Gorch-Fock-Affäre: Erneute Kritik an Guttenberg

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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird weiter wegen der Gorch-Fock-Affäre kritisiert.

Berlin - Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD im Bundestag, Thomas Oppermann, hat wegen neuer Veröffentlichungen zum Tod einer “Gorch Fock“-Soldatin erneut Verteidigungsminister Guttenberg scharf angegriffen.

“Ich bin entsetzt, dass drei Monate nach dem tragischen Tod der Kadettin immer noch keine Klarheit besteht, was eigentlich vorgefallen ist“, sagte Oppermann der “Bild“-Zeitung vom Mittwochausgabe.

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Unterdessen widersprach die Mutter der toten Kadettin Berichten widersprochen, ihre Tochter sei übergewichtig gewesen. Sie habe ihre Tochter wenige Tage vor ihrem Abflug nach Brasilien noch gesehen, sagte Angelika S. aus Bodenwerder dem NDR. “Sarah hatte Kleidergröße S. Sarah war körperlich voll fit. Sie ist gelaufen, sie ist geschwommen, sie ist Fahrrad gefahren, sie ist Rollerblades gefahren. Deshalb verstehe ich den ganzen Wirbel nicht, woher plötzlich 83 Kilo herkommen.“ 

“Ich will die ganze Wahrheit wissen“

“Bild“ hatte berichtet, die Soldatin habe bei einer Körpergröße von 1,58 Meter 83 Kilogramm gewogen. Angelika S. verlangte nach neuen Enthüllungen über Vorkommnisse an Bord in einem Interview mit der Zeitung Aufklärung von der Bundeswehr und forderte Konsequenzen: “Ich will die ganze Wahrheit wissen und endlich erfahren, warum meine Tochter verunglückt ist.“ Als ihre Tochter aus Deutschland weggefahren sei, habe sie auf keinen Fall mehr als 60 Kilogramm gewogen.

Auch zu den anderen Vorwürfen aus dem Untersuchungsbericht, wonach es massive Schlampereien an Bord gegeben haben soll, verlangte die Mutter Aufklärung. “Meine Tochter ist da nicht einfach so runtergefallen. Ich habe mit ihrem Tod alles verloren. Wenn sich diese Vorwürfe bestätigen, muss das Konsequenzen haben“, sagte sie.

Marineinspekteur Axel Schimpf hat hingegen nach Informationen des Blattes die Daten aus dem Obduktionsbericht vor den Obleuten des Verteidigungsausschusses bestätigt. Wie mehrere Teilnehmer der geheimen Sitzung der Zeitung bestätigten, nannte Schimpf 83 Kilo als Obduktionsergebnis der Leiche.

Oppermann sagte, es sei durch nichts zu entschuldigen, dass der Untersuchungsbericht dem Parlament zwei Monate vorenthalten worden sei. “Das ist eine grobe Missachtung des Parlaments durch Guttenberg. Guttenberg hat die Bundeswehr und sein Ministerium einfach nicht im Griff.“

Bundeswehrverband rügt "Gorch-Fock"-Ermittlungen

Auch der Bundeswehrverband hat die schleppende und bruchstückhafte Aufklärung im Fall der zu Tode gestürzten “Gorch-Fock“-Soldatin kritisiert. Verbandschef Ulrich Kirsch sagte am Mittwoch in Berlin, nach seinem Eindruck würden viele Informationen bewusst “scheibchenweise“ gestreut. Er warnte davor, den Todesfall als “Vehikel für politische Zwecke zu missbrauchen“. Er empfahl Politik und Medien, die Untersuchungs- und Ermittlungsergebnisse abzuwarten und bis dahin keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

dapd

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