Kandidatenvorstellung Landtagswahl 2018: Stimmkreis Traunstein

24 Fragen an Sven Kriesche (ÖDP)

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Sven Kriesche, Direktkandidat der ÖDP im Stimmkreis Traunstein hat sich den Fragen von chiemgau24.de gestellt.

Traunstein/Bayern - In Bayern wird am Sonntag, 14. Oktober, ein neuer Landtag gewählt. Im Stimmkreis 130 Traunstein bewerben sich zehn Direktkandidaten für einen Sitz im bayerischen Landesparlament. Wir stellen die Kandidaten einzeln vor. Dieses Mal: Sven Kriesche (ÖDP)

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Die Antworten auf den Fragebogen von chiemgau24.de:

1. Name 

Sven Kriesche

2. Partei 

ÖDP

3. Alter 

55

4. Wohnort 

Siegsdorf

5. Familienstand 

Verheiratet

6. Kinder 

Zwei

7. Wie verlief Ihre politische Karriere?

Ich bin mit 16 der JU Bergen beigetreten und habe dort sechs Jahre mitgewirkt. Danach hat es mich beruflich in den Norden Deutschlands gezogen, sodass ich meine politische Karriere auf Eis gelegt habe. Letztes Jahr bin ich der ÖDP beigetreten, um wieder politisch aktiv zu werden. Sehr schnell wurde ich dann zum Direktkandidaten für den Landtag aufgestellt.

8. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Politische Vorbilder in diesem Sinne gibt es nicht, da mein Anliegen nicht ist, einen Stuhl möglichst lange breit zu sitzen, sondern etwas zu bewegen. 

Wenn es ein Vorbild gibt, dann ist es meine Frau, die mit unheimlicher Ruhe und sozialer Kompetenz unser Familienleben gemeistert hat und unsere Kinder zu dem gemacht hat, was sie heute sind. Ich glaube, ein bißchen mehr Erziehung würde unseren Politiker gut tun.

9. Was verbindet Sie mit der Region? Was ist das Besondere daran?

Obwohl ich nicht in Bayern geboren bin, ist es für mich Heimat. Ich bin beruflich sehr viel unterwegs und jedesmal, wenn ich den Bernauer Berg runter fahre und den Chiemsee sehe, geht mir das Herz auf. Dann bin ich gleich daheim.

10. Warum sind genau Sie der Richtige?

Weil es Zeit wird, dass jemand mit soviel Lebenserfahrung aus einem normalen Leben Politik mit gestaltet. Ich habe so viel auf und ab in meinem Leben mitgemacht, und damit viele Sachen erlebt, über die andere nur reden. 

Wer schon mal einen Hartz IV Antrag auf der Arbeitsagentur in den Händen hielt, weiß, wie beschissen man sich fühlt. Aber ich habe ihn nicht abgegeben, sondern gekämpft und das will ich jetzt wieder für eine bessere Zukunft.

11. Was sind Ihre wichtigsten politischen Ziele?

Wir müssen verstehen, dass die Wachstumspolitik in früheren Zeiten wichtig war, aber jetzt falsch ist. Aufgrund der entwickelten Technologien können wir jetzt deutlich mehr zerstören und tun es auch. Deswegen brauchen wir einen Wandel. 

Jetzt ist nicht mehr das Machbare sinnvoll, sondern wir sollten das Angemessene tun. Ich will eine veränderte Wirtschaftspolitik, in der wieder mehr Gerechtigkeit herrscht. Außerdem sollten wir wieder mehr auf den Nachbarn schauen und uns freuen, wenn wir helfen können, anstatt nur zu fragen, was wir dafür bekommen.

12. Was wollen Sie für die Menschen in der Region erreichen?

Ich möchte unsere wunderbare Natur erhalten und dafür sorgen, dass wir den jungen Menschen eine Perspektive geben, hier zu bleiben und die Region zu schätzen. Ich glaube, dass wir in unserer Region von der Natur priviligiert sind und das sollten wir uns bewahren.

