Kandidatenvorstellung Landtagswahl 2018: Stimmkreis Rosenheim-Ost

24 Fragen an Mary Fischer (Freie Wähler)

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Mary Fischer, Direktkandidatin der Freien Wähler im Stimmkreis Rosenheim-Ost hat sich den Fragen von rosenheim24.de gestellt.

Rosenheim/Bayern - In Bayern wird am Sonntag, 14. Oktober, ein neuer Landtag gewählt. Im Stimmkreis Rosenheim-Ost bewerben sich zwölf Direktkandidaten für einen Sitz im bayerischen Landesparlament. Wir stellen die Kandidaten einzeln vor. Dieses Mal: Mary Fischer (Freie Wähler).

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Die Antworten auf den Fragebogen von rosenheim24.de

1. Name 

Mary Fischer 

2. Partei 

Freie Wähler

3. Alter 

55 Jahre und voller Tatendrang

4. Wohnort 

Rimsting 

5. Familienstand 

Verheiratet, seit 35 Jahren 

6. Kinder 

Vier erwachsene Kinder 

7. Wie verlief Ihre politische Karriere? 

Videos:

Mein politisches Ehrenamt begann mit der Bildungspolitik und meinem Engagement als Elternbeirätin, zeitweise auch als Vorsitzende. Seit 2008 bin ich Gemeinderätin in Rimsting. 2012 gründete ich mit vielen tatkräftigen BürgerInnen eine erfolgreiche BI zur Abwendung einer Gasbohrung im ältesten Naturschutzgebiet Bayerns unter den Langbürgner See. Seit vier Jahren bin ich Sprecherin eines Arbeitskreises zur Verlangsamung der Verlandung im Schafwaschener Winkel am Chiemsee. Bei den Freien Wählern bekleide ich das Amt der Schatzmeisterin für die Bezirksvereinigung Oberbayern. 

8. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Martin Luther King wegen seines konsequent gewaltfreien Einsatzes zur Aufhebung der Rassentrennung in den USA. Sophie Scholl, die ihre Ideale nicht zuletzt auch aus religiöser Überzeugung und mit der Leidenschaft der Jugend vertrat bis in die allerletzte Konsequenz.

9. Was verbindet Sie mit der Region? Was ist das Besondere bei uns?

Im Chiemgau hat der liebe Gott gezeigt, was er vermag: hohe Berge, grüne Wälder, saftige Wiesen, guten Boden für ertragreiche Felder und ausreichend kostbares Wasser. Dazu noch Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt und einen ganz besonderen Menschenschlag – es gibt keinen schöneren Platz zum Leben!

10. Warum sind genau Sie die Richtige? 

Leistungsbereit, diszipliniert, teamfähig, tolerant und geeicht: Wer vier Kinder großgezogen hat, im Berufsleben (angestellt und selbständig) steht, ein Mandat ausübt und sich ehrenamtlich engagiert, der weiß, was in unserer Region läuft!

11. Was sind Ihre drei wichtigsten politischen Ziele ? 

- Der Chiemgau gehört landschaftlich zu den schönsten Regionen Bayerns. Ein behutsamer Umgang mit unserer Heimat, gerade im Hinblick auf die geplanten Infrastrukturmaßnahmen Autobahnausbau A8 und Brennernordzulauf ist für mich oberstes Prinzip. Hier sind noch längst nicht alle Mittel zur Verbesserung des Bestandes und Entlastung der Bevölkerung ausgeschöpft. Unter Zeitdruck sollten wir uns nicht setzen lassen. 

- Die Pflege braucht dringend eine komplette Neuausrichtung – mittlerweile sind alle Altersstufen vom Fachkräftemangel betroffen. Das Berufsprofil muss attraktiver gestaltet und aufgewertet werden. 

- Wohnen ist ein Grundbedürfnis und darf nicht zum Luxusgut werden. Bezahlbarer Wohnraum ist an erreichbare Arbeitsplätze gekoppelt – deswegen sind der attraktive Ausbau des ÖPNV zur Entlastung des Verkehrsaufkommens und ein Anschub beim kommunalen Wohnungsbau dringend notwendig.

