Bei Sapor Modellbau mitkassiert

Bahn frei für Ermittlungen gegen Haderthauer

Christine Haderthauer CSU
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Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU).

München - Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) soll auch nach ihrem Ausstieg noch bei der Firma Sapor Modellbau mitverdient haben. Sie bestreitet dies. Ermittlungen sollen nun Licht ins Dunkel bringen.

Die Betrugsermittlungen gegen Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) können starten: Der Landtag legte nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft München II bis zum Ablauf der entsprechenden Frist am Donnerstag keinen Widerspruch ein - wie erwartet. Damit haben die Ermittler nun freie Bahn, die im Raum stehenden Betrugsvorwürfe gegen eine der engsten Vertrauten von Ministerpräsident Horst Seehofer umfassend zu prüfen. Ob und wann das Ermittlungsverfahren förmlich eröffnet wird, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ken Heidenreich, aber nicht. Seehofer hatte sich zuletzt zweimal voll hinter Haderthauer gestellt.

Anlass für die Ermittlungen ist eine Anzeige eines früheren Mitgesellschafters des Ehepaars Haderthauer bei der Firma Sapor Modelltechnik. Das kleine Unternehmen verkaufte hochwertige Modellautos, die von psychisch kranken Straftätern gebaut wurden. Der Geschäftsmann Roger Ponton, von dem die Anzeige stammt, hatte im Jahr 2011 vom Ehepaar Haderthauer 20 000 Euro Abfindung für seinen Firmenanteil erhalten, fühlt sich jedoch übers Ohr gehauen. Ponton vermutet, dass die Gewinne der Firma höher waren als von den Haderthauers angegeben - und deswegen seine Abfindung zu niedrig.

Haderthauer streitet Vorwürfe ab

Haderthauer wies unterdessen Vorwürfe zurück, auch nach 2003 noch maßgeblich in die Geschäfte ihres Mannes verwickelt gewesen zu sein. Zwar seien im Jahr 2008 tatsächlich zwei Zahlungen vom Sapor-Geschäftskonto an ihr persönliches Konto geflossen, sagte Haderthauer der dpa. Dies aber nur deshalb, weil sie zuvor Rechnungen eines Ingolstädter PR-Unternehmens von ihrem Konto beglichen habe.

Die zugrundeliegenden Rechnungen betrafen nach Angaben Haderthauers Dienstleistungen für die Firma Sapor Modelltechnik und waren auch an diese adressiert. Haderthauer erläuterte, dass das PR-Unternehmen zur gleichen Zeit auch für sie als Abgeordnete Dienstleistungen erbracht habe. Wohl aus diesem Grund habe sie auch die Rechnungen an Sapor Modelltechnik zunächst versehentlich von ihrem Konto bezahlt.

„Als ich später beim Zusammenstellen meiner Belege sah, dass die Rechnungen gar nicht an mich adressiert waren, sondern dass es sich um Rechnungen für die von meinem Mann beauftragten Leistungen für Sapor Modelltechnik handelte, habe ich mir das Geld erstatten lassen. So etwas kommt in jedem Handwerkerhaushalt mal vor“, sagte sie.

Die „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstag) hatte als erstes über die Zahlungen im Oktober 2008 in Höhe von insgesamt 5500 Euro berichtet. Haderthauer hat in den vergangenen Tagen und Wochen wiederholt betont, 2003 als Gesellschafterin bei Sapor ausgeschieden zu sein.

Kläger-Anwalt will "alle juristischen Mittel ausschöpfen"

Pontons Anwalt, Malte Magold, betonte am Donnerstag, dass er für seinen Mandanten alle juristischen Mittel ausschöpfen wolle. Gegen Ende des Jahres wolle er auch eine Zivilklage einreichen, sagte er. Sein Mandant sei „in massiver Weise über den Tisch gezogen und getäuscht worden“. Die Höhe der Ansprüche, die er für Ponton geltend machen wolle, könne er aber noch nicht beziffern. Der „Bild“-Zeitung hatte Magold gesagt, er könne belegen, dass von Sapor zwischen 1990 und 2013 insgesamt mindestens 130 Modellautos verkauft worden seien.

SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher sagte am Donnerstag: „Ich finde, der Ministerpräsident muss nun die neuen Fakten zur Kenntnis nehmen und die Affäre Haderthauer auch selbstkritisch bewerten. Die Affäre Haderthauer ist mittlerweile auch eine Affäre des Ministerpräsidenten selbst.“ Jeden Tag kämen neue Details ans Tageslicht. „Und es kann nicht wahr sein, dass Herr Seehofer weiter nach dem Prinzip vorgeht: Augen zu und durch.“ Rinderspacher sagte, er rechne am Ende fest mit einem Rücktritt.

