Forum in Marseille: Wasser für alle - nur wie?

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Einem Bericht der UNESCO zufolge haben fast eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Paris - Die Wasserversorgung in aller Welt steht im Zentrum des Weltwasserforums in Marseille. Fortschritte sind erkennbar, doch fast einer Milliarde Menschen fehlt der Zugang zu sauberem Trinkwasser

Zu den Teilnehmern des am Montag beginnenden sechsten Weltwasserforums zählen Vertreter von Energieunternehmen, Staats- und Regierungschefs, mehr als 80 Minister, hunderte Experten und andere Kongressbesucher aus 140 Ländern. Der Leiter des Forums, das alle drei Jahre stattfindet, Benedito Braga, strebt einen globalen Fonds für Wasserprojekte an.

Schwerpunkt dürfte in diesem Jahr insbesondere eine bessere Verteilung der Ressource vor dem Hintergrund von Klimaveränderungen und unsicherer Nahrungsmittelversorgung sein. Ziel ist, “ein Recht auf Wasser und auf Abwasserreinigung“ in die Abschlusserklärung aufzunehmen. Beim letzten Forum in der türkischen Stadt Istanbul 2009 war dies nicht gelungen. Kritiker werfen dem Forum vor, Wasser als Handelsware und nicht als Menschenrecht zu sehen.

Einem Bericht der UNESCO zufolge haben fast eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Tausende Kinder sterben demnach deswegen täglich an Durchfall. Außerdem gefährde eine “beispiellose Steigerung“ der Nachfrage nach Wasser alle wichtigen Entwicklungsziele. Die Autoren des Berichts fordern ein radikales Umdenken im Umgang mit Wasser.

Ab Mitte der Woche Gegenveranstaltung geplant

Die globalisierungskritische Organisation Attac kritisierte, das Weltwasserforum sei “eine große Lobbyveranstaltung der Wasser- und Energiewirtschaft“ und diene vor allem als Kontaktbörse zwischen Regierungen und den globalen Wasserkonzernen. In der traditionell vorab verfassten Abschlusserklärung sei formuliert, dass die weltweiten Wasserprobleme nur durch eine Partnerschaft mit Privatunternehmen zu lösen seien, erklärte Attac weiter. Zu einer Gegenveranstaltung, dem vierten Alternativen Weltwasserforum (FAME) werden von Mittwoch bis Samstag mehrere tausende Aktivisten in Marseille erwartet.

Der World Wide Fund for Nature (WWF) warnte vor einer weiteren Zuspitzung der globalen Wasserkrise. Allein seit 2000 sei es im Streit um die Wassernutzung weltweit zu mehr als 50 gewaltsamen Konflikten gekommen. Die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser werde die ohnehin schon schwelende Krise verschärfen. Die Tatsache, dass neun Staaten - Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, Indien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo und die USA - über 60 Prozent der weltweit verfügbaren Süßwasservorkommen besitzen, könne die Lage verschärfen. Der WWF forderte in einer Erklärung vom Sonntag einen globalen und verbindlichen Aktionsplan zur Lösung der Wasserproblematik.

dapd

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