AKW Krümmel droht das vorzeitige Aus

Das AKW Krümmel könnte möglicherweise nie wieder ans Netz gehen.
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Das AKW Krümmel könnte möglicherweise nie wieder ans Netz gehen.

Berlin - Mangelnde Zuverlässigkeit: Nach einer Pannenserie droht dem Atomkraftwerk Krümmel in Geesthacht (Schleswig-Holstein) nach 26 Jahren das vorzeitige Aus.

Dem Betreiber und Energiekonzern Vattenfall Europe könne gegebenenfalls mangels Zuverlässigkeit die Betriebserlaubnis entzogen werden. Der für die Krümmel-Aufsicht zuständige Kieler Umweltminister Christian von Boetticher ( CDU ) schloss einen solchen Schritt nicht aus. Die entsprechenden Prüfungen dauerten aber noch an, sagte er.

Unter Druck gerät Vattenfall auch von den übrigen drei großen Stromkonzernen. E.ON , RWE und EnBW forderten Vattenfall nach

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Gabriel wegen AKW-Problemen sehr beunruhigt

einem Bericht des “Handelsblatts“ (Mittwoch) auf, die Informations-Politik zu verbessern, um die von Union und FDP für den Fall eines schwarz- gelben Wahlsieges angekündigte Verlängerung von Atomkraftwerks- Laufzeiten nicht zu gefährden. Nach einem Trafo-Unfall im Jahr 2007 und einem zweijährigen Stillstand war der Reaktor Krümmel im Juni wieder in Betrieb genommen worden. Kurz darauf musste er aber wieder abgeschaltet werden. Innerhalb von nur zwei Wochen war es zu drei Störfällen gekommen.

Ein mit Unzuverlässigkeit eines Betreibers begründetes Ende von Krümmel wäre nach Expertenangaben ein Novum in der gut 35-jährigen Atommeiler-Geschichte Deutschlands. Ein Entzug der Betreiber- Genehmigung müsste von dem für die Atomaufsicht zuständigen Landes- Umweltministerium rechtlich sorgfältig geprüft werden, betonte Gabriel in seinem Ausschuss-Bericht zur Klärung mehrerer Störungen und Abschaltungen seit 2007.

Seit dem Abschalten der Atomkraftwerke (AKW) Mülheim-Kärlich, Stade und Obrigheim sind noch 17 Meiler am Netz , von denen in den nächsten Jahren laut Gabriel die acht ältesten den Betrieb einstellen sollen - darunter Brunsbüttel (Vattenfall), Biblis A und B (RWE), Neckarwestheim I (EnBW) und Unterweser (E.ON).

Auch von Boetticher bemängelte die AKW-Sicherheitspolitik von Vattenfall. Er erklärte aber, für eine weitere Bewertung wolle er zunächst ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten über die Vorgänge im Reaktor abwarten. Damit rechne er nicht mehr vor der Bundestagswahl am 27. September. Die Grünen forderten erneut eine Sofortabschaltung und bezogen sich bei den von ihnen genannten Mängeln auf ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten. Die Grünen- Fraktionsvize im Bundestag , Bärbel Höhn , sagte: “De facto sind alle Mängel, die wir schon vor zwei Jahren hatten, wieder aufgetreten.“ Die Linke gab Gabriel die Mitschuld am Krümmel-“Desaster“.

Gabriel erklärte: “Es ist katastrophal, dass Vattenfall uns vor zwei Jahren zugesagt hat, sie würden das Sicherheitsmanagement verändern. Das ist nicht passiert.“ Es gebe eine Vielzahl von Hinweisen darauf, dass es bei dem Betreiber mit dem Sicherheitsmanagement nicht weit her sei. Die Ereignisse in Krümmel hätten zudem “noch einmal deutlich gemacht, dass sich die Atomaufsicht auch intensiv um nicht unmittelbare Sicherheitseinrichtungen kümmern muss“. Die Atomaufsicht müsse auch zuständig sein für wichtige Steuerungselemente außerhalb des Reaktorkerns wie die in Krümmel havarierten Transformatoren. “Ein Trafo-Kurzschluss kann sicherheitsrelevante Auswirkungen auf den Reaktor haben“, sagte er.

Im Ausschuss diskutiert wurde auch, solche Mängel wie den jüngsten Trafo-Ausfall oder den Trafo-Brand im Jahr 2007 in Krümmel mindestens in der internationalen Ines-Warnstufe 1 als Störfall zu verankern und nicht in der untersten Warnstufe 0 zu verharmlosen.

dpa

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