Mappus warnt vor übereiltem Atom-Ausstieg

+
Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) hat vor einem übereilten Atom-Ausstieg gewarnt.

Berlin - Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) hat vor einem übereilten Atom-Ausstieg gewarnt. Ihm gehe es um Sicherheit als höchstes Gut - aber auch um Wohlstand.

Vor den Landstagswahlen am heutigen Sonntag hat der baden-württembergische Ministerpräsident Steffan Mappus (CDU) davor gewarnt, durch einen überstürzten Ausstieg aus der Kernenergie die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gefährden. Der “Bild am Sonntag“ sagte Mappus: “Seriöse Politik muss die Sicherheit als unser höchstes Gut im Auge haben, aber auch die Frage beantworten, wie wir unseren Wohlstand erhalten können, wie wir Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit bei der Energie hin bekommen.“

Neben der Sicherheit müssten auch die finanziellen Folgen für die Verbraucher bei den Überlegungen bedacht werden: “Natürlich spielt die Sicherheit die größte Rolle. Für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ist aber auch die Versorgungssicherheit von zentraler Bedeutung. Und ebenso die Preisfrage.“

Mappus warnte davor, künftig ausschließlich auf erneuerbare Energien zu setzen: “Wir brauchen in Deutschland einen nationalen Energiekonsens. Es muss über alles gesprochen werden: Kohle, Kernenergie, Gas, Erneuerbare. Auch den Bau neuer Leitungen, um diese Energie quer durch Deutschland in Betriebe und Haushalte zu bringen. Da darf sich keiner wegducken.“

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

AKW Deutschland Europa
In Deutschland sind 17 Atomkraftwerke in Betrieb (Gesamtleistung 20 490 Megawatt) © dpa
AKW Deutschland Europa
In Bayern stehen insgesamt fünf AKW: Hier das Atomkraftwerk in Gundremmingen. © dpa
AKW Deutschland Europa
Hier die beiden Atomkraftwerke Isar 1 und 2 nahe Essenbach in Niederbayern. Der Reaktor Isar 1 steht seit Jahren in der Kritik. © dpa
AKW Deutschland Europa
Hier das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld bei Schweinfurt in Bayern. © dpa
AKW Deutschland Europa
In Hessen stehen die beiden seit Jahren umstrittenen Atomkraftwerke Biblis A und Biblis B. Biblis A wurde im Jahr 1974 in Betrieb genommen und ist der älteste noch genutzte Reaktor. © dpa
AKW Deutschland Europa
Niedersachsen zählt insgesamt drei Atomkraftwerke: hier das AKW in Grohnde an der Weser. © dpa
AKW Deutschland Europa
Hier das Kernkraftwerk Emsland nahe Lingen in Niedersachsen. © dpa
AKW Deutschland Europa
Das Kernkraftwerk Unterweser nahe Rodenkirchen in Niedersachsen. © dpa
AKW Deutschland Europa
In Schleswig-Holstein sind insgesamt drei AKW am Netz. Hier das Kernkraftwerk Brokdorf. © dpa
AKW Deutschland Europa
Hier das AKW Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. © dpa
AKW Deutschland Europa
Das Kernkraftwerk in Krümmel (Schleswig-Holstein). © dpa
AKW Deutschland Europa
In Baden-Württemberg sind insgesamt vier AKW am Netz. Hier die besonders umstrittenen Kraftwerke Neckarwestheim 1 und 2. © dpa
AKW Deutschland Europa
Hier die Kraftwerke Philippsburg 1 und Philippsburg 2 in Baden-Württemberg. © dpa
AKW Deutschland Europa
In Europa sind derzeit 195 Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 170 Gigawatt am Netz (Stand Januar 2011). © dpa
AKW Deutschland Europa
In Belgien sind sieben Atomkraftwerke in Betrieb (5 926 Megawatt) © dpa
AKW Deutschland Europa
Finnland betreibt vier AKW (2 716 MW) © dpa
AKW Deutschland Europa
In Frankreich sind 58 AKW in Betrieb mit einer Gesamtleistung von 63 130 MW (hier der Standort Cattenom) © dpa
AKW Deutschland Europa
In Großbritannien gibt es 19 AKW (10 137 MW) © dpa
AKW Deutschland Europa
Die Niederlande betreiben nur ein Atomkraftwerk (487 MW) © dpa
AKW Deutschland Europa
32 Atomkraftwerke stehen in Russland (22 693 MW) © dpa
AKW Deutschland Europa
In der Schweiz sind fünf AKW am Netz mit einer Gesamtleistung von 3 238 MW (hier der Standort Leibstadt) © dpa
AKW Deutschland Europa
Vier Atomkraftwerke stehen in der Slowakei (1 792 MW) © dpa
AKW Deutschland Europa
Nur ein Kraftwerk mit einer Gesamtleistung von 666 MW ist in Slowenien in Betrieb. © dpa
AKW Deutschland Europa
In Bulgarien gibt es zwei AKW (1 906 MW) © dpa
AKW Deutschland Europa
Acht Atomkraftwerke sind in Spanien am Netz (7 516 MW, hier Asco) © dpa
AKW Deutschland Europa
In Tschechien werden sechs AKW betrieben (3 678 MW) © dpa
AKW Deutschland Europa
Ungarn zählt vier Kraftwerke (1 889 MW) © dpa
AKW Deutschland Europa
In der Ukraine sind 15 AKW mit einer Gesamtleistung von 13 107 MW am Netz (hier Tschernobyl, bei dem sich im Jahr 1986 ein Super-GAU ereignete) © dpa
AKW Deutschland Europa
In Rumänien stehen zwei Atomkraftwerke (Gesamtleistung 1 300 MW) © dpa
AKW Deutschland Europa
In Schweden sind zehn AKW am Netz (9 303 MW, hier der Standort Oskarshamm) © dpa

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) warf der Bundesregierung Verfassungsbruch vor: “Sie sprechen von einem nationalen Konsens, dabei verstößt die Bundesregierung gerade gegen die Verfassung. Atomkraftwerke kann man ohne Gesetzesänderung nur bei einer konkreten Gefährdungslage abschalten. Wenn Sie es ernst meinen mit dem Abschalten der ältesten Meiler, dann müssen Sie ein Ausstiegsgesetz verabschieden.“

Der SPD-Politiker sieht im Vorgehen der Regierung eine reine Wahlkampfaktion: “Die Bundesregierung will sich nicht gesetzlich binden, sie handelt aus rein wahltaktischen Gründen.“ Beck ist überzeugt, in seinem Bundesland auch ohne Kernkraft die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können:

Beck bot Union und FDP an, eine gemeinsame Lösung für die Zeit nach einem Atomausstieg zu suchen: “Die SPD ist bereit, auf Basis des rot-grünen Konsenses mit einem Ende der Atomenergie im Jahr 2020 mit Schwarz-Gelb zu verhandeln. Machen Sie ein ordentliches Gesetz, dann sind wir mit dabei und übernehmen gemeinsame Verantwortung.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach den Probleme im japanischen Atomkraftwerkskomplex Fukushima die vorübergehende Abschaltung der sieben ältesten AKW angeordnet. Nach dem 15. Juni soll entschieden werden, ob die sieben AKW sowie der nach Pannen stillstehende Meiler Krümmel wieder ans Netz dürfen.

dpa

Kommentare