12. Was wollen Sie für die Menschen in der Region erreichen?

Siehe Frage 11. Unter dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum leiden besonders auch unsere Studenten und Meisterschüler. Studentenwohnheime haben zu lange Wartefristen. Um in dieser Situation eine Entlastung herbeizuführen, plädiere ich für ein kostengünstiges, bayernweit und ohne Einschränkung der Tageszeit geltendes Semesterticket für Studenten, Meisterschüler und Lehrlinge.

13. Thema Infrastruktur: Wie stehen Sie zu den vorgestellten ersten Grobtrassenentwürfen zum Brenner- Nordzulauf, welche Probleme bleiben bestehen, welche kommen hinzu und welche Lösungen haben Sie?

Der Brennernordzulauf ist eine große Belastungsprobe für unsere Region – landschaftlich und gesellschaftlich! Was für das enge Inntal eine Entlastung am Verkehrsaufkommen bedeuten könnte, wird im Rosenheimer Raum zur Belastung wegen der Durchschneidung von Dörfern und wertvollem Naturraum. Auch der geologische Zustand des Untergrunds ist nicht geklärt – ich verweise auf die Schwierigkeiten mit dem Seeton beim Bau der Westtangente – ähnliche Probleme führten im Fall von Stuttgart 21 zu einer überdimensionalen Kostenexplosion. Des Weiteren ist der Südzulauf von Franzensfeste bis Verona noch gar nicht fertig geplant – hier sollen fast nur teure Tunnellösungen möglich sein – wird Italien das finanzieren? Für unsere BürgerInnen muss eine sofortige Entlastung an Verkehr und Lärm durch ein grenzübergreifendes Verkehrskonzept erfolgen.

Die Bestandgleise sind zu ertüchtigen, mit modernen Stellwerken und Lärmschutz zu versehen um die Transportkapazitäten auf der Schiene zu erhöhen. Sodann muss eine spürbare Verlagerung des Gütertransportes von der Straße auf die Schiene erfolgen. Solange der LKW-Transitverkehr durch billige Diesel- und Mautkosten am Brenner und unsoziale Arbeitsverträge für die LKW-Fahrer begünstigt wird, gibt es keinen Grund für einen Umstieg! Die Bahn wird ihren Trassenentwurf im Bundestag vorlegen, man wird den Kosten-Nutzen-Faktor und die Umweltverträglichkeit ermitteln. Das ist der einzige verbleibende Zeitpunkt, wo dieses Projekt noch verhindert werden kann. Umso wichtiger erachte ich es, dass jetzt die Bürger mit ihren Ortskenntnissen unbedingt am Planungsdialog teilnehmen, um für den Fall einer Realisierung das maximal beste Ergebnis für Mensch und Natur zu erreichen.

14. Thema Verkehr: Ist der sechsspurige Ausbau der A8 dringend erforderlich, welche Alternativen sehen Sie?

Verständlicherweise wünschen sich die Benutzer der Autobahn eine sichere und zügige Fahrt. Die A8 und ihre Brückenwerke sind in die Jahre gekommen und bedürfen dringend einer Renovierung und natürlich will man aufgrund der verkehrspolitischen Bedeutung diese Strecke 6sechsspurig mit zwei Standstreifen ausbauen. 

Aber auch hier liegt eine ähnliche Situation wie beim Brennernordzulauf vor: die Ausbaukapazitäten sind aufgrund der Nähe zum Chiemsee und den Bergen bzw. Orten sehr begrenzt – wertvolle Flächen werden unwiederbringlich verbaut und führen nur dazu, das Verkehrsaufkommen zu erhöhen. Deswegen befürworte ich einen 4 plus 2 Ausbau, ein sofortiges Tempolimit von 120 km/h ab dem Bernauer Berg würde jetzt schon für eine Lärmentlastung sorgen und das Unfallrisiko verringern. 

15. Thema Wohnen: Wie kann gerade in der Region bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden?

Der Staat stellt im Moment ausreichend Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung – es fehlt jedoch an verwertbaren Grundstücken. Liegenschaften der öffentlichen Hand sollten in einem Kataster erfasst werden, um den Kommunen oder kommunalen Wohnbaugesellschaften das Bauen zu ermöglichen. Leider sind auch bei uns viele Höfe und Gasthäuser aufgegeben worden, eine Nachnutzung mit Wohnungen ist steuerlich oder wegen der Bayerischen Bauordnung schwierig oder gar nicht möglich – das ließe sich aber leicht und schnell mit etwas gutem politischem Willen ändern! Auch die ENEV (EnergieEinsparVerordnung) muss auf ihre Praxistauglichkeit und Sinnhaftigkeit überprüft werden (Kostensteigerungen bei Neubauten von bis zu 30 Prozent)!

