Am Montag veröffentlicht

IS-Anführer al-Bagdadi spricht nach fünf Jahren in Video und droht dem Westen

+
Abu Bakr al-Bagdadi hat in einem Video gesprochen (Archivbild).

Erstmals nach fünf Jahren ist ein Video von Abu Bakr al-Bagdadi aufgetaucht. Darin spricht der IS-Anführer über die Gefechte in Syrien.

Erstmals seit fünf Jahren ist der IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi wieder in einem Propaganda-Video erschienen. In dem am Montag von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) veröffentlichten Video bezieht sich al-Bagdadi auf das Ende der Gefechte um die IS-Bastion Baghus im Osten Syriens im März.

Unklar ist, wann das Video aufgenommen wurde. Al-Bagdadi spricht darin jedoch von den monatelangen Kämpfen um Baghus, dem letzten Rückzugsort der Dschihadistenmiliz in Syrien, der im März fiel. "Der Kampf um Baghus ist vorbei", sagt al-Bagdadi. Das Video zeigt den IS-Anführer mit gekreuzten Beinen auf einem Kissen. Er spricht zu drei Männern, deren Gesichter unkenntlich gemacht wurden.

IS: Bagdadi droht dem Westen

In der mehr als 18 Minuten langen Aufnahme droht Al-Bagdadi dem Westen und seinen Verbündeten damit, der IS werde seinen Kampf gegen die „Ungläubigen“ fortsetzen. Die Terrorangriffe von Sri Lanka mit mehr als 250 Toten bezeichnete er als Vergeltung für die Zerstörung des vom IS ausgerufenen Kalifats in Syrien und im Irak: „Das ist Teil der Rache, die die Kreuzfahrer erwartet.“

Zunächst war unklar, wann genau und wo das Video des IS-Medienarms Al-Furkan aufgezeichnet wurde. Al-Bagdadi erwähnt aber aktuelle Ereignisse der vergangenen Wochen. Anhänger des IS verbreiteten es am Montagabend über die üblichen Kanäle der Dschihadisten im Internet. In dem Teil über Sri Lanka ist nur Al-Bagdadis Stimme zu hören, er selbst aber nicht zu sehen. Das könnte dafür sprechen, dass dieser erst nach der eigentlichen Videoaufnahme hinzugefügt wurde.

IS: Bisher letzter Auftritt von al-Bagdadi war 2014

Der einzige bekannte öffentliche Auftritt des 47-Jährigen war Anfang Juli 2014 im nordirakischen Mossul, bei dem er alle Muslime zum Gehorsam gegenüber dem IS-Kalifat aufgerufen hatte.

Seitdem veröffentlichte seine Gruppe in unregelmäßigen Abständen Audiobotschaften, die von al-Bagdadi stammen sollen. Doch wurde der Iraker, der an Diabetes leidet, nicht wieder in der Öffentlichkeit gesehen. Mehrfach wurde er bereits für tot erklärt, mindestens einmal wurde er verletzt.

Nach erbittert geführten Kämpfen hatte ein von den USA unterstütztes kurdisch-arabisches Bündnis am 23. März den Ort Baghus nahe der irakischen Grenze erobert. Die Dschihadisten kontrollieren aber noch einige unbewohnte Gebiete in der Badia-Wüste und verüben auch immer noch Anschläge.

IS: Al-Bagdadi nennt Sri-Lanka-Attacken Rache für Baghus

Die Angriffe von Sri Lanka seien Rache für Baghus, sagte Al-Bagdadi in dem neuen Video. Sie hätten die Herzen der Muslime erfreut. Der IS hatte die Anschläge mit mehr als 250 Toten in der vergangenen Woche für sich reklamiert.

Dem als „Kreuzfahrer“ bezeichneten Westen drohte al-Bagadadi mit einem „Abnutzungskrieg“ und erklärte weiter: „Sie müssen wissen, dass der Dschihad bis zum Tag des Jüngsten Gerichts weitergeht.“ Die Standfestigkeit der IS-Anhänger etwa in der Schlacht um Baghus habe gezeigt, dass diese im Kampf den längeren Arm hätten. Er erwähnt auch den Sieg des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bei der Wahl Anfang April sowie den Sturz der langährigen Machthaber Abdelaziz Bouteflika in Algerien sowie Omar al-Baschir im Sudan.

In dem neuen Video sieht er im Vergleich zur Aufnahme aus dem Jahr 2014 deutlich gealtert aus. Er trägt einen langen grau-rötlichen Bart. Verletzungen sind ihm aber äußerlich nicht anzusehen. In Medienberichten hieß es, er sei unter anderem an Diabetes erkrankt.

IS: Kopfgeld von 25 Millionen Dollar für Al-Bagdadi

Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 22 Millionen Euro) ist Al-Bagdadi einer der meist gesuchten Terroristen der Welt. Der Anti-IS-Koalition liegen nach eigenen Angaben keine Informationen über den Aufenthaltsort des IS-Chefs vor.

Schon seit langem wird gerätselt, wo sich der 47 Jahre alte IS-Chef aufhält. In der Vergangenheit hatte es mehrfach Meldungen gegeben, er sei bei Angriffen getötet oder verletzt worden. So meldete Moskau vor knapp zwei Jahren, er sei in der damaligen syrischen IS-Hochburg Al-Rakka bei einem russischen Luftangriff ums Leben gekommen. Dafür gab es aber nie Belege.

2019 nimmt Deutschland erstmals die Kinder deutscher IS-Anhänger aus Syrien auf. 

afp

Zurück zur Übersicht: Politik

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT