Trauer um CSU-Politiker

Früherer Innenminister Merk gestorben

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Der frühere Innenminister Bruno Merk ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Ministerpräsident Horst Seehofer erklärte am Mittwoch, er habe die Nachricht vom Tod seines früheren schwäbischen Parteifreunds mit großer Trauer aufgenommen.

München - Er war Widersacher von Franz Josef Strauß und Architekt der Gebietsreform. Doch zur tragischen Figur wurde Innenminister Bruno Merk bei dem Münchner Olympia-Blutbad 1972. Nun ist er gestorben.

Beim Olympia-Attentat 1972 stand er wie nur wenige Verantwortliche im Mittelpunkt des Geschehens. Die Welt schaute damals auf München und Bruno Merk war nicht nur Mitglied des Krisenstabes, er war als bayerischer Innenminister auch Chef der Polizisten, die das Blutbad nicht verhindern konnten - 17 Menschen starben. Am Mittwoch ist der frühere CSU-Politiker wenige Wochen vor seinem 91. Geburtstag in Günzburg gestorben.

„Mit 90 ist man froh, wenn man keine Verantwortung mehr tragen muss“, sagte er vor einem Jahr. Wer Merks Vita kennt, denkt bei diesem Satz an den Anschlag auf die israelische Olympia-Mannschaft vor mehr als vier Jahrzehnten. Damals starben elf Sportler, ein Polizist und fünf Terroristen. Die geplante Befreiung durch Merks Beamte auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck endete in der Katastrophe.

Die israelische Regierung hatte der Bundesregierung Hilfe bei der Geiselbefreiung angeboten, doch die deutsche Seite lehnte ab. Die bayerische Polizei versuchte es allein, obwohl es damals noch keine Spezialeinsatzkräfte gab, die auf solche Situationen vorbereitet waren.

Es war Merk, der dann die bittere Nachricht verkünden musste, die weltweit über die Fernsehschirme flimmerte. Die Erinnerung an den Anschlag habe ihn nie losgelassen, sagte Merk. „So etwas kann man nicht einfach runterschlucken. Ich lebe damit.“ Fehler in seinem Verhalten könne er rückblickend nicht erkennen. „Ich bin überzeugt, dass wir das uns Mögliche getan haben.“

Das Attentat überschattete Zeit seines Lebens seine politischen Leistungen als Innenminister von 1966 bis 1977. Merk war kein Politiker, der Konflikte weiträumig umschiffte. Er war der Architekt der Landkreis- und Gemeindegebietsreform in Bayern, die er gegen heftigsten Widerstand auch von Parteifreunden durchsetzte. „Das war eine strapaziöse Aufgabe“, erinnerte er sich. Die Folge sei ein Hörsturz gewesen. „Den konnte ich nicht auskurieren, wegen der Vorbereitungen für Olympia.“

Auch die Verstaatlichung der früher kommunalen Polizei und der Aufbau eines flächendeckenden Rettungsdiensts gingen auf sein Konto. Merk galt damals als liberaler CSU-Mann, der Auseinandersetzungen mit Parteichef Franz Josef Strauß nicht aus dem Weg ging.

Ministerpräsident Horst Seehofer würdigte den früheren Parteifreund am Mittwoch: Mit der Gebietsreform der 1970er Jahre habe Merk ein Jahrhundertwerk vollbracht und mit seiner Staats- und Verwaltungsreform den Freistaat auf Jahrzehnte geprägt. „Bayern verneigt sich vor einem herausragenden Architekten des heutigen Freistaats und einem Mann mit Standpunkt, Herz und Standvermögen.“ Damit zollte der CSU-Chef einem Mann Respekt, der mit seiner Politik nicht einverstanden war.

Den Standpunkt bewahrte Merk sich bis zum Schluss: Er trat schließlich aus der CSU aus, weil ihm die Wandlung der Partei unter Seehofer missfiel - vor allem den Atomausstieg hielt er für Unfug. „Mir gefällt schon lange nicht mehr alles, was geschieht und wie es geschieht“, sagte er vor einem Jahr. Den Atomausstieg könne er mit seinem Verstand und seinen Erfahrungen nicht vereinbaren. „Ohne Kernenergie wäre Bayern heute nicht das, was es ist.“

Merk versuchte, sich durch Bewegung fit zu halten. Er fühle sich recht fit, wenn auch nicht mehr so fit wie vor fünf Jahren, sagte er mit 90 Jahren. „Bis 85 habe ich von Alter gar nichts gewusst - jetzt bekommt man mit jedem neuen Jahr zu spüren, dass man nicht mehr so frisch ist.“

Respekt zollten dem früheren Innenminister auch SPD und Freie Wähler. „Merks Staats- und Verwaltungsreform hat Bayern zukunftsfähig gemacht, dafür gebührt ihm hohe Anerkennung“, sagte Harald Güller, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD. „Wir danken ihm für seine Arbeit für den Freistaat Bayern und sprechen der Familie unsere tiefe Anteilnahme aus“, erklärte Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger.

dpa

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