Zwangsversteigerung

Strauß-Villa kommt unter den Hammer

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Der ehemalige bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.

München – Einst war dort der Landesvater zu Hause, jetzt kommt die Villa von Bayerns langjährigem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß unter den Hammer. Das Domizil wird versilbert, weil ein Strauß-Sohn in der Klemme steckt.

Das Anwesen hat eine unterirdische Schwimmhalle, Sauna, Whirlpool, Lift, eine Kamera-Überwachung, Parkett, Marmorsäulen, Fußbodenheizung, Solaranlage – aber einen großen Nachteil: Es wird zwangsversteigert. Die Villa in Mittersendling, Hirsch-Gereuth-Straße 28, mit einem Verkehrswert 2,7 Millionen soll Ende September den Besitzer wechseln. Es ist auch nicht irgendeine Villa – sondern das frühere Zuhause von Franz Josef Strauß.

Ausgerechnet in seinem 100. Geburtsjahr, das die CSU mit viel Getöse feiern will, wird seine frühere Immobilie zwangsversteigert. Das geht aus Unterlagen des Amtsgerichts München hervor, die im Internet abrufbar sind. Besitzer des Anwesens mit 1600 Quadratmeter Grund und 419 Quadratmeter Wohnfläche ist der jüngere Strauß-Sohn Franz Georg. Er ist in finanziellen Schwierigkeiten, bestätigt das auch.

„Ich habe einen Fehler gemacht. Ich bin in eine finanzielle Schieflage geraten“, sagte Franz Georg Strauß zu „Spiegel online“. Er habe unglücklich in eine Firma investiert. Gläubigerin ist demnach das Bankhaus UniCredit, das die Geduld mit dem prominenten Schuldner verloren hat. Strauß will um das Elternhaus, das er 1988 geerbt hat, noch kämpfen. Er sagt, seine Schulden seien deutlich niedriger als der Verkehrswert des Hauses, also jene 2,7 Millionen Euro. „An der Ablösung der Verbindlichkeiten bin ich jetzt dran und auf einem guten Weg.“

Ist die Zwangversteigerung also noch zu stoppen? Falls nicht, kommt das Haus im Münchner Südwesten ganz schnöde am 24. September, 9 Uhr, in einem Sitzungssaal des Amtsgerichts unter den Hammer, Geschäftszeichen 1540 K 240/14. Für Strauß wäre das bitter. Mit dem Gebäude verbindet sich ein Jahrzehnt Familiengeschichte. Unter RAF-Bedrohung stehend, war Franz Josef Strauß hier 1978 eingezogen. Der Bau war leichter zu sichern und von der Polizei einfacher rund um die Uhr zu bewachen als die frühere Wohnung, die von Terroristen offenbar schon ausgekundschaftet war.

Auch für die CSU ist der Vorgang unangenehm. DiePartei will im großen Strauß-Jahr nur die Sonnenseiten ihres Übervaters zeigen, plant mehrere Festakte mit Besuch der Kanzlerin und Ausstellungen in München. Die neue Parteizentrale im Norden Münchens soll auch wieder offiziell „Franz-Josef-Strauß-Haus“ genannt werden. Wenigstens das wird nicht versteigert.

cd

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