16. Thema Ökologie: Auf welche Weise kann dem Flächenfraß in Bayern entgegenwirkt werden?

Sinnvolle Nachverdichtung durch Erhöhung bestehender Wohngebäude ermöglichen und optimale Nutzung von gewerblichen Immobilien durch Tiefgaragen und Überbauung mit Mietwohnungen. Der Staat sollte die interkommunale Zusammenarbeit fördern, denn nicht jede Gemeinde verfügt über Gewerbe- oder Wohnflächen deswegen Partnerschaften „hier arbeiten – dort wohnen“ anstreben. 17. Thema Landwirtschaft: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen dem Umweltschutz, Tourismus und der Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe? Landwirte haben sich bereits ein zusätzliches Standbein im Tourismus aufgebaut. Unsere schöne Region ist unser aller touristisches Kapital, das wir gemeinsam schützen, pflegen und erhalten wollen. Gerade die Förderung der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe und trägt zur gesunden Ernährung bei. 

Die Freien Wähler halten an einer Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 mit dem Zwei-Säulen-Modell ohne Umschichtung! Die zweite Säule gilt gerade wegen ihrer Umweltprogramme und der gezielten Förderung im Bereich Landwirtschaft, Dorferneuerung, Entwicklung der Kulturlandschaft als zukunftsweisendes Modell, für neue Ziele müssen zusätzlich Haushaltsmittel bereitgestellt werden. 

Unsere Ziele für die Landwirtschaft:  Abbau der überzogenen Bürokratie – wir setzen da auf mehr Vertrauen anstatt ausufernder Bestimmungen. Verwaltung vereinfachen und Kontrollaufwand verringern 

- Generationenübrgang gestalten und ermöglichen – Altersversorgung ausbauen und in diesem Zusammenhang die Hofabgabeklausel streichen, Kindererziehungszeiten anrechnen

- Weiterentwicklung von Tierhaltungssystemen (Tierwohl!) und Bewirtschaftungsmethoden mit wissenschaftlicher Begleitung, unter Einbeziehung der praktischen Gesichtspunkte

18. Thema Soziales: Die bayerischen Vereine stehen aufgrund der starken Regulierungen aktuell vor großen Hürden. Wie wollen Sie das Vereinsleben auch in Zukunft fördern?

Vereinsvorstände geben ihre Ämter ab, weil sie der Vielzahl der Verordnungen und ihrer Einhaltung nicht gewachsen sind oder als Bevormundung empfinden. Deswegen müssen wir Vereine von überzogener Bürokratie befreien und Haftungsrisiken reduzieren, indem wir Anlaufstellen für Abwicklungsfragen in Landratsämtern für Vereine einführen. Außerdem sollten Vereine von der DSGVO ausgenommen sein.

19. Thema Migration: Wie stehen Sie zu der Asylpolitik von Markus Söder, wie kann zum Beispiel die Rückführung der abgelehnten Asylbewerber gelöst werden?

Rückkehr zu einem sachlichen Umgang mit allen Problemen der Migration, Bekenntnis zu Humanität und Menschenwürde, gefährliches Zündeln und Hetzen ist zu unterlassen! Konsequente und lückenlose Registrierung: Im Asylverfahren als auch beim Bezug von Sozialleistungen muss alles getan werden, um staatlichen Kontrollverlust zu verhindern. Außerdem brauchen wir ein Einwanderungsgesetz, im Allgemeinen um dringend benötigte Fachkräfte anzuwerben und im Speziellen um es integrierten Flüchtlingen zu ermöglichen, hier ihrer Arbeit nachzugehen und nicht um Verordnungen zu erfüllen, in ihr Herkunftsland zurückkehren zu müssen, um geregelt wieder einreisen zu können. 

Eine humane Rückführung kann nur in sichere Länder erfolgen, die als solche durch die EU eingestuft werden. Entsprechende Rückführungsabkommen sollen an die Bereitstellung von Hilfsprojekten und –geldern gekoppelt sein zur Bekämpfung der Fluchtursachen. 

