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"Er gibt die Richtung vor"

Wahlkampf: Gabriel gibt Steinbrück freie Hand

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Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (l.) mit Parteichef Sigmar Gabriel.

Berlin - Steinbrück bestimmt als Kanzlerkandidat, wo es im SPD-Wahlkampf langgeht: Das machen Parteichef Gabriel und Generalsekretärin Nahles deutlich. Auch ein Vorbild steht schon fest.

Die SPD-Führung hat dem wegen seiner Nebeneinkünfte in der Kritik stehenden Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück für den Wahlkampf volle Rückendeckung gegeben. Parteichef Sigmar Gabriel räumte ihm große Handlungsfreiheit ein. „Der Spitzenkandidat ist immer die Nummer eins. Er gibt im Wahlkampf die Richtung vor“, sagte er „Spiegel Online“. Der Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Wahl im Herbst 2013 sei derjenige, der den Schwerpunkt setze und ihn in der Partei verankere. Die Partei unterstütze ihn. „Natürlich werden wir Peer Steinbrück Beinfreiheit geben.“ Diese „Beinfreiheit“ hatte Steinbrück unmittelbar nach seiner Nominierung für sich beansprucht.

Seine eigene Rolle definierte Gabriel als Helfer. Er werde sich im Wahlkampf an Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder orientieren. „Gerhard Schröder ist als Wahlkämpfer ein Vorbild.“ Ziel sei es, dass gegen die SPD keine Regierung gebildet werden könne und Steinbrück Regierungschef werde.

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

Die einzige Wahl, die Peer Steinbrück bisher bestreiten musste, hat er verloren. Mit 65 Jahren wagt er von der Hinterbank nochmals den großen Sprung. © dpa
Steinbrück tritt als Kanzlerkandidat der SPD gegen Angela Merkel an. © dpa
In diesem Jahr sind gleich drei Steinbrück-Biografien erschienen. Die beiden Journalisten Eckart Lohse und Markus Wehner bezeichnen Steinbrück als einen der „zweifellos interessantesten Politiker dieser Jahre“. © dpa
Eine Gefahr für ihn ist immer sein loses Mundwerk. © dpa
Als Bundesfinanzminister (2005 bis 2009) bewegte er durch unbedachte Äußerungen schon mal die Märkte. Der Schweiz drohte er, selbstbewusst wie er nun mal ist, in Sachen Schwarzgeld mit der Kavallerie. © dpa
Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, wächst er in einem eher konservativen Elternhaus auf, erst 1969 schwenkt der Vater wegen Willy Brandt auf die SPD um. © dpa
Seinen eigenen trockenen Humor führt er auf seine Großmutter zurück - jüngst antwortete er einem Journalisten auf Fragen, ob er dieses oder jenes ausschließe: „Steinbrück schließt nicht aus, dass er Hundefutter isst“. © dpa
Als Schüler hatte er Flausen im Kopf. Neben Griechisch und Latein ist ausgerechnet Mathe ein Problem. Zweimal bleibt er sitzen. Statt zu lernen, schießt er Lehrern lieber aus dem Paternoster heraus mit einem Blasröhrchen Erbsen auf die Beine. © dpa
Das Ende der Schulzeit empfindet er als Befreiung. Seine Klassenarbeiten verbrennt Steinbrück nach dem Abi im Ofen. © dpa
Zum Studium der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften geht er nach Kiel. © dpa
Seine politische Karriere beginnt 1974 im Bundesbauministerium und führt ihn in das Forschungsministerium und als Referent in das Bonner Bundeskanzleramt. © dpa
Dort regiert Helmut Schmidt, der ihn geeignet hält für den Job des Regierungschefs. Von 1986 bis 1990 leitet er das Büro von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau. Anschließend ist Steinbrück bis 1998 in Kiel, unter anderem als Wirtschaftsminister. © dpa
Dann kehrt er nach Nordrhein-Westfalen zurück. Nach Stationen als Wirtschafts- und Finanzminister wird er 2002 als Nachfolger des nach Berlin gewechselten Wolfgang Clement Ministerpräsident. © dpa
2005 wird Steinbrück trotz der Wahlniederlage gegen die CDU zum Finanzminister in Berlin berufen. © dpa
Im Oktober 2008 verkündet er mit Angela Merkel die berühmte Garantie für alle deutschen Spareinlagen. Eines macht er heute klar: Sollte er nicht Kanzler werden, geht er auf keinen Fall nochmals als Juniorpartner in ein Kabinett Merkel III. © dpa
Verheiratet ist er mit einer Lehrerin (links im Bild Ehefrau Gertrud). Sie haben drei erwachsene Kinder. Steinbrück ist ein Schnellleser und begeisterter Cineast. Und Peer Steinbrück ist leidenschaftlicher Sammler von Schiffsmodellen. © dpa
Dass der bald 66-Jährige so richtig will und die bisher unangreifbare Merkel mit Hilfe der Partei stellen möchte, wurde zuletzt beim Zukunftskongress der SPD-Fraktion sichtbar. Er hielt eine für ihn überraschend sozialdemokratische Rede. © dpa
Die nervösen Reaktionen der Union auf sein Papier zur Bändigung der Finanzmärkte zeigten, dass er hier für die SPD einen möglichen Wahlkampfschlager gefunden hat. © dpa
Mit seiner „klaren Kante“ ist er sicher der Kandidat, der Merkel am gefährlichsten werden wird. © dpa

Ähnlich äußerte sich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Sie wolle sich als Wahlkampfleiterin ihrer Partei in den Dienst von Steinbrück stellen, sagte sie dem „Tagesspiegel am Sonntag“. „Das letzte Wort hat immer der Kandidat.“ Wichtig sei, dass Steinbrück sich mit dem Wahlkampf wohlfühle: „Die Kampagne darf ihm nicht übergestülpt werden.“ Nahles räumte aber ein, dass Steinbrücks erste Zeit als Merkel-Herausforderer nicht optimal gewesen sei: „Der Start ist etwas rumpelig gelaufen, aber es gibt keinen Grund, das zu problematisieren.“

Derweil erklärte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, warum er auf die Kanzlerkandidatur verzichtet hat: seiner Familie zuliebe. „Die letzten zwei Jahre seit der Transplantation haben gezeigt: Auch wenn es überwiegend gut geht - es gibt ein paar Tage mehr im Jahr, an denen ich an der Familienfront gefordert bin“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Steinmeier hatte seiner Frau 2010 eine Niere gespendet.

„Zweierlei war für mich am Ende ausschlaggebend: Ich wusste, dass Peer Steinbrück ein hervorragender Kandidat sein würde. Und mir war klar, was ein Jahr Wahlkampf für mich und meine Familie bedeuten würde“, sagte Steinmeier. Er war 2009 erfolglos gegen Kanzlerin Merkel angetreten. Nun kündigte er an: „Ich werde mich voll für die SPD reinhängen, damit Peer Steinbrück Kanzler wird.“

dpa

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