Weitere Tote in Ostukraine

Nato schürt Hoffnung auf russischen Abzug

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In der Ostukraine liefern sich Regierungstruppen und prorussische Kräfte andauernde Gefechte.

Donezk/Lugansk - Bei Gefechten in der Ostukraine sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Die Nato verkündete derweil, dass der russische Truppen-Abzug begonnen haben könnte.

Ein Teil der russischen Truppen in der Nähe der ukrainischen Grenze könnte mit dem Abzug begonnen haben. Dies sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nach Angaben eines Bündnissprechers am Donnerstag in Montenegro.

„Wir haben gestern Abend eine begrenzte russische Truppenbewegung in der Nähe der ukrainischen Grenze gesehen“, sagte Rasmussen. Dies könne darauf hindeuten, „dass einige dieser Truppen den Rückzug vorbereiten“. „Es ist noch zu früh, um zu sagen, was das bedeutet, aber ich hoffe, dass es der Beginn eines umfassenden und ehrlichen Rückzugs ist.“

Nicht von einer Entspannung der Lage zeugen allerdings die Signale der ukrainischen Führung in Kiew. Sie hat den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen um eine Dringlichkeitssitzung gebeten. Vor der Präsidentenwahl an diesem Sonntag würden sich die Hinweise auf „russische Sabotageakte“ häufen, sagte Regierungschef Arseni Jazenjuk am Donnerstag in Kiew. „Wir werden bei der Sitzung Beweise vorlegen, dass Russland mit einer Eskalation des Konflikts die Präsidentenwahl vereiteln will“, betonte der Politiker. Russland hat wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, die Abstimmung zu behindern.

Die Präsidentenwahl sei gemäß ukrainischem Recht auf jeden Fall gültig, weil es keine Mindestwahlbeteiligung gebe, sagte Interims-Außenminister Andrej Deschtschiza dem „Tagesspiegel“. An den Osten, die von den Separatisten kontrolliert werden, könnte nicht gewählt werden. „Wir schätzen, dass weniger als zehn Prozent der Wahlberechtigten betroffen sind“, betonte Deschtschiza. Allerdings sei die Unterstützung für die Einheit der Ukraine derzeit mit 70 Prozent so hoch wie nie zuvor. „Eigentlich müssen wir dem russischen Präsidenten (Wladimir) Putin dafür danken, dass er die Ukraine geeint hat.“

Ostukraine: Mindestens acht Tote bei Gefechten

Mit der Sprengung einer Brücke haben militante Aktivisten in der Ostukraine derweil das Vorrücken von Regierungseinheiten im Raum Lissitschansk verzögert. Die Sicherheitskräfte hätten am Morgen mit gepanzerten Fahrzeugen den Ort rund 90 Kilometer nordwestlich der Gebietshauptstadt Lugansk erreicht, sagte Separatistenführer Alexej Tschmilenko am Donnerstag. Die prorussischen Kräfte brachten daraufhin die Verkehrsverbindung über einen Nebenfluss des Don zum Einsturz. Es habe zudem Schusswechsel gegeben, sagte Tschmilenko.

Das Verteidigungsministerium in Kiew bestätigte den Tod von 13 Soldaten bei den jüngsten Kämpfen. Die Sicherheitskräfte hätten die Stadt Wolnowacha etwa 60 Kilometer südlich von Donezk vor moskautreuen Kämpfern schützen wollen, teilte Interimspräsident Alexander Turtschinow in Kiew mit. „Zu unserem riesigen Bedauern haben 13 Menschen unter dem Feuer von Granatwerfern und schweren automatischen Waffen ihr Leben für die Ukraine gelassen“, sagte er. Es war damit wohl der verlustreichste Tag für die Streitkräfte seit Beginn ihrer „Anti-Terror-Aktion“ gegen Separatisten Mitte April.

Nach Darstellung des Nationalen Sicherheitsrats in Kiew attackierten Unbekannte in der Nacht mit Maschinengewehren und Granatwerfern einen Posten nahe der Grenze zu Russland. Dabei seien fünf Soldaten verletzt worden, sagte Sicherheitsratschef Andrej Parubij. „Diese Handlungen werden von Moskau koordiniert und finanziert“, behauptete er. Das russische Außenministerium warf der Ukraine hingegen vor, bei ihrer „Anti-Terror-Operation“ auch Zivilisten zu töten.

dpa

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