Kandidatenvorstellung Landtagswahl 2018: Stimmkreis Rosenheim-West

24 Fragen an Dr. Olaf Konstantin Krueger (Piraten)

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Dr. Olaf Konstantin Krueger, Direktkandidat der Piraten im Stimmkreis Rosenheim-West hat sich den Fragen von rosenheim24.de gestellt.

Rosenheim/Bayern - In Bayern wird am Sonntag, 14. Oktober, ein neuer Landtag gewählt. Im Stimmkreis Rosenheim-West bewerben sich zwölf Direktkandidaten für einen Sitz im bayerischen Landesparlament. Wir stellen die Kandidaten einzeln vor. Dieses Mal: Dr. Olaf Konstantin Krueger (Piraten).

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Die Antworten auf den Fragebogen von rosenheim24.de

1. Name

Dr. Olaf Konstantin Krueger

2. Partei

Piratenpartei Deutschland, Kurzbezeichnung: PIRATEN

3. Alter

53 Jahre

4. Wohnort

Gemeinde Oberaudorf, Landkreis Rosenheim

5. Familienstand

Ledig

6. Kinder

Keine

7. Wie verlief Ihre politische Karriere?

Kurzfassung. Nebenberufliches Engagement für die Piratenpartei Deutschland seit 1/12 in drei Bereichen:

I. Parteiämter, aktuell: Themen-Beauftragter für Medienpolitik des Landesverbandes Bayern (LaVoBY) seit 6/13 (durchgehend und für den inzwischen sechsten Landesvorstand), Politischer Geschäftsführer (PolGF) des Bezirksverbandes Oberbayern (BzVOBB) seit 12/17 (dritte Wahl); PolGF des Kreisverbandes Rosenheim seit 12/17 (fünfte Wiederwahl in Folge). 

II. Funktionen bis zur Aufstellung als Direktkandidat der Piratenpartei Deutschland für den Stimmkreis 128 (Rosenheim-West) und Platz 2 der oberbayerischen Liste der Piratenpartei Deutschland zur Wahl des 18. Bayerischen Landtages (Urnengang: 14.10.2018): PolGF des BzVOBB 7/12 bis 1/14 (zwei Amtsperioden); PolGF des LaVoBY 10/13 bis 11/16 (drei Amtsperioden); Bundesbeauftragter zur Leitung der Servicegruppe Presse Bund 9/14 bis 6/15, anschließend Bundesbeauftragter für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (inkl. Strategie und Campaigning) der Piratenpartei Deutschland 6/15 bis 12/16. 

III. Bisherige Kandidaturen für öffentliche Ämter: Direktkandidat der Piratenpartei Deutschland für den Stimmkreis 127 (Rosenheim-West) und Platz 15 der oberbayerischen Bezirksliste der Piratenpartei Deutschland zur Wahl des 15. Bezirkstags von Oberbayern (Urnengang: 15.09.2013); Spitzenkandidat (PIRATEN) einer offenen Liste für die Wahl zum Gemeinderat Oberaudorf (Urnengang: 16.03.2014); Spitzenkandidat der Piratenpartei Deutschland für die Wahl zum Kreistag Rosenheim (Urnengang: 16.03.2014); Direktkandidat der Piratenpartei Deutschland für den Wahlkreis 222 (Rosenheim) und Platz 2 der bayerischen Landesliste der Piratenpartei Deutschland zur Wahl des 19. Deutschen Bundestages (Urnengang: 24.09.2017); Direktkandidat der Piratenpartei Deutschland für den Stimmkreis 112 (Berchtesgadener Land) und Platz 3 der oberbayerischen Bezirksliste der Piratenpartei Deutschland zur Wahl des 16. Bezirkstags von Oberbayern (Urnengang: 14.10.2018).

8. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

 Konrad Adenauer (1876-1967), Willy Brandt (1913-1992).

9 . Was verbindet Sie mit der Region?  Was ist das Besondere bei uns?

Meine Verwandten leben seit den 1950er-Jahren im Landkreis Rosenheim. Ich bin seit 2004 ansässig im idyllischen Oberaudorf – eine einzigartige Heimat mit herrlichem Ausblick auf die umliegende hochalpine Bergwelt. Durch mein Studium der Wirtschaftsgeografie, Geografie und Politischen Wissenschaft gilt mein besonderes Augenmerk der Wirtschaftsförderung, Haushaltspolitik sowie der Stadt- und Landentwicklung. 

