Massenhinrichtung im Irak: Militär dementiert

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Irakische Soldaten und schiitische Freiweillige im Kampf mit Anhängern des IS. Nun haben die Fanatiker 185 gefangene Soldaten getötet. Foto: EPA / Archiv

Das Militär in Bagdad dementiert, dass die Terrormiliz IS 185 seiner Soldaten hingerichtet hätte. Den Tod eines Divisionskommandeurs bestätigt es. Selbstmordanschlag oder Fall einer kompletten Militärbasis - in der Unruhe-Provinz Anbar hat die Armee einen schweren Stand.

Bagdad (dpa) - Im Irak sind Nachrichten über die angebliche Massenhinrichtung von über 180 Offizieren und Soldaten der Armee widersprüchlich kommentiert worden.

Ein Sprecher des Militärkommandos in Bagdad dementierte Berichte, wonach Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine Militärbasis am Tharthar-See nördlich von Ramadi erobert und die stationierten Soldaten nach ihrer Gefangennahme erschossen hätten. Dies hatten tags zuvor Sicherheitskreise in der Provinz Anbar berichtet.

"Die Nachricht stimmt nicht", sagte General Saad Maan der Webseite "iraqinews.com". Bei einem Selbstmordanschlag von Dschihadisten vor dem Eingang der Militärbasis seien lediglich 13 Soldaten getötet worden, erklärte er. Unter den Opfern sei der Kommandeur der Ersten Division der irakischen Streitkräfte, General Hassan Abbas Tufan, gewesen, bestätigte er.

Sicherheitskreise in Anbar hatten zuvor von der angeblichen Einnahme der Basis am Tharthar-See durch IS-Kämpfer gesprochen, nachdem den Verteidigern die Munition ausgegangen sei. Dieser Darstellung zufolge wurden 140 Soldaten und Offiziere an Ort und Stelle erschossen. Weitere 45 Männer seien nach Falludscha gebracht und dort umgebracht worden.

Die Stadt 70 Kilometer westlich von Bagdad ist eine Hochburg des IS in der westlichen Provinz Anbar. Von unabhängiger Seite ließ sich keine der Versionen bestätigen.

Die Tötung eines Divisionskommandeurs wirft nach Meinung von Beobachtern - unabhängig davon, ob die komplette Militärbasis in die Hände des IS fiel oder nicht - ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten, mit denen die irakischen Streitkräfte bei ihren Aktionen in Anbar zu kämpfen haben.

Ein Gutteil der Provinz wird von der Miliz IS beherrscht, die in großen Teilen des Iraks und Syriens ein Kalifat ausgerufen hat. Die Provinzhauptstadt Ramadi ist umkämpft. Die reguläre irakische Armee, die hauptsächlich aus Schiiten besteht, konnte bislang den Fall Ramadis verhindern. Im Umland scheint sie aber gegen die gut ausgerüsteten IS-Kämpfer taktisch unterlegen zu sein.

Bei zwei Bombenanschlägen in der Provinz Dijala wurden indes mindestens 18 Zivilisten getötet. Das, bestätigten Sicherheitskreise in der Provinzhauptstadt Bakuba 60 Kilometer nördlich von Bagdad. 28 weitere Menschen erlitten Verletzungen, als am Sonntag Sprengsätze in Bakuba und in der Kleinstadt Muktadija explodierten. Dijala ist gemischt bevölkert und häufiger Schauplatz von Anschlägen sowie von Zusammenstößen sunnitischer Milizen mit den Sicherheitskräften.

Drei Selbstmordattentäter aus Belgien, Frankreich und dem Senegal griffen am Samstag den Übergang Trebil an der Grenze zu Jordanien an. Dabei seien mindestens vier irakische Grenzwächter getötet und sechs weitere verletzt worden, berichtete Al-Sumeria News. Jordanien erließ in der Folge ein Verbot für Frächter und Taxi-Unternehmen, den einzigen Grenzübergang zwischen dem haschemitischen Königreich und dem Irak zu benutzen.

Dementi bei iraqinews.com Engl.

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