20. Thema Arbeit: Ist das bedingungslose Grundeinkommen der richtige Weg? Wie sähe die Alternative aus?

Mit fortschreitender Digitalisierung wird sich die Berufswelt entscheidend verändern. In der Umbruchsphase werden viele althergediente Berufe wegfallen bzw. von Maschinen ersetzt werden, aber sich auch neue Erwerbstätigkeiten einstellen. Für diese Zeit lohnt es sich durchaus, über ein bedingungsloses Grundeinkommen zu diskutieren, um den sozialen Frieden in der Gesellschaft zu wahren. Das größte Problem sehe ich in der Finanzierung, ein Modellversuch in Finnland musste abgebrochen werden. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass jeder Mensch Struktur braucht, geregelte Arbeit Teil davon ist und gerecht entgolten werden muss.

21. Thema Bildung: Wie wollen Sie die Bildungslandschaft im Freistaat stärken?

Unsere Lehrer leisten weitaus mehr als es die Stellenbeschreibung vorgibt. Zusätzlich zu den Herausforderungen des Schulalltages ist gerade an Grund- und Mittelschulen durch Inklusion und Integration ein vielfaches Differenzieren notwendig geworden, um die einzelnen SchülerInnen besser zu fördern.

 Dieser Mehraufwand muss durch eine bessere Entlohnung honoriert oder zumindest durch Anrechnungsstunden aufgefangen werden. Wir halten am dreigliedrigen Schulsystem fest, freuen uns über die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums, wollen aber auch den Lebensbezug mit dem Fach „Alltagskompetenz“ stärken. Lebenslanges Lernen, Bildungsurlaub unterstützen wir ebenso wie den Erhalt des Meisterbriefes und fordern die Wiedereinführung des Diplomstudiums.

22. Thema Familie: Wie stehen Sie zu dem bayerischen Familiengeld; an welchen Stellen muss nachgebessert werden?

Nichts anderes als ein Wahlgeschenk! Wir erinnern uns an die berechtigte Kritik zu den ca. 350 Mio. Kindergeldzahlungen ins Ausland. Jetzt macht die CSU denselben Fehler nochmal: das bayerische Familiengeld muss auch an Familien im Ausland überwiesen werden, wenn ein Elternteil hier seinen Wohnsitz gemeldet hat – normalerweise in voller Höhe, nur in Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien und Ungarn gelten reduzierte Beiträge. Ob diese Kürzungen vor EU-Gerichten Bestand hat, wird sich erst zeigen. Zum jetzigen Zeitpunkt wird das Familiengeld auf HartzIV angerechnet, d.h. also, diejenigen, die es wirklich brauchen, werden nichts davon haben. Deshalb setzen wir uns für die kostenfreien KiTas ein, dann kommt das Geld den Eltern hierzulande zu Gute.

23. Thema Versorgung: Was halten Sie vom Landespflegegeld? Das kürzlich eingeführte Landespflegegeld in Höhe von 1.000 Euro ab Grad 2 ist schon Mal ein erster Schritt in die dringende Neuausrichtung der Pflege. Viel sinnvoller erachten wir Freie Wähler Investitionen in die Schaffung von Kurzzeitpflegeplätzen zur Entlastung pflegender Angehöriger, zum Bsp. bei Urlaub oder Krankheit.

24. Brauchen wir einen Regierungswechsel im Landtag? 

Ja, auf alle Fälle. Die FREIEN WÄHLER arbeiten nahe am Bürger. Damit das gelingt, wollen wir die Kommunen stärken, denn sie wissen am besten, was die BürgerInnen vor Ort brauchen und bewegt. So werden Steuergelder sinnvoll und effizient eingesetzt und nicht im Gießkannenprinzip ausgegossen. Gerade in unserer Region frage ich mich schon, was unsere Heimat den Politikern eigentlich wert ist, als dass sie so selbstverständlich großen Infrastrukturprojekten geopfert wird – sofern die entsprechenden Zahlen stimmen. Immer mehr Bürger müssen um ihre Lebensqualität kämpfen, gründen Bürgerinitiativen und Interessensgemeinschaft, setzen viel Zeit und auch Geld ein, obwohl sie gewählte Vertreter zum Wohle von Mensch und Natur in den Landtag entsandt haben. Die Zeiten, wo eine Volkspartei die Marschrichtung vorgab, sind vorbei – zusammen schaffen wir mehr!

Quelle: rosenheim24.de

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