Infolge meiner Promotion in der Kommunikationswissenschaft/Journalistik und durch meinen Beruf als mehrmedialer Publizist mit journalistischem Schwerpunkt in den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf am Inn befasse ich mich fortwährend mit dem hiesigen Wirtschaftsstandort, der Tourismusregion sowie unserer Wohn-, Arbeits- und Lebenswelt – insbesondere unter Berücksichtigung der uns bewegenden Probleme sowie der Wirkungen der digitalen Transformation. Vieles hierzu steht in meinem Blog drokkrueger.de.

10. Warum sind genau Sie der Richtige?

Ergänzung zu Antwort 11. Vor dem Hintergrund komplexen, tiefgreifenden Wandels ist grundsätzlich das größte Risiko Mut- und Konzeptionslosigkeit, die größte Chance Know-how und Wille zur Zukunftsgestaltung. Die nötigen Veränderungen und Anpassungen erfordern eine überzeugende, positive und gesamtverantwortliche Vision. Die digitale Transformation etwa verlangt nach couragierten Antworten, nach einer konsolidierten und proaktiven Digitalpolitik. Diese ethisch und zum Nutzen der Menschen positiv zu gestalten, dazu bedarf es der Fachkenntnis, beruflichen Erfahrung, Integrität, Überzeugung, Empathie und eines lösungsorientierten Denkens. In diesem Sinne bin ich bereit, als versierter Rosenheimer Mandatsträger kollaborativ den entscheidenden Beitrag zu leisten.

11. Was sind Ihre drei wichtigsten politischen Ziele? 

Mein Wahlspruch: Digital – konsequent und sozial. Digitalisierung, Globalisierung, Klimawandel, Migration – in dieser Dekade verändert sich unser gesamtes Leben rasant, tiefgreifend, nachhaltig. Sprechen wir deshalb über Perspektiven, Chancen und Risiken, über gleichwertige Lebensverhältnisse, kommunale Stadtentwicklung und mietpreisgünstigen Wohnraum, über zukunftssichere Qualifizierung, Arbeit 4.0 und hinreichende Einkommen, über Bürokratieabbau, Pflege und Rente, über Smart Homes, Connected Cars und emissionsfreie Mobilität, über Automated Farming, fairen Handel und eHealth.

Sprechen wir vor allem über eine einende politische Vision für die Menschen, für unsere bayerische Heimat. Klar ist: Der epochale Digitale Wandel muss mit Weitblick politisch und sozial verantwortungsvoll gestalten werden. Fachlich versiert und täglich nah an den Menschen empfehle ich mich als ihre Rosenheimer Stimme im Landtag sowie als kritischer Schrittmacher und gewissenhafter Changemanager beim Technologiesprung. In diesem Sinne lautet das Wahlkampfmotto der PIRATEN, Liste 9: „Neustart Bayern“.

12. Was wollen Sie für die Menschen in der Region erreichen? 

Siehe Antworten 10. und 11. Mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2018 – 200 Jahre Verfassungsstaat, 100 Jahre Freistaat – werde ich mich als Rosenheimer Stimmkreisabgeordneter im Maximilianeum grundsätzlich einsetzen für den Erhalt des Tradierten und Bewahrenswerten unserer bayerischen Heimat, für die Steigerung unser aller Lebensqualität in Freiheit und Sicherheit sowie für die Stärkung und Modernisierung der Region.

13. Thema Infrastruktur: Wie stehen Sie zu den vorgestellten ersten Grobtrassenentwürfen zum Brenner-Nordzulauf, welche Probleme bleiben bestehen, welche kommen hinzu und welche Lösungen haben Sie?