13. Thema Verkehr: Ist der sechsspurige Ausbau der A8 dringend erforderlich, welche Alternativen sehen Sie?

Nein. Ich glaube nicht, dass wir alle Autobahnen zu Rennstrecken ausbauen sollten. Wir erhöhen damit auch die Kosten, indem wir zwei zusätzliche Spuren instandhalten und im Winter räumen müssen. Obwohl ich noch immer sehr viel, auch teilweise mit dem Auto fahren muß, bin ich dagegen und würde die Autobahnen sicherer machen (Standstreifen, sichere Autobahnauffahrten). 

Ich glaube und hoffe auch nicht, dass der steigende Individualverkehr die Zukunft ist. Wir müssen endlich sinnvolle Alternativen mit Bahn und weiteren Konzepten umsetzen.

14. Thema Wohnen: Wie wollen Sie bezahlbaren Wohnraum schaffen?

Bezahlbarer Wohnraum ist eine staatliche Angelegenheit. Die Privatwirtschaft kann das nicht umsetzen, da mit Luxuswohnungen mehr Geld verdient wird. Bloß weil in der Vergangenheit staatliche Wohnungsbaugesellschaften es nicht hingekriegt haben, heißt das nicht, dass es nicht geht.

15. Thema Landwirtschaft: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen dem Umweltschutz, Tourismus und der Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe?

Auch wenn die Bauern es nicht hören wollen, wir befinden uns in der Situation der landwirtschaftlichen Überproduktion, die zu Lasten des Umweltschutzes geht. Weniger ist hier mehr. 

Wir müssen in der Landwirtschaft von dem Irrglauben wegkommen, dass nur große Betriebe überleben können. Oft sind kleine Einheiten mit Direktvermarktung deutlich profitabler und stabiler. Auch der Tourismus will kleine Einheiten zum Anfassen. Wenn man es weiß, warum macht man es nicht?

16. Thema Ökologie: Auf welche Weise kann dem Flächenfraß in Bayern entgegenwirkt werden?

Der kommunale Flächenverbrauch durch das Gewerbe ist hier der Übeltäter. Warum darf jeder Supermarkt sein eingeschgößiges Gebäude auf die grüne Wiese stellen und rundherum mit Parkflächen den Boden versiegeln? Hier müßte die Kommune Auflagen geltend machen, dass Parkflächen in einer Tiefgarage zu bauen sind und durch ein zweites oder drittes Geschoß Gewerbe und Wohnraum entsteht. Setzen wir das um, erzielen wir schon einen Erfolg. 

Ich bin beruflich im Lebensmittelbereich sehr viel unterwegs und sehe den Blödsinn, zu viele Lebensmittelmärkte nebeneinander zu bauen. Nehmen wir als Beispiel Seebruck. Dort gibt es nur einen Markt, indem das soziale Dorfleben pulsiert und man sich trifft. Außerdem ist der Betreiber sehr zufrieden, da er Geld verdienen kann, was auch der Gemeinde zu Gute kommt.

Versiegeln wir weniger Flächen, stärken wir den Umweltschutz und erhalten unsere schöne Landschaft, was dem Tourismus zu Gute kommt. Die wollen nämlich lieder eine grüne Wiese als ein Gewerbegebiet sehen.

17. Thema Infrastruktur: Wie kann der Breitbandausbau noch stärker vorangetrieben werden? 

Das ist ein Thema der konkurrierenden Systeme. Lege ich Glasfaserkommunikationskabel, ist die Technologie vorhanden, aber sehr teuer und sehr langsam umzusetzen. Nutze ich mehr Funknetze, haben wir größeren Elektrosmog, können aber schneller und köstengünstiger zum Ziel kommen. Unserer Ansicht ist der Elektrosmog aber gefährlich und deswegen bleibt uns nur der schrittweise Ausbau des Telekommunikationsnetzes. Also ist die Frage eigentlich ganz einfach zu beantworten: mehr Geld - schnellerer Ausbau.

18. Thema Soziales: Die bayerischen Vereine stehen aufgrund der starken Regulierungen aktuell vor großen Hürden. Wie wollen Sie das Vereinsleben auch in Zukunft fördern?

