Sturm auf Botschaft: Konflikt zwischen Iran und England

+
Iranische Studenten haben die britische Botschaft in Teheran gestürmt.

Teheran - Das ohnehin belastete Verhältnis zwischen Großbritannien und Iran wird zum offenen Konflikt. Iranische Demonstranten stürmen die britische Botschaft, Diplomaten fliehen durch den Hinterausgang.

Die Bilder könnten symbolträchtiger kaum sein: Es brennt in der britischen Botschaft in Teheran. Eine Schar fanatischer Anhänger des Mullah-Regimes bricht sich Bahn, sie zünden die britische Flagge, den Union Jack, an und schwenken triumphierend Bilder von Queen Elizabeth II. Diplomaten fürchten um ihr Leben, müssen durch die Hintertür fliehen. Staatliche iranische Medien berichten zunächst irreführend sogar von “Geiselnahmen“. Der lange schwelende Konflikt zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Gottesstaat am Golf hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

Großbritannien steht in der Garde der Iran-Kritiker in der ersten Reihe - und auch in der Reihe der Lieblingsfeinde Teherans neben den USA und Israel ganz vorne. Die Demonstranten hatten sich vor der Botschaft im Stadtzentrum Teherans versammelt, weil sie gegen die Ermordung eines iranischen Atomexperten protestieren wollten. Für den Tod des Wissenschaftlers machen sie Großbritannien verantwortlich - im Einklang mit den USA und Israel. Die Demonstranten hätten aus der Botschaft Papiere gestohlen, von denen sie sich Aufschluss über das Attentat erhoffen, berichtete die staatliche Agentur IRNA.

Studenten stürmen britische Botschaft im Iran

Studenten stürmen britische Botschaft im Iran

Erst vor einer Woche hat Großbritannien die Sanktionen gegen Iran verschärft. Jetzt stürmen iranische Studenten die britische Botschaft in Teheran. Sie entfernen die britische Flagge und dringen in Büros ein. © dpa
Erst vor einer Woche hat Großbritannien die Sanktionen gegen Iran verschärft. Jetzt stürmen iranische Studenten die britische Botschaft in Teheran. Sie entfernen die britische Flagge und dringen in Büros ein. © dpa
Erst vor einer Woche hat Großbritannien die Sanktionen gegen Iran verschärft. Jetzt stürmen iranische Studenten die britische Botschaft in Teheran. Sie entfernen die britische Flagge und dringen in Büros ein. © dpa
Erst vor einer Woche hat Großbritannien die Sanktionen gegen Iran verschärft. Jetzt stürmen iranische Studenten die britische Botschaft in Teheran. Sie entfernen die britische Flagge und dringen in Büros ein. © dpa
Erst vor einer Woche hat Großbritannien die Sanktionen gegen Iran verschärft. Jetzt stürmen iranische Studenten die britische Botschaft in Teheran. Sie entfernen die britische Flagge und dringen in Büros ein. © dpa
Erst vor einer Woche hat Großbritannien die Sanktionen gegen Iran verschärft. Jetzt stürmen iranische Studenten die britische Botschaft in Teheran. Sie entfernen die britische Flagge und dringen in Büros ein. © dpa
Erst vor einer Woche hat Großbritannien die Sanktionen gegen Iran verschärft. Jetzt stürmen iranische Studenten die britische Botschaft in Teheran. Sie entfernen die britische Flagge und dringen in Büros ein. © dpa
Erst vor einer Woche hat Großbritannien die Sanktionen gegen Iran verschärft. Jetzt stürmen iranische Studenten die britische Botschaft in Teheran. Sie entfernen die britische Flagge und dringen in Büros ein. © dpa
Erst vor einer Woche hat Großbritannien die Sanktionen gegen Iran verschärft. Jetzt stürmen iranische Studenten die britische Botschaft in Teheran. Sie entfernen die britische Flagge und dringen in Büros ein. © dpa

Bei der Suche nach den Verantwortlichen für zwei Attacken mit den Computerviren Stuxnet und Stars, die im vergangenen Jahr sowie im April unter anderem iranische Uranzentrifugen lahmlegten, werden die drei Länder ebenfalls genannt. “Die Feinde des Iran führen einen Cyber-Krieg gegen unser Land“, sagte Gholamresa Dschalili von der Zivilverteidigungsbehörde im April. Die Feindschaft reicht aber noch länger zurück. Dass die Queen den Schriftsteller und Koran-Kritiker Salman Rushdie (“Die satanischen Verse“) - von Ajatollah Khomeini per Fatwa gesucht - 2007 zum Ritter schlug, ist in Teheran bis heute nicht vergessen.

Gemeinsam mit den USA und Kanada beschloss London in der vergangenen Woche, Sanktionen gegen den Iran zu verhängen. Die Entscheidung kam unmittelbar nachdem die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien ihren neuesten Iran-Bericht vorgestellt hatte. Der Vorwurf lautet: Die Führung in Teheran hat zumindest bis 2010 an der Entwicklung von Atomwaffen arbeiten lassen.

Die Briten schnitten als ihren Teil der neuen Sanktionen den iranischen Banken den Geldverkehr ab. Auf diese Weise soll der Geldfluss, der für das Atomprogramm dringend nötig ist, ausgetrocknet werden. War diese Maßnahme, für die auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle Sympathien hegt, so wirksam, dass sie die Gewalt in Teheran hervorrief? Jedenfalls hat sie die Machthaber in Teheran massiv geärgert. Am Montag stimmte der einflussreiche Wächterrat einem Parlamentsentwurf zu, den britischen Botschafter Dominick Chillcott aus dem Iran auszuweisen.

Das iranische Waffenarsenal

Das iranische Waffenarsenal

Das iranische Waffenarsenal
Präsident Ahmadinedschad hat am Sonntag den Auftrag für die Produktion von hochangereichertem Uran erteilt - eine Geste der Provokation nach den Signalen des Einlenkens vor der Münchner Sicherheitskonferenz. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Der Iran unterhält mit mehr als 520 000 Mann die größte Streitmacht im Nahen Osten. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Noch bedrohlicher erscheint den Nachbarn und den Westmächten das abgeschirmte Nuklearprogramm des Landes. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Der Westen befürchtet, dass das Mullah-Regime in den Besitz von Atomwaffen gelangen will. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Raketen, die solche Massenvernichtungswaffen wohl transportieren könnten, hat der Iran bereits. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Im Arsenal sind mehrere hundert Geschosse der Typen Schahal 1 und 2, die bis zu 330 und 700 Kilometer weit reichen. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Mit den mehrstufigen Raketen Schahab 5 und 6 (auf dem Bild eine Shahab 3) könnten die Iraner sogar Städte in Mitteleuropa angreifen. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Für den Bau einer einsatzfähigen Interkontinentalrakete benötigt der Iran jedoch noch zehn bis 15 Jahre, vermuten westliche Experten. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Ausgangsbasis für die Herstellung von Atomwaffen ist hoch angereichertes Uran, das iranische Wissenschaftler in den Nuklearfabriken Natans und Ghom herstellen. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Der Westen bezweifelt, dass das Atomprogramm wie behauptet nur friedlichen Zwecken dient. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Der UN-Sicherheitsrat hat 2006 erstmals den Stopp der Urananreicherung verlangt - ohne Erfolg, trotz späterer Sanktionen. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat US-Senator Joseph Lieberman jetzt mit einem Militärschlag gegen den Iran gedroht, wenn Wirtschaftssanktionen nicht wirken sollten. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Westliche Geheimdienste vermuten, dass der Iran bald genügend Material für eine Bombe haben könnte. Sie rätseln aber, wann ein funktionsfähiger Sprengkopf zur Verfügung steht. © dpa

London reagierte seinerseits vergrätzt. “Dieser nicht gerechtfertigte Schritt wird dem Regime nicht helfen, seiner wachsenden Isolation oder internationalen Bedenken gegen sein Atomprogramm und seine Menschenrechtspolitik zu begegnen“, schallte es aus der Downing Street. Inzwischen hat der Streit das Potenzial für eine ernste Krise. Die westlichen Verbündeten der Briten wie die USA, Frankreich, Italien und Deutschland beeilten sich am Freitag, sich hinter London zu stellen. Überall wurden die Übergriffe scharf verurteilt.

Im Iran stellen Präsident Mahmud Ahmadinedschad und die Mullahs hinter ihm auf stur. Eine Atombombe wolle der Iran natürlich nicht bauen. Schließlich habe man ja den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben - ganz im Gegensatz zu Israel. Und der erlaube ausdrücklich die friedliche Nutzung der Kernenergie. Ob die anti-britischen Randalierer in Teheran von dieser These tatsächlich überzeugt sind? Oder ist die Regierung an der Gewalt sogar beteiligt, wie einige Beobachter vermuten?

Angeblich wurden in der Menge dieselben Schläger gesichtet, die 2009 schon bei der Niederschlagung von Protesten gegen die Wiederwahl Ahmadinedschads auf Videobildern zu erkennen waren. Offiziell verurteilte Teheran noch am Dienstag die Übergriffe und steht zu seiner Pflicht, ausländische Diplomaten zu schützen.

Von Farshid Motahari und Michael Donhauser

Kommentare