Kardinal Meisner legt Wulff den Rücktritt nahe

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Kardinal Joachim Meisner.

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff bekommt angesichts anhaltender Vorwürfe immer mehr Zuspruch aus der schwarz-gelben Koalition. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner legte Wulff dagegen indirekt den Rücktritt nahe.

 Nach Kanzlerin Angela Merkel nahm auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière das Staatsoberhaupt in Schutz. “Ich habe volles Vertrauen zu diesem Bundespräsidenten“, sagte der CDU-Politiker der “Berliner Zeitung“ (Mittwoch). Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte ein Ende der Debatte. FDP-Generalsekretär Patrick Döring bezeichnete die jüngsten Vorwürfe wegen einer privat finanzierten Anzeigenkampagne für ein Wulff-Buch als haltlos.

Geerkens bei Verhandlungen über Wulff-Kredit dabei

Wulff steht seit einer Woche wegen seiner Beziehungen zu vermögenden Unternehmern in der Kritik. Umstritten ist vor allem ein 500 000-Euro-Kredit, den er 2008 in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident von der Unternehmergattin Edith Geerkens bekommen hatte. Zuletzt war bekanntgeworden, dass der Unternehmer Carsten Maschmeyer 2007 mitten im niedersächsischen Landtagswahlkampf eine Anzeigenkampagne für ein Buch bezahlt hatte, in dem Wulff sein Leben schildert. Dieser soll aber von den Zahlungen nichts gewusst haben.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr bestätigte inzwischen, dass der Unternehmer Egon Geerkens seinerzeit an den Verhandlungen rund um den Kredit beteiligt war, bekräftigte aber, dass dessen Ehefrau die Kreditgeberin war. “Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt“, zitiert “Die Welt“ (Mittwoch) aus einer Stellungnahme des Anwalts. Wulff hatte sich bislang nicht zu der Frage geäußert, inwieweit Egon Geerkens in die Verhandlungen eingebunden war.

De Maizière wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern, lobte aber ausdrücklich die Amtsführung des Bundespräsidenten. “Christian Wulff übt sein Amt hervorragend aus“, sagte er. Die Debatte über das Privatdarlehen Wulffs sei legitim. Er werde sich daran aber nicht beteiligen. “Ich bin kein Richter über einen Bundespräsidenten, der gute Arbeit macht. Das ist für den Umgang zwischen Verfassungsorganen der richtige Stil.“ Zudem gebe es in diesem Fall ja keine handfesten Vorwürfe. “Es handelt sich eher um Stilfragen. Und da hat die Debatte etwas Pharisäerhaftes: Man sitzt in der Galerie und senkt oder hebt den Daumen.“

Aigner verlangte ein Ende der Diskussion. Wulff habe alles offengelegt und für Transparenz gesorgt. “Das ist das Wichtigste“, sagte die CSU-Politikerin der “Rheinischen Post“ (Mittwoch). FDP-Generalsekretär Döring zeigte sich erstaunt über die Kritik an der privat finanzierten Werbung für das Wulff-Buch. “Nach der jetzigen Faktenlage kann ich nicht sehen, wie die Person von Christian Wulff durch dieses Geschäft des Verlages belastet sein könnte“, sagte Döring derselben Zeitung.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner legte Wulff dagegen indirekt den Rücktritt nahe. Im WDR-Fernsehen sagte Meisner am Dienstagabend, wenn er selbst in einer vergleichbaren Lage wäre, “dann müsste ich meinen Hirtenstab abgeben, dann müsste ich resignieren“. An Wulffs Stelle würde er nun erklären: “Ich bin ein armer Sünder, habe versagt.“ Meisner fügte jedoch hinzu, er könne nicht beurteilen, ob die Vorwürfe gegen Wulff stimmen.

Bei den Bürgern hat Wulff inzwischen an Glaubwürdigkeit eingebüßt, wie eine Umfrage des Demoskopie-Instituts YouGov für die “Bild“- Zeitung (Mittwoch) zeigt. Demnach sagen 56 Prozent der Befragten, Wulff habe “stark“ an Glaubwürdigkeit verloren. Dagegen sagen 27 Prozent, er habe “kaum“ an Glaubwürdigkeit verloren, während 17 Prozent meinen, er habe “überhaupt nicht“ an Glaubwürdigkeit verloren. YouGov befragte vom 19. bis 20. Dezember insgesamt 1027 Personen.

dpa

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