Gehen, bleiben oder stürzen

Merkel unter Druck: Das sind die drei Top-Kandidaten auf die Nachfolge

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Merkel unter Druck.

Alle berichten vom „Anfang vom Ende“ der Merkel-Kanzlerschaft. Doch einen Regieplan für Wechsel oder Sturz gibt es noch nicht. Allenfalls Szenarien kursieren – und Namen potenzieller Erben.

BerlinIm Maaßen-Konflikt machte Angela Merkel alles andere als eine gute Figur. Bei der Neuwahl des Chefs der Unionsfraktion versagten die eigenen Abgeordneten der Kanzlerin die Gefolgschaft. Kein Zweifel, das Ansehen der Regierungs- und CDU-Chefin hat stark gelitten. Ihre Macht schwindet. In der Partei werden deshalb Forderungen laut, nun müsse Merkel die „Zeit des Übergangs in die Zukunft“ moderieren. Doch wie kann dieser Übergang aussehen? Wenigstens drei Szenarien sind denkbar.

Merkel geht:

Falls die Union die anstehenden Landtagswahlen in Bayern und Hessen gründlich verliert, und danach sieht es aus, werden viele „Parteifreunde“ das vor allem Merkel anlasten. Unter dem wachsenden Druck könnte sie gezwungen sein, den CDU-Vorsitz abzugeben. Gelegenheit dazu bietet sich Anfang Dezember beim turnusmäßigen Wahlparteitag in Hamburg. Möglich wäre auch eine vorzeitige Aufgabe der Kanzlerschaft. Vorgemacht hat das Willy Brandt (SPD). Der trat am 6. Mai 1974 in der laufenden Wahlperiode zurück. Zehn Tage später wählte der Bundestag Helmut Schmidt zum Nachfolger.

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Merkel bleibt:

Für dieses Szenario spricht Merkels Reaktion auf die Abwahl ihres Vertrauten Volker Kauder. Die prompte Forderung, sie müsse nun im Parlament die Vertrauensfrage stellen, ließ sie mit einem „ganz klaren Nein“ abtropfen. Überhaupt ist Merkel eine Meisterin im Aussitzen. Das zeigte sich schon vor der Sommerpause, als Horst Seehofer (CSU) die Große Koalition mit seinem Anti-Merkel-Kurs in der Flüchtlingspolitik fast zum Platzen gebracht hätte. Die Kanzlerin blieb stur, und Seehofer erklärte seinen Rücktritt vom Rücktritt.

Merkel wird gestürzt:

Auch das ist nicht ausgeschlossen. Tritt sie auf dem Parteitag im Dezember doch noch einmal für den CDU-Vorsitz an, könnten andere aus der Deckung kommen und gegen sie kandidieren. Ralph Brinkhaus hat das gerade vorgemacht, als er Kauder vom Fraktions-Thron verdrängte. Merkel selbst hat übrigens schon einmal eine Palastrevolution angezettelt – 1999 gegen Helmut Kohl.

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Mögliche Merkel-Nachfolger:

Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident, ist gerade 76 geworden. Er verkörpert die Sehnsucht nach konservativem Profil. Er ist eine Autorität, aber kein Neuanfang. Im Falle eines überstürzten Merkel-Endes wäre er als Übergangskanzler denkbar.
Jens Spahn, Merkels Widersacher in der Flüchtlingspolitik, will Kanzler werden. Das weiß man. Der 38-Jährige steht für konservative Erneuerung. Auf zwei Parteitagen hat er sich personell und inhaltlich gegen Merkel gestellt – und gewonnen. In der CSU hat er viele Freunde.
Annegret Kramp-Karrenbauer steht in direkter Konkurrenz zu Spahn. Dass sie von Merkel als Generalsekretärin installiert wurde, zeigt, dass die Saarländerin in der Erbfolge ganz vorne steht.
Ursula von der Leyen, Verteidigungsministerin (59) traut sich viel zu, doch ihre Chancen sind gering. Im entfernteren Kreis als Kandidaten genannt werden zudem Julia Klöckner (45), Peter Altmaier(60) und Armin Laschet (57).

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Von Stefan Vetter und Hagen Strauss

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