Wir müssen mit diesem Regulierungswahnsinn aufhören. Die Datenschutzverordnung hatte grundsätzlich eine gute Grundidee, aber leider wurde die Ausführung vollkommen stümperhaft erarbeitet. 

Ich selbst habe eine Ausbildung als Datenschutzbeauftragter und sehe tagtäglich, welcher Blödsinn sich entwickelt. Glauben Sie mir, eine Gruppe 14-jähriger Datenfreaks hätte das besser hingekriegt als die EU. Wir haben viel zu viele Regulierungen und Gesetze und müßen hier dramatisch zurückdrehen und gesunden Menschenverstand akzeptieren.

19. Thema Migration: Wie stehen Sie zu der Asylpolitik von Markus Söder, wie kann zum Beispiel die Rückführung der abgelehnten Asylbewerber gelöst werden?

In gewisser Weise tut mir die bayrischer Staatsregierung und Markus Söder leid. Übertragen wir die Vorgehensweise auf das Bezahlen von Steuern: Sie sagen Ihren Bürgern: Du mußt Steuern zahlen. Dann erlassen sie Steuerbescheide und fordern das Geld aber nicht ein. Das machen Sie ein paar Jahre und jetzt plötzlich sagen Sie: "Jetzt will ich es haben." 

Dann schreien natürlich alle Steuerzahler erstmal auf und die meisten gehen vor Gericht und machen Gewohnheitsrecht und was weiß ich nicht noch alles, geltend. Das ist leider die Schwäche der deutschen Politik der letzten 30 Jahre. Wir machen Regeln, definieren aber sofort 25 Ausnahmen und machen das Ganze so kompliziert, dass es oft vor Gericht landet. Damit schaffen wir Ungerechtigkeit und bringen alle gegen uns auf.

Wir müssen jetzt die Spreu vom Weizen trennen. Leute, die heute schon bei uns sind und hier arbeiten wollen und sich sozial integrieren wollen, denen müssen wir die Möglichkeit geben, das zu tun. Leute, die uns bei der Einreise belogen haben und damit Gesetze gebrochen haben, müssen wieder ausgewiesen werden. 

Straftäter, die hier im Land straffällig geworden sind sowieso. Wenn ich Gast bin, dann habe ich auch die Pflicht mich als Gast zu benehmen. Das ist aber ein Grundsatz, den jeder überall respektieren sollte.

20. Thema Arbeit: Ist das bedingungslose Grundeinkommen der richtige Weg? Wie sähe die Alternative aus?

Wir tun so, als sei dieser Gedanke komplett neu. Wir leben ihn ja schon in Teilen. Wenn sie Deutscher sind und zu wenig Geld haben, dann kommt der Staat in engen Grenzen für ihr Leben auf. Nach der Arbeit gibt es eine hoffentlich ausreichende gesetzliche Rente. Also gibt es so etwas wie ein Grundeinkommen schon. 

Ich bin Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens, weil sich die Arbeitswelt dramatisch verändern wird. Wir schließen doch heute schon Versicherungen im Internet ab, buchen Reisen, kaufen ein und erledigen unsere Bankgeschäfte dort. Natürlich wird sich das weiterentwickeln und sehr viele Arbeitsplätze dadurch entfallen. Denken wir an die E-Mobilität. Sie fahren in Zukunft ein Auto, das keinen Ölwechsel mehr braucht und keine Wartungsintervalle mehr hat. Es werden massiv Werkstätten schließen.

Auf diese Veränderungen müssen wir uns einstellen. Sehen wir doch heute schon die massive Wertschöpfung, die Internetfirmen über den Verkauf von Apps generieren. Das hat nichts mehr mit der traditionellen Arbeit zu tun. Hier werden Millionen verdient von Firmen, die zum Teil nur aus zwei Mann bestehen. Das hat nichts mehr mit der klassischen Wirtschaft zu tun. Deswegen brauchen wir ein Grundeinkommen, das aber dann auch gut zu finanzieren ist, da die Firmen viel mehr Geld verdienen und mehr Steuern zahlen. Außerdem generieren wir dann nach meinem Modell (nachzulesen unter www.oedp-sk.info) mehr soziale Gerechtigkeit und weniger Abhängigkeit vom klassischen Export.