Brenner Basistunnel (BBT) und Zulaufstrecken sind Teil des europäischen Verkehrskorridors von Skandinavien nach Sizilien. Die Inntaler Eisenbahntrasse ist 160 Jahre alt, kurvenreich, für 130 km/h ausgelegt. Täglich können ab München bis zu 180 Züge fahren – der BBT wird 400 Züge aufnehmen. Der Güterverkehr wird ansteigen, zulasten des Nahverkehrs. Engpässe drohen. Dabei ist der Bedarf noch zu konkretisieren. Trassenvorschläge können noch bis Ende 2018 eingereicht werden. Der Dialog über die Trassenführung ist transparent, sachlich, fair, ergebnisoffen und unter ausgedehnter Beteiligung zu führen. 2020 soll der finale Trassenvorschlag vorliegen. Wichtig: eine möglichst kostengünstige Lösung, die die Kulturlandschaft weitgehend bewahrt, Lärm- und Naturschutz berücksichtigt. Eine unterirdische Trasse erscheint sinnvoll.

14. Thema Verkehr: Ist der sechsspurige Ausbau der A8 dringend erforderlich, welche Alternativen sehen Sie?

Derzeit ist der sechsspurige Ausbau der A8 angesichts häufiger Staubildungen naheliegend. Allerdings verändert die Digitalisierung das Mobilitätserfordernis, Stichwort: Arbeit 4.0, was zur Entlastung der verkehrlichen Staurouten führen wird. Hierbei ist die nahe Zukunft der Mobilität unumkehrbar bestimmt durch alternative Antriebe, vernetzte Autos, selbstständig fahrende Wagen sowie ressourcenschonende Mobilitätssysteme wie Car Sharing und On-Demand-ÖPNV. Dafür ist die Verkehrsinfrastruktur bereits heute mit Sorgfalt zu ertüchtigen. 

Die Digitalisierung ist der Treiber der Transformation in Logistik, Straßen-, Schienen-, See- und Luftverkehr sowie Raumfahrt. Wartung und Instandhaltung der Systeme verlangen Spezialwissen und adäquate Ausbildungswege für die neuen Berufsbilder. Soweit durch Elektromobilität die Klima- und Luftreinhalteziele erreicht werden können, ist eine flächendeckende Ladeinfrastruktur für deren Erfolg entscheidend und jetzt zu schaffen.

15. Thema Wohnen: Wie kann gerade in der Region bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden? 

Die Mietpreisbremse greift ins Leere, der soziale Wohnungsbau kommt kaum voran, die Wohnungslosigkeit ist in der Mittelschicht angekommen. Rosenheim selbst ist die flächenmäßig zweitkleinste kreisfreie Stadt Bayerns – es fehlen bebaubare Grundstücke. Grundsätzlich sollte – wo immer möglich – die Wohnungsnot grünflächensparend gelindert werden: Bei kurzfristigen Nachfragespitzen sollte Wohnungsbestand in öffentlicher Hand verfügbar gemacht werden. Mittel- bis langfristig sollte durch steuerlichen Anreiz der Wohnungsbau gefördert werden. Mietpreisgünstiger Wohnraum ist durch verschiedene Maßnahmen zu fördern: kommunale Stadtentwicklung, interkommunale Zusammenarbeit, zukunftssichere/barrierearme/technologieoffene Planung, Ballungsraum-Orientierung, städtebauliche Verdichtung, Innen- vor Außenentwicklung, Sanierung alter Wohnblöcke, bei Abbruch zügiger Neubau mit erhöhter, bezahlbarer Wohnfläche für Familien, Sharing-Modelle, bedarfsorientierte Stellplatzverordnungen, Umzugsmanagement, Beschleunigung der Genehmigungsverfahren, Anpassung der Grunderwerbssteuer, Verkürzung der Abschreibungen, Anreizinstrumente wie Förderungen sowie Reaktivierung des sozialen Wohnungsbaus.

16. Thema Ökologie: Auf welche Weise kann dem Flächenfraß in Bayern entgegenwirkt werden?

Boden ist eine lebensnotwendige Ressource. Gleichwohl werden allein schon wegen des anhaltenden Zuzugs nach Bayern Konsenslösungen mit den Kommunen gebraucht. Neben der interkommunalen Zusammenarbeit wichtig: Flächen-Recycling. Dabei ist der Begriff „Flächenfraß“ irreführend. Konkret: Laut Bayerisches Landesamt für Statistik sind 88,9 Prozent der Flächen im Landkreis Rosenheim Wald, Wiesen, Felder, Landwirtschaft und Gewässer, in der kreisfreien Stadt sind dies 58,9 Prozent. 

Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen beanspruchen lediglich 0,9 Prozent im Landkreis und 5,2 Prozent in der Stadt (Stand: Ende 2016). Der Anteil von Gewerbe- und Industrieflächen ist zwischen 2011 und 2015 nahezu gleich geblieben (0,5 auf 0,6 Prozent im Landkreis, 2,9 auf 2,8 Prozent in der Stadt), die Produktivität je Hektar Gewerbefläche hat jedoch zugenommen. Zu berücksichtigen ist zudem, dass einerseits nicht jede für Wohnen, Verkehr oder Gewerbe ausgewiesene Fläche versiegelt ist und andererseits Rosenheim die Herausforderungen des stetig wachsenden Verdichtungsraumes der Metropolregion München bewältigen muss. 

Überdies sind der IHK zufolge 80 Prozent jener Betriebe, die auf der Suche nach neuen Standorten sind, lokale Unternehmen, die expandieren möchten. Sind also der Bedarf gegeben und die Standortfaktoren stimmig, sollten Betriebe weiterhin die Chance zur Entfaltung haben. Dabei sind neben dem flächenschonenden und -effizienten Bebauen von Grünflächen das Wiederbeleben von Brachflächen sowie die Verdichtung zu prüfen. Zur aktiven, bedarfsorientierten und strategischen Steuerung der Nutzung ist daher ein gemeindeübergreifendes Flächenmanagement einzuführen.

17. Thema Landwirtschaft: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen dem Umweltschutz, Tourismus und der Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe?

Die Vielfalt der urbanen und ländlichen Räume Bayerns sind sowohl Ausdruck einer langen, facettenreichen Entfaltung als auch föderale Stärke. Ziel der Daseinsvorsorge und Infrastrukturentwicklung muss Berechenbarkeit und Bleibeperspektive sein. Tourismus ist in Bayern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Impulsgeber. In Südostoberbayern etwa werden die Tourismusregionen Inn-Salzach, Chiemgau, Chiemsee-Alpenland und Berchtesgadener Land noch attraktiver, wenn der Glasfaserausbau beschleunigt wird, Lücken in den Mobilfunknetzen geschlossen werden sowie das 5G-Mobilfunknetz ausgebaut und zukunftsorientierte Verkehrskonzepte unter Einbeziehung der Elektromobilität vorangetrieben werden. 

Die ländlichen Regionen brauchen vor Ort verlässliche, beständige Strukturen mit wohnortnaher Versorgung. Die Landwirtschaft muss wettbewerbsfähig, umwelt- und tiergerecht sein, bäuerliche Familienbetriebe, Land- und Forstwirtschaft Zukunftsperspektiven haben. Der Wirtschaftsstandort muss agil, zukunftsfähig, krisenfest sein, Unternehmen vielfältig gefördert werden: finanziell und durch innovationsfreundliche Rechtsrahmen. Voranzubringen sind folglich: Bürokratieabbau, E-Government, kommunale Digitalisierungsstrategien, digitale Geschäftsmodelle im Handel, vernetzte Mobilität, digitale Straßeninfrastruktur, Automated Farming plus „Customer Journey“ im Tourismus sowie digitale Versorgungsangebote im Gesundheitswesen.

18. Thema Soziales: Die bayerischen Vereine stehen aufgrund der starken Regulierungen aktuell vor großen Hürden. Wie wollen Sie das Vereinsleben auch in Zukunft fördern?

Babensham muss ein Weckruf sein: Alle kleinen Vereinsfeste sind heuer abgesagt, selbst die 125-jährige Jubiläumsfeier des Schützenvereins – wegen des bürokratischen Aufwandes. Problem: Für die Zulassung von Events müssen den Behörden fristgerecht vollständige und prüfbare Unterlagen vorgelegt werden – etwa detaillierte Pläne der Lokalität inklusive Maßangaben – sowie gegebenenfalls Schankerlaubnis und GEMA-Lizenzierung eingeholt, Versicherungsschutz gewährleistet, überdies Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdienst und Krankenhäuser einbezogen sein. Den steigenden Aufwand zu meistern, dazu fehlt manchen Vereinen und ländlichen Gemeinden das Personal, die Kapazität, das Geld. Vorgehen: Unter Beteiligung des von der Bayerischen Staatsregierung Beauftragten für Bürokratieabbau muss eine Staffelung der Anforderungen ins Auge gefasst werden, sodass etwa für Zelte bis zu einer Größe von 300 Quadratmetern keine Abnahme mehr durch das Landratsamt notwendig ist (aktuell: 75 Quadratmeter).

