De Maiziere widerspricht US-Verteidigungsminister

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Die Lage am Hindukusch ist laut Verteidigungsminister de Maiziere "noch nicht so, wie wir uns das wünschen würden".

Grafschaft-Gelsdorf - Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) hat die Sicherheitslage in Afghanistan sehr zurückhaltend bewertet. Damit widerspricht er der Einschätzung eines US-Kollegen.

Beim Besuch der Streitkräftebasis (SKB) in der Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Kaserne in Grafschaft-Gelsdorf bei Bonn, sagte der Minister am Dienstag, die Sicherheitslage am Hindukusch sei “noch nicht so, wie wir uns das wünschen würden“. Damit interpretierte de Maiziere eine Aussage des neuen US-Verteidigungsministers Leon Panetta, der erklärt hatte, der Sieg über die Terrororganisation Al-Kaida sei “in greifbare Nähe“ gerückt. Panetta habe sich nur auf die Al-Kaida bezogen, sagte de Maiziere.

In einer Truppenschau demonstrierten Soldaten der SKB vor dem Minister ihr Können. Die Streitkräftebasis ist das logistische Rückgrat der Bundeswehr. Die Angehörigen des zweitgrößten Organisationsbereichs der Bundeswehr, des zentralen militärischen “Dienstleistungsunternehmen“ der Streitkräfte, versorgen die Soldaten im In- und Ausland mit allem Notwendigen. Die Streitkräftebasis mache mit ihren 60.000 Soldatinnen und Soldaten sowie 14.500 zivilen Mitarbeitern “einen guten Job“ und habe sich bewährt, sagte der Minister.

Was dürfen deutsche Soldaten in Afghanistan?

Was dürfen deutsche Soldaten in Afghanistan?

Der Inspekteur der Streitkräftebasis, Vizeadmiral Wolfram Kühn, hatte erläutert, ein Einsatz deutscher Streitkräfte “ist ohne uns nicht mehr möglich“. Die SKB, die einmalig in der deutschen Militärgeschichte ist, war vor elf Jahren neben den klassischen Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine als eine übergreifende Organisationseinheit geschaffen worden. Sie ist aber keine eigene Teilstreitkraft.

Bei den einzelnen Vorführungen wurde deutlich, welche Rolle die SKB für die Durchhalte- und Führungsfähigkeit der Bundeswehr besonders im Auslandseinsatz wahrnimmt. So leistet sie die logistische Versorgung der Einsatzkontingente, stellt weltweit Fernmeldeverbindungen zur Verfügung und verknüpft alle Einsatzgebiete über Satellitenkommunikation mit Deutschland. In einem aufgebauten Führungszentrum wurde dem Minister vorgeführt, wie die deutschen Einsätze in Afghanistan geleitet werden.

Zahl der SKB-Soldaten sinkt wahrscheinlich auf rund 38.800

Die SKB sorgt auch für die Geo-Informationen und hilft bei der zivil-militärischen Zusammenarbeit im Auslandseinsatz. SKB-Offiziere zeigten de Maiziere, wie die Soldaten zum Wiederaufbau in Afghanistan beitragen. In einem nach afghanischem Muster aufgebauten Zelt wurde der Minister von einem echten Afghanen empfangen. De Maiziere konnte sich in der nachgestellten Szene ein Bild davon machen, wie ein deutscher Offizier mit dem Afghanen aus dem Nordosten des Landes Informationen austauscht.

Nach Angaben der Streitkräftebasis sollen künftig die Kommandos für Logistik, Führungsunterstützung und Territoriale Aufgaben neu aufgestellt beziehungsweise bestehende Strukturen optimiert werden. In Zukunft sollen Truppe, Ausbildung, Einsätze und Übungen sowie die Weiterentwicklung der Streitkräfte aus einer Hand wahrgenommen werden. Wehrexperten des Bundestages berichteten, die Zahl der SKB-Soldaten werde wohl in der neuen Struktur der Bundeswehr von 60.000 auf rund 38.800 sinken.

Kühn hatte den Minister in dem streng geheimen Bunker auf dem Kasernengelände in Grafschaft-Gelsdorf auch mit dem “Kommando Strategische Aufklärung“ vertraut gemacht. Hier laufen die Fäden des militärischen Nachrichtenwesens zusammen. “Unser Auftrag ist die Informationsgewinnung für Krisenvorsorge und Konfliktprävention für Politik und Bundeswehr“, erläuterte Kühn dem Minister.

dapd

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