Alt-OB im Interview

„Habe ich in über 50 Jahren SPD-Mitgliedschaft nicht erlebt“: Ude poltert nach Wahl-Watschn

Landtagswahl Bayern 2018
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Christian Ude fordert Konsequenzen.

Bei der Landtagswahl muss die bayerische SPD ein niederschmetterndes Ergebnis verkraften. Münchens ehemaliger Oberbürgermeister analysiert die Schlappe.

München - Im Interview sucht Christian Ude nach Gründen für das historisch schlechte Resultat.


Unter zehn Prozent: Wie fühlt man sich heute als Sozialdemokrat? 

Ex-OB Christian Ude (70, SPD): Es ist ein niederschmetterndes Ergebnis, das jeden Rahmen normaler politischer Veränderungen übersteigt! Ich bin bestürzt, dass die schlimmsten Befürchtungen auch noch übertroffen wurden. 


Muss Natascha Kohnen jetzt zurücktreten? 

Ude: Das Allerwichtigste ist: Es darf kein „weiter so“ geben – das wäre eine aggressive Missachtung des Wählervotums. Man kann im freien Fall die Probleme nicht einfach aussitzen. Es muss alles auf den Prüfstand! Die Halbierung der SPD ist ein Prozess, der sofort abgebrochen werden muss, wenn die SPD die Chance, wieder eine Volkspartei zu werden, behalten möchte. 

„Ich will ja Plakate nicht überbewerten, aber...“

Wer ist für den Absturz hauptverantwortlich? 

Ude: Man kann das Debakel nicht auf eine Einzelperson allein schieben. Ich habe bei Natascha Kohnen allerdings schmerzlich ein Kompetenzteam vermisst, wie ich es 2013 noch hatte. Mit einem Professor Julian Nida-Rümelin, mit einer Inklusionspolitikerin wie Verena Bentele, mit einem fränkischen Sprachrohr wie Uli Maly. Außerdem: Ich will ja Plakate nicht überbewerten, aber in über 50 Jahren SPD-Mitgliedschaft habe ich keine derart politikfreien und inhaltsleeren Plakate angetroffen, wie sie die Bayern-SPD geboten hat. Die Ursachen für den Absturz sind sicherlich vielgestaltig. Manche davon habe ich vor zwei Jahren in einem Buch dargelegt. Die SPD hat sich von ihren eigenen Stammwählern abgewendet und deren Sorgen nicht ernst genommen. Leider hat man alles ignoriert, was kontrovers im Land diskutiert wird – und stattdessen das Lied von der sozialen Gerechtigkeit gesungen, das uns aber nach den realen Vorgängen in Deutschland in den letzten Jahren niemand abnimmt. 

Hat die Bayern-SPD überhaupt noch eine Zukunft? 

Ude: Die Möglichkeiten der Profilierung in der Opposition sind jedenfalls weitaus geringer als bisher. 

Haben Sie selbst irgendwo beim Wahlkampf geholfen? 

Ude: Ich habe in allen sieben Bezirken Bayerns Wahlkampf gemacht, aber immer nur auf Einladung der Parteibasis. Auf der Landesebene gab es keine Einladungen.

Wahlsonntag in München: Sensation bahnt sich an

Am Sonntag um 18 Uhr schlossen die Wahllokale in Bayern. Wie die Stadt München gewählt hat und alle Reaktionen und News dazu, berichten wir hier live im Ticker.

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