21. Thema Bildung: Wie wollen Sie die Bildungslandschaft im Freistaat stärken?

Wir haben leider ein veraltetes Bildungssystem, dass sich in den letzten 30 Jahren eher zum Nachteil verändert hat. Wir brauchen dringend eine Strukturreform, da unsere Kinder sonst mit einem großen Nachteil in ihr Berufsleben starten. Dazu muß das Kultusministerium aber auch genug Phantasie besitzen, was die Entwicklung der Arbeit anbelangt. 

Und vor allem müssen die Eltern geschult werden. Wenn sie heute in einen Kindergarten gehen und die Eltern die Kindergärtnerin anpflaumen, weil sie mit den Kindern einen Erkundungsgang zum See gemacht hat und dafür die Englischstunde ausfallen mußte, dann stimmt was gewaltig nicht. Wir müssen in dieser Bildungslandschaft die Kinder stärker fördern und begeistern und nicht sie permanent langweilen. Außerdem müssen wir es wieder schaffen, Lehrer zu Leitfiguren zu machen.

22. Thema Familie: Wie stehen Sie zu dem bayerischen Familiengeld; an welchen Stellen muss nachgebessert werden?

Familie muß sich lohnen. Auch deswegen muß ein bedingungsloses Grundeinkommen her, das alle diese Lebensphasen unterstützt. Man stelle sich vor, ich verarme nicht durch ein Kind, sondern es rechnet sich. 

Hört sich blöd an, wird aber unser soziales Leben komplett verändern. Kinder werden nicht mehr zu einem Armutsrisiko, sondern alle können sich darauf freuen, egal in welcher Einkommensschicht sie leben.

23. Thema Versorgung: Was halten Sie vom Landespflegegeld?

Wie zynisch ist es eigentlich, dass wir leidende Menschen in Pflegestufen einteilen und den, der soziale Nachteile und eine starke psychische und familiäre Drucksituation in Kauf nimmt, um einen nahestehenden Menschen zu pflegen, finanziell hängen lassen?

Natürlich müssen wir ihn unterstützen, sonst werden wir dem Wort "Sozialgesellschaft" nicht gerecht. Aber auch hier brauchen wir weniger zentrale Regelung als vernünftigen Menschenverstand vor Ort. Stellen Sie sich vor, jeder zu Pflegende hätte einen Paten als Arzt vor Ort, der festlegt, wie und in welcher Höhe die Pflege unterstützt wird? Das wäre sinnvoll, da Krankheiten selten linear und komplett vorhersehbar ablaufen.

24. Brauchen wir einen Regierungswechsel im Landtag

Mehr noch als einen Regierungswechsel, brauchen wir einen Gedankenwechsel. Auch bin ich für die zeitliche Begrenzung der politischen Laufbahn. Damit meine ich nicht nur, im Falle eines Amtes, sondern generell. Ähnlich wie Schöffen im Gericht, sollte ein Teil der Abgeordneten "aus dem normalen Leben" kommen.

Wir brauchen heute einen Regierungswechsel, der einen Gedankenwechsel auslöst. Die Zukunft wird sich in den nächsten 20 Jahren dramatisch verändern, deswegen müssen wir heute schon darauf reagieren und nicht am Alten festhalten, weil es ja eh gut gegangen ist. 

Wir müssen unser bayrisches Profil wieder schärfer rausarbeiten und das in sinnvollen Massnahmen umsetzen. Dabei sind aber die Programme wichtiger als die Personen. Was wir nicht gebrauchen können ist ein sinnloses und dummes Aufplustern, menschenverachtendes Gedankengut und Festhalten an Sesseln und Titeln. Es muß endlich wieder die Regierung von den Bürgern lernen und nicht denken, dass sie ein Selbstzweck ist.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten des Kandidaten/der Kandidatin wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

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