19. Thema Migration: Wie stehen Sie zu der Asylpolitik von Markus Söder, wie kann zum Beispiel die Rückführung der abgelehnten Asylbewerber gelöst werden?

Gebraucht wird ein Maßnahmenbündel, zu dem schlagwortartig gehören muss: Rechtsstaat stärken, Gesetze/Verträge einhalten, Justiz ertüchtigen, Sicherheit gewährleisten. Asyl und Migration unterscheiden. Asylverfahren verkürzen, Betreuung Minderjähriger intensivieren, Ehrenamt/Patenprojekte für Geflüchtete stärken, europäischen Wertekanon vermitteln, gemeinnützige Arbeitsmöglichkeiten schaffen. Rückführungen vollziehen, Rückkehrprogramme auflegen. (Folge-)Migration regulieren, berufliche Ausbildung fördern, Zuwanderer in den Arbeitsmarkt eingliedern. Illegale Migration, Schleusungen, grenzüberschreitende Kriminalität: Zusammenarbeit Bundespolizei und Bayerischer Polizei stärken, Grenzkontrollen ausweiten, Schleierfahndung intensivieren, Tarifbeschäftigte einstellen, IT-Infrastruktur harmonisieren. Fachkräftezuwanderung via Punktesystem steuern. Kommunen finanziell unterstützen, Fachpersonal einstellen, Planungssicherheit schaffen, Wohnungsbau forcieren.

20. Thema Arbeit: Ist das bedingungslose Grundeinkommen der richtige Weg?  Wie sähe die Alternative aus? 

Viele engagierte Menschen aus unterschiedlichen Bereichen treten seit Jahren innerhalb und außerhalb von Parteien für ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) ein. Die Piratenpartei Deutschland unterstützt weltweit Initiativen zur Einführung eines Grundeinkommens und setzt sich für einen intensiven Erfahrungsaustausch über bisherige Pilotprojekte und zu ergreifende Zwischenschritte ein. Wir Piraten wissen, dass ein BGE die Paradigmen des bundesdeutschen Sozialstaats wesentlich verändert. Deshalb muss das künftige BGE auf breitem Konsens fußen.

21. Thema Bildung: Wie wollen Sie die Bildungslandschaft im Freistaat stärken?

Bayern braucht mehr Lehrkräfte, Quer- und Seiteneinsteiger sind pädagogisch nachzuqualifizieren. Im Landtagswahlprogramm 2018 fordern wir Piraten zusätzlich 4.000 Stellen. Wir wollen die Förderprogramme erweitern, die baulichen Zustände der Schulen nachhaltig verbessern, treten für ein Pflichtfach Informatik ein, für offene, moderne Unterrichtsformen und -materialien sowie für einen Bildungsurlaub von zwei Tagen pro Quartal. Jede Bildungseinrichtung im Freistaat soll bis 2021 mit Breitband von mindestens 100 MBit/s versorgt sein. Ob aber WLAN schon in Kitas und Grundschulen zwingend erforderlich ist, muss diskutiert werden.

2 2. Thema Familie: Wie stehen Sie zu dem bayerischen Familiengeld; an welchen Stellen muss nachgebessert werden?

Seit dem 1. September zahlt der Freistaat Bayern den Eltern pro ein- und zweijährigem Kind 250 Euro im Monat aus, ab dem dritten Kind 300 Euro. Das Gesamtvolumen für das Familiengeld soll laut Staatskanzlei ab kommendem Jahr 2019 bei rund 776 Millionen Euro liegen. 

