionskommission hatten das Gutachten zur Vorbereitung erhalten - sie stehen nun unter Verdacht.

Die Gremien der Philosophischen Fakultät und die Unileitung bedauerten, dass womöglich Teile einer „Sachverhaltsermittlung“ unter Bruch der Vertraulichkeit an die Öffentlichkeit gelangt seien. Die Promotionskommission werde sich mit dem Gutachten befassen. Schavan könne danach um eine Stellungnahme gebeten werden.

Aus dem Ministerium verlautete, Schavan wolle schriftlich Stellung nehmen. Auf weitere Beratungen der Kommission folgt eine Empfehlung für den Fakultätsrat, der abschließend entscheidet.

Das NRW-Wissenschaftsministerium hat als Rechtsaufsicht bisher keine Bedenken gegen das Vorgehen der Universität. „Die Universität ist Herrin des Verfahrens, und es gibt im Moment keinen Grund anzunehmen, dass sie das nicht im Griff hat“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Sollten sich die Vorwürfe als zutreffend erweisen, frage ich mich, wie ausgerechnet die für Wissenschaft und Forschung zuständige Ministerin ihr Amt noch glaubwürdig ausüben will.“ FDP-Experte Meinhardt warf den Grünen eine Treibjagd vor.

dpa

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