Linke stellt Bedingungen für Koalition mit SPD im Bund

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Linken-Chefin Gesine Lötzsch

Berlin - Linken-Chefin Gesine Lötzsch ist offen für eine Koalition ihrer Partei mit der SPD im Bund, stellt aber Bedingungen.

“Wenn wir auf der Bundesebene genügend gemeinsame Schnittmengen finden, dann werden wir uns einer Zusammenarbeit nicht verschließen“, sagte Lötzsch dem ZDF. Jedoch gebe es wichtige Grundsätze, die umgesetzt werden müssten, allen voran die Frage der Gerechtigkeit.

“Dafür steht der gesetzliche Mindestlohn, den wir immer noch nicht haben in Deutschland.“ In der Außenpolitik gebe es zudem eine Bedingung, “von der wir nie abrücken können, und das ist der Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan.“ Auf Länderebene koalierte die Linke bereits mehrfach mit der SPD, aktuell ist das in Berlin und Brandenburg der Fall.

Im ZDF-“Sommerinterview“, aus dem der Sender am Samstag Auszüge vorab veröffentlichte, ging Lötzsch auch auf ihren umstrittenen Text “Wege zum Kommunismus“ ein, der Anfang des Jahres für Schlagzeilen sorgte. Sie zeigte sich enttäuscht darüber, dass nur ein Teil dieses Artikels diskutiert worden sei. “Aber vielleicht ist es auch ganz gut, wenn man mal ganz grundsätzliche Debatten in der Gesellschaft anstößt“, sagte die Linken-Vorsitzende.

Das ist die Linken-Führung

Das ist die Linken-Führung

Nach dem Rückzug des Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine hat sich die Linkspartei überraschend schnell auf ein neues Personaltableau geeinigt. © dpa
Sowohl beim Vorsitz als auch beim Amt des Bundesgeschäftsführers gibt es künftig eine Doppelspitze. Die Kandidaten hat der Linken-Parteitag in Rostock Mitte Mai gewählt. © dpa
KLAUS ERNST (55) ist Parteivorsitzender. Seine Rede bei der Fraktionsklausur am 11. Januar hatte Bewerbungscharakter, der Partei- und Fraktionsvize versuchte als Versöhner zwischen dem West- und Ostteil der Partei aufzutreten. © dpa
Der für seine Späße bekannte Ernst ist für die Linke eine wichtige Brücke zu den Gewerkschaften. Er war unter anderem Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Schweinfurt. © dpa
Die lief dort zu Zeiten von Rot-Grün Sturm unter anderem gegen Hartz IV und Agenda 2010. © dpa
Ernst und andere Funktionäre verließen die SPD und gründeten die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG), die 2007 mit der PDS zur Linken fusionierte. © dpa
Seit 2005 sitzt Ernst im Bundestag. Er ist parteiintern umstritten, da er gegen Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch Partei ergriffen hatte. © dpa
GESINE LÖTZSCH (48) ist Parteivorsitzende: Die bislang stellvertretende Fraktionsvorsitzende ist einem größeren Publikum bisher kaum bekannt. Bei den Bundestagswahlen 2002, 2005 und 2009 holte sie das Direktmandat in Berlin-Lichtenberg. © dpa
Da 2002 die damalige PDS an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, saßen sie und Petra Pau allein für ihre Partei ganz hinten im Bundestag. © dpa
Ihre politische Karriere startete Lötzsch zu DDR-Zeiten: 1984 trat sie in die SED ein. Nach der Wende folgte der Wechsel in die PDS, wo sie bis 1993 an der Spitze der Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus stand. © dpa
Seit 2005 ist die promovierte Germanistin haushaltspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Bundestag und als Expertin auch bei den anderen Parteien angesehen. © dpa
Ihre Aufgabe in der Partei sieht sie darin, das Zusammenwachsen der Ost- und Westteile zu stärken. © dpa
CAREN LAY (37) ist Bundesgeschäftsführerin: Die Soziologin ist zwar in Neuwied am Rhein geboren, zog aber über die Landesliste Sachsen in den Bundestag ein. © Die Linke Sachsen
“Allen Kindern die gleichen Bildungschancen zu eröffnen, auch Kindern aus ärmeren Familien, hat mich angetrieben“, sagt sie zu den Gründen, warum sie in die Politik gegangen ist. © dpa
Sie ist Mitglied beim BUND, Verdi und attac. In ihrer Partei wird sie eher dem realpolitischen Flügel zugerechnet. © Die Linke
Seit 2004 saß Lay im sächsischen Landtag, seit 2007 war sie parlamentarische Geschäftsführerin der sächsischen Linksfraktion. Seit 2009 ist sie Bundestagsabgeordnete. © Twitter
Als Bundesgeschäftsführerin müsste sie vor allem den von Bartsch erfolgreich betriebenen Aufbau junger Nachwuchstalente, die Arbeit am Grundsatzprogramm und die Verfestigung der Parteistrukturen vorantreiben müssen. © Linksfraktion im Bundestag
WERNER DREIBUS (62) ist Bundesgeschäftsführer: Der Gewerkschaftssekretär stammt aus Offenbach am Main. © dpa
Seit 1994 ist er Bevollmächtigter der IG Metall Offenbach. © Hoempage
Er war Gründungsmitglied der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) und sitzt seit 2005 im Bundestag. © Homepage
Ähnlich wie Lay ist er über die Parteigrenzen hinweg bisher ein eher unbeschriebenes Blatt und tritt angesichts der Popularität von Bartsch ein schweres Erbe an. © Homepage
Der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion ist verheiratet und hat eine Tochter. © Homepage

Angesichts von Wirtschafts- und Finanzkrisen fragten sich viele Leute, wie es weitergehen solle und ob es gesellschaftliche Alternativen gebe. “Und wenn wir Diskussionen zu gesellschaftlichen Alternativen in unserer Gesellschaft beginnen und auch nicht gleich wieder abbrechen lassen, dann finde ich das gut.“ Das Ziel ihrer Partei sei der demokratische Sozialismus, wie er auch im Programmentwurf genannt werde.

Lötzsch hatte im Januar in einem Zeitungsbeitrag geschrieben: “Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung.“ Wegen dieser Aussagen zum Kommunismus war Lötzsch von anderen Parteien unterstellt worden, sie stehe damit nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes.

dpa

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