Das ist Seehofers Kabinett

Das ist Seehofers Kabinett

Die CSU hat bei der Landtagswahl 2013 in Bayern die absolute Mehrheit wiedergewonnen. Das ist das Kabinett von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU): © dpa
Ilse Aigner - Wirtschaft und stellvertretende Ministerpräsidentin: Die 1964 geborene Oberbayerin ist eine Lieblingsparteifreundin von Seehofer. Er holte die oberbayerische CSU-Bezirksvorsitzende aus Berlin nach München zurück. Aigner und Finanzminister Söder sind Hauptanwärter auf Seehofers Nachfolge. CSU-intern ist sie wegen ihres Charmes beliebt. Früher war sie bei Eurocopter tätig. Aigner ist die einzige in der deutschen Spitzenpolitik, die im Hubschrauber nicht nur fliegt, sondern sich auch mit der Technik auskennt. © dpa
Markus Söder - Finanzen und Heimat: Der 46-jährige Ziehsohn von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber ist ein politisches Alpha-Tier und eine CSU-Allzweckwaffe. 2003 machte ihn Stoiber zum Generalsekretär - und Söder wurde bundesweit als Haudrauf bekannt. 2007 wurde er von Günther Beckstein als Europaminister ins Kabinett berufen. Seehofer machte ihn dann zum Umwelt- und Gesundheitsminister, später stieg er zum Finanzminister auf. CSU-intern hat der machthungrige Nürnberger stark an Boden gewonnen, ein Parteiliebling ist er aber nicht. © dpa
Ludwig Spaenle - Kultus und Wissenschaft: Der 52-Jährige ist mit der Zusammenlegung von Schul- und Hochschulressort ein großer Gewinner der Kabinettsbildung. Sein Etat allein wird mehr als ein Drittel der bayerischen Staatsausgaben umfassen. In der Schulpolitik gelang es ihm in der vergangenen Legislatur, den Druck auf die CSU zu verringern, obwohl die Opposition ihn unter Dauerbeschuss nahm. Ein persönliches Anliegen ist dem Münchner CSU-Chef die Aufarbeitung der NS-Zeit. © dpa
Joachim Herrmann - Inneres: Der einstige CSU-Fraktionschef ist seit 2007 Innenminister. Der 57 Jahre alte Mittelfranke ist eine ebenso unverzichtbare wie ruhende Säule der Staatsregierung. Ministerpräsident Seehofer fand ihn ursprünglich zu wenig dynamisch. Herrmann hat sich aber trotz seiner ruhigen Art profiliert. In der Rechtspolitik grub er in der vergangenen Wahlperiode der eigentlich zuständigen Fachministerin Beate Merk das Wasser ab. © picture alliance / dpa
Emilia Müller - Soziales: Die 62-Jährige, die als Wirtschafts- und seit 2008 als Europaministerin eher blass geblieben war, galt lange als Wackelkandidatin. In ihrer Heimat, der Oberpfalz, verlor sie den parteiinternen Machtkampf um ein Direktmandat, obwohl sie die dortige CSU-Bezirksvorsitzende ist. Über die Liste schaffte sie aber locker den Einzug in den Landtag. Sie steigt nun wieder in ein wichtigeres Ressort auf. © dpa-mzv
Marcel Huber - Umwelt: Bodenständiger als der 1958 geborene Tierarzt kann kaum ein Minister sein. Er wurde bei der Landtagswahl Stimmenkönig in seinem Stimmkreis Mühldorf. Er wechselte erst 2003 als Quereinsteiger in die Politik und war lange Kommandant bei der Freiwilligen Feuerwehr. Huber leitete 2012 den Kurswechsel beim Verzicht auf den Donau-Ausbau mit Staustufe ein und machte eine gute Figur bei der Hochwasserbekämpfung im Sommer. © dpa
Melanie Huml - Gesundheit: Die 38 Jahre alte Oberfränkin galt lange als mögliche Heimatministerin. Nur wird die Ärztin, die bereits Sozialstaats- und zuletzt Gesundheitsstaatssekretärin war, tatsächlich Ministerin. Sie übernimmt das künftig eigenständige Gesundheitsressort. Aus der einst jüngsten Abgeordneten und Staatssekretärin wird damit die jüngste Ministerin. © dpa
Helmut Brunner - Agrar: Der Niederbayer ist gelernter Landwirtschaftsmeister und seit 2008 Agrarminister. Im ersten Kabinett Seehofer war Brunner ein Leistungsträger, der vergleichsweise wenig Schlagzeilen machte, aber dennoch bei den landwirtschaftlichen Verbänden wegen seiner Kompetenz Ansehen genießt. Brunner sitzt seit 1994 im Landtag. © dpa
Winfried Bausback - Justiz: Der Unterfranke ist der einzige im neuen Kabinett, der es ohne den „Umweg“ Staatssekretär direkt auf einen Ministersessel geschafft hat. Der habilitierte Jurist hatte die CSU in der vergangenen Legislaturperiode unter anderem im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags vertreten. Der 47-Jährige war bislang keiner, der die große Bühne sucht, sondern ein stiller Arbeiter. © dpa
Beate Merk - Europa: Die 1957 geborene Merk war früher Oberbürgermeisterin von Neu-Ulm und wurde vor zehn Jahren von Edmund Stoiber in die Landespolitik geholt. Als Justizministerin litt sie aber in den vergangenen Jahren - vor allem der Fall Gustl Mollath wurde für sie zur Belastung. © dpa
Christine Haderthauer - Staatskanzleichefin: Die 50-jährige Ingolstädterin gilt ebenfalls als Kronprinzessin, steht aber derzeit nicht mehr so im Fokus wie Aigner und Söder. Haderthauer war zunächst Nachfolgerin Söders auf dem Posten des CSU-Generalsekretärs, 2008 machte Seehofer sie zur Sozialministerin. Die Juristin hat keine Probleme, sich bundesweit Gehör zu verschaffen - und wird das wohl auch als Staatskanzleichefin weiter tun. © dpa

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