Henkel rät Guttenberg von Rückkehr ab

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Hans-Olaf Henkel.

Halle - Das mögliche Comeback von Kal-Theodor zu Guttenberg schlägt weiter hohe Wellen. Ex-Industriechef Henkel hält nichts davon, CSU-Landesgruppenchefin Hasselfeldt würde es begrüßen.

Der Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, hat dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) von einer Rückkehr in die Politik abgeraten. “Ich glaube, er wäre gut beraten, sich ein anderes Betätigungsfeld auszusuchen als die Politik“, sagte Henkel der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitagausgabe). Dies gelte auch für die Gründung einer neuen Partei.

Henkel ist ein exponierter Euro-Kritiker und wird seit geraumer als möglicher Gründer einer eurokritischen Partei genannt. Guttenberg wiederum hatte sich in einem Interview mit der Wochenzeitung “Die Zeit“ kritisch zur CSU geäußert und die Erfolgschancen einer neuen bürgerlichen Partei positiv bewertet.

Guttenberg-Zitate: "Ich habe den Blödsinn wirklich selber verfasst, und ich stehe auch dazu"

“Ich habe den Blödsinn wirklich selber verfasst, und ich stehe auch dazu“

Karl-Theodor zu Guttenberg hat in einem Interview-Buch sein Schweigen gebrochen und zu seiner Plagiatsaffäre Stellung genommen. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke und lesen Sie einige Schlüssel-Zitate aus dem neuem Buch des Ex-Ministers: © dpa
“Es steht völlig außer Frage, dass ich einen auch für mich selbst ungeheuerlichen Fehler begangen habe, den ich auch von Herzen bedauere.“ © dpa
“Tatsächlich bin ich verantwortlich für das, was ich im Leben richtig und gelegentlich falsch gemacht habe.“ © dpa
“Ich war ein hektischer und unkoordinierter Sammler. Immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass etwas zu meinem Thema passt, habe ich es ausgeschnitten oder kopiert oder auf Datenträgern sofort gespeichert oder direkt übersetzt.“ © dpa
“Eigentlich war das eine Patchworkarbeit, die sich am Ende auf mindestens 80 Datenträgern verteilt hat.“ © dpa
“Das politische Leben hat mich nicht überfordert, wohl aber die parallele wissenschaftliche Arbeit.“ © dpa
“Ich habe für jedes Kapitel eine Diskette angefertigt, ich habe unterschiedliche Ordner angelegt, ich habe über die Jahre hinweg auf vier unterschiedlichen Computern gearbeitet, die an unterschiedlichen Orten waren. Übersetzungen habe ich manchmal auf langen Flügen vorgenommen. ... © dpa
... "Ich habe auf Reisen an der Dissertation gearbeitet, manchmal in Universitätsbibliotheken oder wenn ich bei einem Thinktank unterwegs war. Irgendwann hatte ich einen Wust an Informationen, der allerdings abgesehen von den Gliederungspunkten keinerlei innere Ordnung mehr hatte.“
“Ich wusste offensichtlich später auch nicht mehr, an welchem Text ich selbst bereits gearbeitet hatte, welcher Text mein eigener und welcher möglicherweise ein Fremdtext war, insbesondere beim Zusammenfügen dieser Bruchstücke.“ © dpa
“Ich habe den Blödsinn wirklich selber verfasst, und ich stehe auch dazu.“ © dpa
“Wenn ich die Absicht gehabt hätte, zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist.“ © dpa
“Wer die ersten Zeilen seiner Einleitung komplett aus einem Zeitungsartikel abschreibt, dann aber gleichzeitig so doof ist, die Autorin dieses Textes im Literaturverzeichnis zu benennen, der handelt nicht absichtlich, sondern aus Überforderung und weil er den Überblick verloren hat.“ © dpa
“Ich habe mit dem Abfassen dieser Doktorarbeit die, noch mal, denkbar größte Dummheit meines Lebens begangen.“ © dpa
“Das Krisenmanagement dieser Tage war verheerend.“ © dpa
“Ja, die vergangenen Jahre haben durchaus zu mancher Verbitterung geführt.“ © dpa
Zu einem möglichen Comeback: “Ich schließe nichts aus, aber es gibt bislang noch keine konkrete Intention. Aber ich werde mit Sicherheit in mein Heimatland zurückkehren und ein politischer Kopf bleiben.“ © dpa
"Ich schließe nichts aus, aber es gibt bislang noch keine konkrete Intention“. © dpa

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, würde ein politisches Comeback Guttenbergs begrüßen. Auf die Frage, ob seine Rückkehr und erneute Kandidatur willkommen wäre, sagte Hasselfeldt der “Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitag): “Natürlich.“ Sie habe ihn im Übrigen “nicht so verstanden, dass er der CSU abspricht, noch eine Volkspartei zu sein“. Er habe vielmehr die Entwicklung der Volksparteien und ihres Einflusses insgesamt kritisch dargestellt.

Der 39-Jährige hatte in einem Interview der Wochenzeitung “Die Zeit“ gesagt, die CSU sei wie alle anderen Parteien “von einer Infektion befallen“. Sie als Volkspartei zu bezeichnen, wirke auf ihn “wie die Verhöhnung früherer Träume“. CSU-Chef Horst Seehofer hatte sich verärgert über zu Guttenbergs Kritik gezeigt.

dapd/dpa

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