FDP-Anhänger wollen Parteichef Westerwelle behalten

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Steht in der Kritik, erhält aber Rückendeckung von den FDP-Anhängern: Guido Westerwelle.

Berlin - FDP-Chef Westerwelle hat in letzter Zeit viel Kritik einstecken müssen. Sein Vorstands-Stuhl wackelt. Doch laut einer Umfrage wollen die FDP-Anhänger Westerwelle weiter an der Partei-Spitze sehen.

Der in den eigenen Reihen schwer unter Beschuss geratene FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle hat bei den Parteianhängern überraschend großen Rückhalt. In einer Emnid-Erhebung für das Magazin "Focus" sprachen sich 77 Prozent der FDP-Sympathisanten dafür aus, dass der Außenminister und Vizekanzler auch Parteichef bleibt. Unter allen Befragten plädierten allerdings 49 Prozent dafür, dass Westerwelle auf seinen Parteiposten verzichtet. Dazu war der Parteichef in den vergangenen Tagen angesichts der anhaltend schlechten Umfragewerte der FDP auch von Landesverbänden gedrängt worden.

Der Bezirksverband Köln/Bonn, Westerwelles politische Heimat, sicherte hingegen dem Parteivorsitzenden seine volle Unterstützung zu. "Der mitgliederstärkste FDP-Bezirksverband Deutschlands steht geschlossen hinter seinem Bundesvorsitzenden", erklärte Verbandschef Werner Hoyer, der Staatsminister im Auswärtigen Amt ist, nach der letzten Gremiensitzung des Jahres. "Wir sind überzeugt, dass die parteiintern wie -extern vorgetragene Kritik an Guido Westerwelle ebenso unverhältnismäßig wie unsachlich ist."

Westerwelle erwartet 2011 für die Liberalen "ein Jahr der Bewährung". Er zähle auf die Unterstützung der FDP-Mitglieder, schrieb er in einem Weihnachtsgruß an die Parteifreunde und "alle unsere Freunde der Freiheit". Man könne die Herausforderungen gemeinsam bestehen, versicherte Westerwelle. Voraussetzung sei, dass "wir uns der Probleme der Bürger annehmen und insbesondere die Interessen der Mitte vertreten, die unsere Gesellschaft trägt".

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier glaubt dagegen nicht an eine Zukunft Westerwelles als Parteichef. "In Parteien ist es ein langer Weg, bis Enttäuschungen aufgearbeitet sind. Ob die FDP Westerwelle dafür die Zeit gibt, bezweifel ich", sagte er der "Bild am Sonntag". Ursache für den Absturz der FDP seien die gebrochenen Wahlversprechen Westerwelles: "Er ist Vorsitzender einer Partei, die sich mit einer Wählertäuschung in die Regierung gebracht hat." Steinmeier weiter: "Die FDP besteht aus dem amtlichen Endergebnis der letzten Bundestagswahl, ansonsten ist sie mausetot."

Der Wahlforscher Richard Hilmer bescheinigte der im Umfragetief hängenden FDP, ein "richtiges Problem" zu haben. Die Partei habe bundespolitisch einen unglaublichen Einbruch erlebt. Es gebe kaum mehr etwas, wofür sie stehe. Diesen negativen Trend habe die FDP auch dort nicht stoppen können, wo sie in der Landesregierung vertreten sei, sagte Hilmer dem Magazin "Focus".

dpa

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