Westerwelle: "Großartige Entscheidung"

Friedensnobelpreis geht an die Europäische Union

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Oslo - Inmitten der schweren Schuldenkrise erhält die Europäische Union den Friedensnobelpreis. Außenminister Westerwelle spricht von einer "großartigen Entscheidung".

Die Union und ihre Vorläufer trügen seit mehr als sechs Jahrzehnten zu Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa bei, erklärte das Komitee zur Begründung. Auch wenn die EU derzeit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und sozialen Unruhen zu kämpfen habe, wolle das Nobelkomitee den Blick auf den wichtigsten Erfolg der Union richten: den erfolgreichen Kampf für den Frieden und die Demokratie.

Im vergangenen Jahr wurden drei Frauen ausgezeichnet. Die Journalistin Tawakkul Karman aus dem Jemen teilte sich den Preis mit der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee, ebenfalls aus Liberia. Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 930.000 Euro dotiert.

Barroso: Nobelpreis würdigt „einzigartiges Projekt“

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat die Verleihung des Friedensnobelpreises als „große Ehre für die EU“ bezeichnet. Das Nobel-Komitee habe eine „sehr wichtige Botschaft nach Europa gesendet: Dass die EU etwas sehr Kostbares ist, dass sie in Ehren gehalten wird, zum Wohl der Europäer und der ganzen Welt“. Als er am Morgen aufgewacht sei, habe er nicht erwartet, dass es ein so guter Tag werde, so der Kommissionschef in einer spontan anberaumten Pressekonferenz in Brüssel. Er habe die Entscheidung „mit tiefer Gefühlsregung“ aufgenommen und sei sehr stolz. Die Anerkennung sei gerechtfertigt, weil die EU ein „einzigartiges Projekt“ sei und für die Werte der Menschenwürde, der Freiheit, der Demokratie und des Respekts der Menschenrechte stehe.

Merkel: Euro ist mehr als nur eine Währung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an die Europäische Union als „wunderbare Entscheidung“ bezeichnet. Das Nobelpreiskomitee würdige damit die Idee der europäischen Einigung, sagte Merkel am Freitag in Berlin. Nach Jahrhunderten schrecklicher Kriege sei mit den Römischen Verträgen Ende der 50er Jahre der Grundstein für eine Friedensgemeinschaft gelegt worden. Merkel verwies zugleich auf die gemeinsame Währung, den Euro. Dieser sei mehr als nur eine Währung.

Westerwelle: „Ansporn“ für EU 

Außenminister Guido Westerwelle hat sich hoch erfreut über die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union gezeigt. „Das ist eine großartige Entscheidung, die mich stolz und glücklich macht“, sagte Westerwelle am Freitag bei einem Besuch in der chinesischen Millionen-Metropole Shenyang. „Der Nobelpreis ist uns großer Ansporn, jetzt erst recht unsere eigenen Probleme zu lösen, mit unserem Modell der europäischen Kooperation Beispiel zu geben und unsere Anstrengungen für die friedliche Entwicklung der Welt noch zu verstärken.“

Auch die Bundesregierung hat der Europäischen Union zum Friedensnobelpreis gratuliert. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag in Berlin, der Preis sei für alle „eine Freude“. Er sei eine Bestätigung und Ermutigung für das große Friedensprojekt, das die EU dem Kontinent gebracht habe. Die Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierten der EU, ihren Organen und Mitarbeitern.

EU-Parlamentspräsident Schulz: Tief bewegt

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat den Friedensnobelpreis für die EU als „große Ehre“ bezeichnet. „Wir im EU-Parlament sind tief bewegt“, erklärt der SPD-Politiker. Die Union habe den Kontinent mit friedlichen Mittel geeint und Erzfeinde zusammengebracht. „Dieser historische Akt ist zurecht anerkannt worden.“ Er betonte, dass die EU mit mehreren Ländern über einen Beitritt verhandele. Das zeige trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen, „dass die EU ein Magnet für Stabilität, Wohlstand und Demokratie ist“. Die Prinzipien und Werte der Versöhnung seien eine Inspiration für andere Weltregionen; vom Balkan über den Kaukasus diene die EU als „Leuchtturm für Demokratie und Versöhnung“.

Acht Fakten rund um den Nobelpreis

Acht Fakten rund um den Nobelpreis

Nach dem Testament des schwedischen Dynamit-Erfinders Alfred Nobel soll der Friedensnobelpreis Persönlichkeiten oder Organisationen auszeichnen, die am meisten auf „die Verbrüderung der Völker“ hingewirkt haben. Besonders hervorgehoben wurden „die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere“ sowie die Ausrichtung von Friedenskongressen. Im Unterschied zu den anderen Nobelpreisen wird der Friedenspreis von einem Ausschuss zuerkannt, den das norwegische Parlament in Oslo beruft. Dessen fünf Mitglieder wählen den Preisträger aus einer Liste von Kandidaten.

Das sind die wichtigsten Organe der EU

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Vorschläge können neben den Komiteemitgliedern auch frühere Preisträger, Mitglieder von Regierungen und Parlamenten, Angehörige internationaler Organisationen sowie Universitätsprofessoren für Politik, Geschichte und Philosophie einreichen. Bei der Verleihung soll keine Rücksicht auf die Nationalität genommen werden.

Das Komitee überreicht den Preis am 10. Dezember, dem Todestag Nobels. Den ersten Friedenspreis erhielten 1901 der Gründer des Roten Kreuzes, Henri Dunant, und der Gründer der französischen Friedensgesellschaft, Frédéric Passy. Bisher wurden zwei Deutsche mit dem Preis ausgezeichnet: Carl von Ossietzky und Willy Brandt.

dpa/dapd 

Rubriklistenbild: © dpa

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