Das SPD-geführte Bundesarbeitsministerium und die CSU-geführte Bayerische Staatsregierung sind sich jedoch uneins, ob das Familiengeld angerechnet werden muss auf die ALG-II-Sätze (Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich: Hartz IV). Die CSU besteht darauf, dass auch Transferleistungsempfänger, „die Ärmsten“, von der neuen Leistung profitieren, weshalb das Bayerische Arbeitsministerium die kommunalen Jobcenter Mitte August angewiesen hat, das Familiengeld nicht auf die ALG-II-Sätze anzurechnen. 

Kurzum: Familienförderung ist grundsätzlich zu begrüßen, das bayersiche Familiengeld droht aber gerade bei den Bedrürftigen nicht anzukommen, da es als Einkommen zu werten und daher auf die Grundsicherung anzurechnen sei.

23. Thema Versorgung: Was halten Sie vom Landespflegegeld?

Alle Pflegebedürftigen ab dem zweiten Pflegegrad mit Hauptwohnsitz in Bayern erhalten auf Antrag ein Landespflegegeld in Höhe von 1.000 Euro jährlich, also auch Menschen, die von Grundsicherung leben. Wie bei Frage 22. prüft auch hier das SPD-geführte Bundessozialministerium, ob das Pflegegeld der CSU-geführten Bayerischen Staatsregierung auf die Grundsicherung anzurechnen ist.

Mögliche Folge: Die Leistung bei Anspruchsberechtigten würde gekürzt werden, damit deutschlandweit gleiches Recht gelte. Betroffen: Empfänger von Grundsicherung im Alter sowie Empfänger von ALG II. Bisher sollen rund 230.000 Menschen das Landespflegegeld beantragt haben. Wie viele von ihnen Sozialleistungen beziehen, ist unbekannt. Die Zahl dieser Leistungsempfänger unter den Antragstellern dürfte sich jedoch in Grenzen halten, da sie in der Regel zu jung sind, um pflegebedürftig zu sein. Wenngleich der Pflegebereich grundsätzlich aufgewertet gehört, so darf Sozialpolitik letztlich nicht Politikverdrossenheit befördern.

24. Brauchen wir einen Regierungswechsel im Landtag?

„Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, hat Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) am 31. August 1984 über seinen Regierungsstil gesagt. Bayern steht in seinem Jubiläumsjahr vor vielgestaltigen Herausforderungen und manchem Paradigmenwechsel. 

Die Wahlberechtigten können beim Urnengang am 14. Oktober 2018 einerseits die aktuellen politischen Verantwortungsträger und Akteure „benoten“, andererseits im Freistaat die politischen Schwerpunkte der nächsten Legislaturperiode mitbestimmen. Umfragen zufolge könnten danach trotz der Fünf-Prozent-Sperrklausel sieben Parteien in Fraktionsstärke im Maximilianeum vertreten sein bei gleichzeitigem Verlust der absoluten Mehrheit für die CSU. Aus historischer Erfahrung wird dieser Zustand mit Instabilität assoziiert. Allerdings entfalten auch soziokulturelle, religöse und tradierte politische Milieus immer weniger Bindungskraft bei der angestammten Bevölkerung. 

Hinzu treten Integrationsdefizite der traditionellen (Groß-)Parteien, Integritätsverluste bei Politikern und Statusgefährdungen aufgrund sozialer Bewältigungsdrücke bei Modernisierungsprozessen, ausgelöst beispielsweise durch Globalisierung, Digitalisierung und Migration. Immer stärker motivieren daher persönlich drängende Sachfragen und flüchtige Stimmungslagen zu sprunghaften Wahlhandlungen – und stellen Politiker vor Mobilisierungsschwierigkeiten. Allgemein betrachtet folgt daraus nicht zwangsläufig das Sinken der Wahlbeteiligung. Die Wahlbereitschaft steigt aber bei Konfliktlagen mit eindeutigen, akzeptablen Lösungsangeboten. 

Deshalb dürfte der Wahlkampf in seiner heißen Phase konfrontativ und plakativ werden. Kommt die prognostizierte Koalitionsregierung, wird relevant sein, inwieweit sie die drängenden Probleme anerkennt und wie sie diese anzugehen vermag. Besonderes Augenmerk richte ich hier darauf, wie konsequent und sozial die Digitalpolitik ausgeformt sein wird.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten des Kandidaten/der Kandidatin wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

Quelle: rosenheim24.de

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